Leichtathletik

Im falschen Moment nicht auf der Höhe

Die Berliner Hochspringerin Jossie Graumann trauert dem verpassten Meistertitel nach. Bei der EM in Belgrad nimmt sie erneut Anlauf.

Jossie Graumann gewann Silber in Leipzig. Doch glücklich war sie nicht

Jossie Graumann gewann Silber in Leipzig. Doch glücklich war sie nicht

Foto: Jan Woitas / dpa

Leipzig.  Es war ihre beste Platzierung bei Deutschen Meisterschaften, doch so richtig konnte sich Jossie Graumann nicht über ihre Silbermedaille freuen. Sie wusste nur zu gut: Eine solche Gelegenheit, den Hallenmeistertitel zu gewinnen, kommt so schnell nicht wieder. Olympiateilnehmerin Marie-Laurence Jungfleisch, die im vergangenen Jahr erst als achte deutsche Hochspringerin die Zwei-Meter-Marke geknackt hatte, war in diesem Winter nach einem kräftezehrenden Bundeswehrlehrgang nicht in Bestform.

Vor Leipzig noch Nummer eins der Bestenliste

Bis zu den Titelkämpfen am Sonntag hatte Jungfleisch noch nicht einmal die Norm für die Hallen-EM (3. bis 5. März) erreicht. Dagegen war Jossie Graumann in jedem Wettkampf über 1,90 Meter gesprungen, am höchsten Mitte Januar in Unna mit einer neuen persönlichen Bestleistung von 1,92 Meter. Damit führte sie die nationale Bestenliste an.

Doch ausgerechnet bei den Meisterschaften in Leipzig war die Springerin der LG Nord Berlin nicht ganz auf der Höhe. 1,89 Meter reichten nur zu Platz zwei, Jungfleisch schnappte sich mit 1,92 Meter den Sieg. „Ich war heute nicht stabil im Anlauf, ich war zu nah dran“, sagte Graumann.

Auf Haiti geboren, als Dreijährige adoptiert

Vielleicht lag es an der langen Wettkampfpause. Zwei Wochen hatte die Lehramtsstudentin keinen Wettbewerb mehr absolviert, nachdem sie zuvor zum Teil noch im Drei-Tages-Rhythmus gesprungen war. „Ich muss viele Wettkämpfe machen, damit mein Anlauf stabil ist“, erklärte sie. Übung macht eben den Meister. Vor den Halleneuropameisterschaften will Graumann deshalb unbedingt noch einmal antreten, um wieder in Schwung zu kommen. Mit 400-Meter-Läufer Marc Koch (ebenfalls LG Nord) ist in Belgrad noch ein zweiter Berliner Leichtathlet am Start.

Jossie Graumann wurde auf Haiti geboren, doch als Dreijährige adoptiert. So kam sie nach Deutschland. Dort turnte sie zunächst, spielte später Basketball, ehe sie durch eine Nachbarin, mit deren Töchtern sie immer im Garten spielte, zur Leichtathletik fand. Damals trainierte sie noch in Konstanz. 2012 wechselte sie wegen der besseren Bedingungen nach Berlin und trainiert seitdem bei Nachwuchsbundestrainer Jan-Gerrit Keil, der einst Meike Kröger zur Zwei-Meter-Springerin geformt hat.

Im Hochsprung kommt es aufs Köpfchen an

Auch Jossie Graumann will irgendwann einmal so hoch springen. Mit 1,75 Meter ist sie für eine Hochspringerin eher klein, doch das macht sie mit ihrer Sprungkraft und Dynamik wieder wett. Sprünge über die Latte macht sie im Training eher selten, stattdessen viele Übungen mit dem Seil, mit Kästen oder auch Mehrfachsprünge in die Grube. „Wir machen viele Übungen, wo Köpfchen gefragt ist“, erzählte Jossie Graumann. Das ist in ihrer Disziplin, in der es besonders auf die mentale Stärke ankommt, sicher nicht verkehrt.

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