Volleyball Berlin

BR Volleys in Rom: "Im Sport ist alles möglich"

Champions-League-Halbfinale in Rom: Die BR Volleys rechnen sich gegen die Übermannschaft Zenit Kasan Chancen aus

Im Halbfinale der Champions League von 2015 verloren die BR Volleys trotz des Heimvorteilsmit 1:3 gegen Zenit Kasan. Hier schmettert Paul Caroll gegen einen Dreierblock mit Superstars Wilfredo Leon (Nummer 9)

Im Halbfinale der Champions League von 2015 verloren die BR Volleys trotz des Heimvorteilsmit 1:3 gegen Zenit Kasan. Hier schmettert Paul Caroll gegen einen Dreierblock mit Superstars Wilfredo Leon (Nummer 9)

Foto: nph / Engler / picture alliance / nordphoto

Rom.  Die letzte Etappe passt irgendwie zu der wundersamen Reise, die der Volleyball-Bundesligist BR Volleys in dieser Saison kreuz und quer durch Europa absolviert hat. Nicht die kürzeste, schnellste Strecke wurde genommen, um das Final Four der Champions League in Rom zu erreichen. Es gab nicht mehr genug Plätze in den Maschinen, um den gesamten Tross gemeinsam direkt fliegen zu lassen. Aber weil ja bekanntlich alle Wege in die ewige Stadt führen, buchten die Berliner einen Trip über Neapel und von dort per Bus in die italienische Metropole.

Nun sind sie hier, im Sportpalast Palalottimatica, wo sie an diesem Sonnabend um 16.30 Uhr (Livestream bei laola1.tv und dazn.com) im Halbfinale auf Zenit Kasan treffen. Anschließend stehen sich die italienischen Topteams Colussi Perugia und Lube Civitanova gegenüber. Geschäftsführer Kaweh Niroomand sagt: "Es macht uns stolz, dass wir bei diesem Volleyball-Fest dabei sein können." Immer noch etwas ungläubig fügt er hinzu: "Ich hätte das niemals für möglich gehalten."

Friedrichshafen gewinnt vor zehn Jahren das Final Four

Schon gar nicht nach der Gruppenauslosung, am Ausgangspunkt dieser Reise, ebenfalls in Rom. Mit Lube und Resovia Rzeszow neben Dukla Liberec aus Tschechien in einer Liga - da fühlte sich der Deutsche Meister nicht so richtig zugehörig. Hatten die Italiener und das polnische Spitzenteam wenige Monate zuvor doch noch im Final Four gestanden. Aber die BR Volleys setzten sich nach Siegen über Lube und Rzeszow auf Gruppenrang zwei durch.

Dann der Gegner Istanbul BBSK in der ersten Play-off-Runde: Der Vergleich schien verloren, als die Türken nach einem 3:2 am Bosporus auch in Berlin 2:0 führten. Falsch gedacht, Robert Kromm und Kollegen holten auf, gewannen 3:2 und erzwangen im Golden Set ihr Glück. Anschließend das Duell mit Dynamo Moskau, eigentlich unschlagbar von einem deutschen Gegner. Noch mal falsch gedacht. Die Mannschaft von Trainer Roberto Serniotti machte daheim erneut ein 0:2 wett und siegte auch in Moskau 3:2. Zum zweiten Mal in zwei Jahren im Final Four, diesmal nicht als Gastgeber, sondern sportlich qualifiziert. Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte.

"Im Sport ist alles möglich"

Serniotti, der als Cheftrainer mit Tours VB und als Assistent mit Trentino Volley schon zweimal als Außenseiter die große Trophäe gewonnen hat, gibt wieder die Parole aus: "Im Sport ist alles möglich." Alle wissen, wie schwer es gegen den Titelverteidiger wird, "das ist die Mannschaft in Europa", sagt Niroomand, und die Betonung liegt auf "die". Doch auch er schließt, europäisches Schwergewicht Zenit Kasan hin oder her, nach den jüngsten internationalen Auftritten der BR Volleys nichts mehr aus: "In Europa zeigen wir eine breite Brust, nach dem Motto: Wo steht das Klavier?"

Der VfB Friedrichshafen, aktuell Finalgegner der Berliner im Kampf um die Deutsche Meisterschaft, hat dieses Final Four zwischen 1999 und 2007 vier Mal erreicht, es im vierten Versuch, vor zehn Jahren also, als bisher einzige deutsche Mannschaft gewonnen. Damals waren die Schwaben ein europäisches Spitzenteam und in der Bundesliga so überlegen, dass sie auch die Meisterschaft Jahr für Jahr dominierten. Nun scheiterten sie sang- und klanglos in der Gruppenphase der Champions League. Dennoch gab Trainer Vital Heynen nach einem seltenen Glücksgefühl Freibier für alle Zuschauer aus: Da hatte der VfB gegen Kasan einen Satz gewonnen.

Keine verlorene Partie in der Saison

Das spricht für die Sonderrolle der Tataren. Die Mannschaft ist gespickt mit russischen Nationalspielern. Ergänzt werden sie durch den erst 23 Jahre alten, gebürtigen Kubaner Wilfredo Leon und den US-Amerikaner Matthew Anderson. "Sie zählen auf ihrer Position zu den besten dreien der Welt", urteilt Serniotti. Der Dritte in diesem Trio ist ihm zufolge Maxim Michailow, Olympiasieger von London - und natürlich ebenfalls im Trikot von Zenit.

Diese Auswahl ist so stark, dass sie in der gesamten Saison noch keine Partie verloren hat, weder in der russischen Superliga (26 Siege), noch im nationalen Pokal (4) oder in der Champions League (10). Dort gelang es neben Friedrichshafen nur Belogorie Belgorod, dem Favoriten wenigstens einen Satz abzunehmen. Kasans Etat liegt bei sechs bis acht Millionen Euro, die BR Volleys verfügen über zwei Millionen.

Die Berliner haben vergangene Saison das Triple aus europäischem CEV-Pokal, deutschem Cup und Deutscher Meisterschaft geholt. Nun hat sie ihre wundersame Reise durch Europa so viel Energie gekostet, dass sie vielleicht, an Titeln gemessen, leer ausgehen werden. Das Final Four als Trost für eine sonst nicht sehr gelungene Spielzeit? "Die Belastung ist grenzwertig, aber für die Spieler ist dieses Wochenende etwas ganz Besonderes", sagt Niroomand. Für das Renommee des Vereins ebenso. Und die Chancen, naja. "Wenn wir zehn Mal gegen Kasan spielen, verlieren wir acht Mal." Das macht sogar Hoffnung. In bisher fünf Vergleichen hieß es zweimal 3:2, einmal 3:1 und zweimal 3:0 für Zenit. Geht die Rechnung Niroomands auf, ist bald Zeit für eine weitere Überraschung.

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