Galopp

Beim Ladies Day fehlen die Frauen

Weibliche Jockeys sind im Galoppsport eine Ausnahme. Selbst die besten von ihnen reiten nur selten in den Hauptrennen.

Ein seltenes Bild im Turfsport, eine Frau liegt am Ende vorn: Sibylle Vogt gewinnt ein Rennen in Hoppegarten, hier auf der Stute Dolasilla

Ein seltenes Bild im Turfsport, eine Frau liegt am Ende vorn: Sibylle Vogt gewinnt ein Rennen in Hoppegarten, hier auf der Stute Dolasilla

Foto: imago sport / imago/Galoppfoto

Berlin.  Sie nennen es den Ladies Day auf der Rennbahn in Hoppegarten. Bezogen auf die Pferde stimmt das auch, schließlich sind beim Diana-Trial am Sonntag (14 Uhr) nur die besten dreijährigen Stuten des Landes startberechtigt. Das Gruppe-II-Rennen ist mit 70.000 Euro dotiert und zählt zu den Höhepunkten der Saison. Im Sattel aber sucht man Frauen vergebens. Weibliche Jockeys sind beim Diana-Trial wieder einmal nicht dabei, wie sie überhaupt im Galopprennsport eine untergeordnete Rolle spielen. In Hoppegarten ist noch nicht einmal jeder 20. Reiter eine Jockette, wie die weiblichen Jockeys auch genannt werden.

Von 100 Bewerbern sind 99 Frauen

Im Pferdesport sind die Wettbewerbe anders als in den meisten Sportarten nicht getrennt nach Geschlechtern. Frauen und Männer treten beim Galopprennen gegeneinander an, wobei die Frauen körperlich benachteiligt sind Das meint zumindest Heiko von Glahn, Sprecher der Rennbahn in Hoppegarten. „Rennsport ist mit einer sehr großen Kraftanstrengung verbunden. Von daher haben es Männer oft leichter als Frauen, die rund 550 Kilogramm schweren Rennpferde zu reiten und zu kontrollieren“, sagt er. Dafür würden die Frauen bei den sogenannten Arbeitsreitern überwiegen, die täglich mit den Pferden trainieren. „Man sagt, dass Frauen bei der vorbereitenden Arbeit mit den Pferden mehr Gefühl für das Pferd entwickeln und es besser auf die Rennen vorbereiten können.“

Dagegen hält Kai Schirmann, Ex-Jockey und mittlerweile Leiter der Jockey-Schule in Köln, das Argument, dass Frauen körperlich unterlegen seien, für Unsinn. Es gebe auch unter den Männern solche wie den aktuellen Champion Filip Minarik, die weniger stark seien und trotzdem erfolgreich, weil sie in anderen Bereichen ihre Stärken haben. Auch die Tatsache, dass Frauen im Trainingsbetrieb in der Mehrheit sind, hat aus seiner Sicht nichts mit einem größeren Einfühlungsvermögen im Umgang mit den Tieren zu tun, sondern liege daran, dass deutlich mehr Frauen die Ausbildung zum Pferdewirt mit dem Schwerpunkt Rennreiten absolvieren. „Von 100 Bewerbungen an der Jockey-Schule kommen inzwischen 99 von Frauen“, sagt er. Allerdings würden nur wenige den Beruf länger als ein paar Jahre ausüben. „Viele hören nach zwei, drei Jahren wieder auf“, sagt Schirmann.

Im Championat als beste Frau auf Rang 17

In jungen Jahren fehlt ihnen die Erfahrung, um gerade in den wichtigen Rennen auch eingesetzt zu werden. Die meisten Trainer und Besitzer vertrauen lieber auf Männer. „Wenn man als Frau etwas erreichen will, braucht man einen Stall im Rücken, der einen unterstützt“, sagt Sibylle Vogt. Die 23-Jährige hatte während ihrer Ausbildung das Glück, dass man ihr vertraute, so dass sie bereits im zweiten Lehrjahr an die 30 Rennen absolviert hatte. Aktuell ist sie die beste Reiterin im Jockey-Championat, mit acht Siegen aus 76 Ritten steht sie auf Rang 17.

Mit Dolasilla gewann sie in dieser Saison auch schon in Hoppegarten. Es war einer von erst zwei Siegen von Frauen auf der Rennbahn in diesem Jahr – der andere gelang ebenfalls im April Tabea Rödel. An diesem Wochenende wird Vogt gleich dreimal in Hoppegarten reiten, einmal auch wieder mit Dolasilla. In den beiden Hauptrennen ist sie allerdings bloß Zuschauerin.

Vergangenes Jahr durfte Vogt im Derby reiten

Sowohl im Diana-Trial als auch beim BBAG-Auktionsrennen um 52.000 Euro am Sonnabend (ab 10.45 Uhr) bleiben die Männer unter sich. Dort sind ausschließlich dreijährige Pferde startberechtigt, die vor zwei Jahren auf einer Auktion der Baden-Badener Auktionsgesellschaft (BBAG) im Ring waren. Mit den besten Chancen geht Kronprinz ins Rennen, geritten vom mehrfachen Championjockey Andrasch Starke. Im Diana-Trial wiederum starten mit L’ainee und Well Timed zwei Pferde, die auch für das wichtigste Stutenrennen des Landes, den Henkel-Preis der Diana Anfang August in Düsseldorf, schon als Favoriten gehandelt werden.

Sibylle Vogt darf in solchen Rennen nur selten antreten. „Als Frau muss man sich hochkämpfen und möglichst viele Rennen machen. Dabei darf man nicht wählerisch sein, sondern muss auch mal die schwächeren Pferde reiten“, sagt Sibylle Vogt. Doch wer auf sich aufmerksam macht, darf vielleicht auch einmal auf die ganz große Bühne, so wie im vergangenen Jahr, als Vogt mit Sternkranz sogar beim Deutschen Derby in Hamburg vertreten war. „Ich danke Trainer Markus Klug und den Besitzern, dass sie mir diese Chance gegeben haben“, sagt sie. Nach Monika Blasczyk, Steffi Hofer und Eva-Maria Zwingelstein war die Schweizerin erst die vierte Frau, die beim jährlichen Saisonhöhepunkt im nationalen Pferderennsport im Sattel sitzen durfte. Sie landete auf Rang 14 und damit nur einen Platz hinter dem Derby-Favoriten Colomano.