Weltmeisterschaft

Partystimmung beim Hallenhockey in Berlin

Bei der WM zelebriert das Publikum seine Sportart. Die 8300 Zuschauer am Finaltag mit beiden deutschen Teams sind sogar Weltrekord.

Zeit zum Jubeln: Beide deutsche Mannschaften stehen in den Endspielen der WM. Dementsprechend könnte die Stimmung nicht besser sein

Zeit zum Jubeln: Beide deutsche Mannschaften stehen in den Endspielen der WM. Dementsprechend könnte die Stimmung nicht besser sein

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin.  Die kleine Reisegruppe aus Mönchengladbach war erst einmal ernüchtert. Schließlich waren die Gäste extra wegen Mats Grambusch nach Berlin gekommen, um den Spieler aus ihrer Heimatstadt bei der Hallenhockey-WM anzufeuern. Nun erfuhren sie, dass Grambusch aufgrund einer Verletzung nicht spielen würde. Die Enttäuschung war allerdings von kurzer Dauer. Kaum hatten sie am Sonnabend die Arena betreten, da wurden sie auch schon mitgerissen von der ausgelassenen Stimmung auf den Rängen.

Publikumslieblinge aus der Karibik und Afrika

Die deutsche Mannschaft spielte erst später, die Fans feierten trotzdem. So war es schon an den vergangenen Tagen. Selbst die Auftritte der kleineren Nationen wurden bejubelt. Dabei entpuppten sich Trinidad und Tobago sowie Namibia als Publikumslieblinge. Bei einigen Partien in der kleineren Nebenhalle der Max-Schmeling-Halle war es so voll, dass Zuschauer keinen Platz mehr fanden. Da machte es sich bemerkbar, dass Vereine aus Berlin und Brandenburg für 17 der 24 teilnehmenden Teams Patenschaften übernommen hatten und deren Spiele nun mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgten.

Auch der Finaltag am Sonntag ist längst ausverkauft. Damit wird ein Weltrekord aufgestellt: 8300 Zuschauer werden dabei sein, wenn am Nachmittag die Medaillen vergeben werden – nie zuvor waren beim Hallenhockey so viele Menschen dabei. Die bisherige Bestmarke von 5800 Zuschauern, aufgestellt bei der WM 2015 in Leipzig, wird in Berlin locker übertroffen. Das ist bereits beeindruckend. Doch nicht allein die Besucherzahlen entscheiden darüber, ob die Deutschen dieses Turnier in positiver Erinnerung behalten wird – entscheidend ist auf dem Platz.

Nur der Titel zählt bei Fans und Spielern

Die Gastgeber sind die dominierende Hallenhockey-Nation, alles andere als der Weltmeistertitel wäre eine Enttäuschung. Zumal Deutschland in diesem Jahr anders als sonst seine besten Spieler zum Turnier geschickt hat. Bei aller Begeisterung über die Kulisse: „Wir sind hier, um einen Job zu erledigen“, sagt Männer-Bundestrainer Stefan Kermas. „Die gute Stimmung schießt uns keine Tore. Das müssen wir selbst erledigen.“

Beide deutsche Mannschaften liegen auf Kurs. Die Männer bezwangen im Halbfinale den Iran mit 6:2 und kämpfen Sonntag (15 Uhr) gegen Österreich um Gold. Auch die Frauen stehen im Endspiel. Nach dem 3:1 im Viertelfinale gegen Polen schlugen sie im Halbfinale anschließend Weißrussland mit 3:2. Gegner im Finale ist am Sonntag (13.30 Uhr, beide Endspiele Sport1) Titelverteidiger Niederlande.

Die Anspannung positiv nutzen

Nationalspielerin Marie Mävers war nach dem Spiel schwer beeindruckt von der Atmosphäre. Die Hamburgerin hat bereits an Olympischen Spielen teilgenommen, „aber das hier lässt das Herz noch einmal deutlich höher schlagen“. Auch der Kapitän der Männer, Martin Häner, meinte: „So etwas erleben wir beim Hockey leider viel zu selten.“

Darin liegt aber zugleich die größte Gefahr für die favorisierten Deutschen. „Natürlich freuen wir uns über die Unterstützung des Publikums. Trotzdem müssen wir versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren“, stellte Häner klar. Selbst wenn die Halle nach einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung toben würde: „Da darf man sich dann nicht anstacheln lassen, bloß weil es auf den Rängen alle genauso sehen wie man selbst“, sagte der Mann vom Berliner Hockey-Club. Die Kunst bestehe vielmehr darin, die Anspannung positiv zu nutzen und in taktisch kluge Entscheidungen umzusetzen, fordert Bundestrainer Kermas. Dann hätten am Ende auch die Gladbacher Hockeyfans etwas zu jubeln.