Karate

Duygu Bugur – ein Mix aus Disziplin und Temperament

Duygu Bugur ist die beste deutsche Karatekämpferin. Zugleich gilt die 26-Jährige als ein Musterbeispiel für gelungene Integration.

Duygu Bugur (r.) hat alles im Griff

Duygu Bugur (r.) hat alles im Griff

Foto: Grüner/DKV / BM

Berlin.  Als das Internationale Olympische Komitee im vergangenen August Karate für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio neu ins Programm nahm, mag sich manch einer gefragt haben: Noch eine Kampfsportart? Wo doch bereits Boxen, Judo, Ringen und Taekwondo olympisch sind. Für Duygu Bugur war es einer der schönsten Tage ihrer Karriere. Endlich würde sich die Berlinerin auf der größten Bühne des Sports präsentieren können. "Karate gehört einfach zu Olympia", sagt sie.

"Boxen ist mit der Faust, Taekwondo mit dem Fuß, beim Judo wird geworfen. Karate ist alles davon." Karate wird von Menschen in 190 Ländern ausgeübt. Am populärsten ist der Sport bis heute in Japan, woher die Kampfkunst stammt. Dass Karate ausgerechnet dort in drei Jahren seine olympische Premiere feiern wird, freut nicht nur Duygu Bugur: "Das passt perfekt. Ich könnte mir keinen besseren Ort vorstellen."

Zunächst muss sich die 26-Jährige aber erst für die Sommerspiele qualifizieren. Aus Europa schaffen nur drei den Sprung nach Tokio, zudem werden die Gewichtsklassen bis 50 und bis 55 Kilogramm zusammengelegt, so dass sich Bugur auch gegen schwerere Athletinnen durchsetzen muss.

Im Frühjahr gewann sie EM-Silber

In der Weltrangliste steht sie als beste Deutsche momentan auf Platz 18. Nach WM-Rang zwei 2014 war die Kämpferin aus Marienfelde sogar schon einmal Fünfte, doch infolge einer langwierigen Leistenverletzung war sie im internationalen Ranking abgerutscht. 2015 hatte sie noch EM-Bronze geholt, danach musste sie fast ein Jahr pausieren. Doch nun ist sie zurück in der Weltspitze: Bei den Europameisterschaften in der Türkei holte sie im Frühjahr Silber und besiegte auf dem Weg ins Finale auch die beiden Führenden in der Weltrangliste. Es blieb die einzige deutsche Medaille bei diesen Titelkämpfen.

Trotz der langen Zwangspause: Eigentlich sei Karate nicht besonders verletzungsträchtig, sagt Duygu Bugur. Es handelt sich nämlich nicht um einen Vollkontaktsport, auch nicht beim Kumite. In dieser Disziplin treten zwei Kämpfer gegeneinander an. Das Kata dagegen ist eine Abfolge genau festgelegter Angriffs- und Abwehrtechniken gegen mehrere imaginäre Gegner – eine Art "Schatten-Karate".

Bugur tritt ausschließlich im Kumite an. Dort werden Fuß- und Fauststöße vor dem Auftreten abgestoppt, was gute Körperbeherrschung voraussetzt. "Beim Karate lernt man von klein auf den Respekt vor dem Gegner", sagt Bugur.

Trainiert wird sie von Vater Veysel

Sie selbst fing mit acht Jahren in der Kampfsportschule ihres Vaters an. Veysel Bugur war ebenfalls ein erfolgreicher Karatekämpfer: 1992 wurde er Weltmeister im Einzel, 1994 mit der Mannschaft, bereits 1985 war er Team-Europameister, jeweils für die Türkei. 1996 zog er nach Berlin, ein Jahr später gründete er in Kreuzberg mit dem SC Banzai einen der erfolgreichsten deutschen Karatevereine.

Seine Tochter trainiert er von Anfang an. Ihr Kampfstil ähnelt dem des Vaters: schnell und variabel, für den Gegner schwer auszurechnen. "So hat er es uns beigebracht", sagt Bugur. Ihre jüngere Schwester Gizem (18) startet in diesem Jahr bei der U21-WM. 2016 gewann sie in Abwesenheit von Duygu Bugur den deutschen Meistertitel bei den Frauen.

Ein Journalist hat Bugur einmal als "Mesut Özil des Karatesports" bezeichnet: ein Musterbeispiel der Integration. Die Kampfsportlerin spricht deutsch und türkisch fließend und sagt von sich selbst, sie habe von den Deutschen die Disziplin geerbt und von den Türken das Temperament. 2015 war sie schon einmal Zweite bei der Berliner Sportlerwahl. Dank Olympia könnte ihr Name bald noch viel mehr Menschen ein Begriff sein. Duygu Bugur meint: "Das ist die große Chance, unsere Sportart noch bekannter zu machen."

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