FORMEL E

Renault nutzt Zeitstrafe zum Formel-E-Sieg in Berlin

Außenseiter-Team Mahindra dominiert die Berliner Rennen, die Formel E freut sich. Trotzdem zittert die Serie um ihre Unberechenbarkeit

Renault-Pilot Sebastien Buemi feiert seinen Sieg im zweiten der beiden Formel-E-Rennen in Berlin

Renault-Pilot Sebastien Buemi feiert seinen Sieg im zweiten der beiden Formel-E-Rennen in Berlin

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Berlin.  Es war eine Revolution auf der Rennstrecke: der Sieg von Felix Rosenqvist beim Formel-E-Rennen am Sonnabend in Berlin. Der erste Erfolg für das indische Mahindra Racing-Team in der Elektroserie – und der erste WM-Lauf in dieser Saison, der nicht von einem Fahrer der beiden dominierenden Rennställe Renault e.dams und ABT Schaeffler Audi Sport gewonnen wurde.

Auch beim zweiten Rennen am Sonntag kam Rosenqvist, der vor ein paar Jahren noch für das Berliner Mücke-Motorsportteam in der Formel 3 antrat, wieder als Erster ins Ziel – den Sieg musste er wegen einer Zehn-Sekunden-Strafe aber WM-Spitzenreiter Sébastien Buemi (Renault) überlassen. Bester Deutscher war Daniel Abt (ABT Schaeffler) als Vierter.

Bei aller Neutralität, die sein Amt verlangt, dürfte sich vor allem ein Mann über den Erfolg von Mahindra gefreut haben: Alejandro Agag, Chef der Formel E. Immer wieder haben die Verantwortlichen betont, wie unberechenbar die Serie sei, unter anderem wegen der Besonderheit eines Fahrzeugwechsels.

Audi, BMW, Mercedes und Nissan wollen investieren

Doch die Zahlen sprachen zuletzt eine andere Sprache: Gab es in der ersten Saison in elf Rennen noch sechs unterschiedliche Siegerteams, waren es in der zweiten bei zehn Rennen nur noch vier – und in dieser Saison bis Berlin erst zwei. Es ist kein Zufall, dass Renault e.dams und ABT Schaeffler Audi Sport beide von namhaften Automobilherstellern unterstützt werden. Kleinere Teams ohne diesen Hintergrund haben kaum noch eine Chance.

Der Trend dürfte sich verstärken, wenn sich die Hersteller künftig noch stärker engagieren. Audi will seine Zusammenarbeit intensivieren, auch BMW, Mercedes und Nissan drängen in die Formel E, sogar Ferrari soll Interesse haben. „Das wird die Serie verändern“, glaubt der deutsche Mahindra-Pilot Nick Heidfeld. Teamkollege Rosenqvist meint: „Man sieht es an der Formel 1: Irgendwann kommt der Punkt, an dem das Geld dominiert.“

Zwar rühmt sich die Formel E ihres Regelwerks, das genau das verhindern soll. Die Teams dürfen nur gewisse Teile der Autos weiterentwickeln, 90 Prozent der Wagen sind einheitlich. Doch Heidfeld sagt: „Wenn einer kommt und fünf Mal mehr Geld gibt als alle anderen, dann wird man immer Wege finden, sich einen Vorteil zu verschaffen.“