Nachwuchssportler

Gewichtheberin Antonia Ackermann hat Lust an der Last

Die 14-Jährige war einst Wasserspringerin. Jetzt stemmt sie erfolgreich Gewichte. Die Schülerin will später Anwältin werden und hofft auf einen Start bei Olympia.

Will auch in Zukunft ein gewichtiges Wörtchen in ihrer Sportart mitreden: Antonia Ackermann

Will auch in Zukunft ein gewichtiges Wörtchen in ihrer Sportart mitreden: Antonia Ackermann

Foto: Tilo Wiedensohler / camera4

Berlin.  1,62 Meter, 58 Kilogramm. Antonia Ackermann entspricht so gar nicht dem Klischeebild der Sportart, der sich die 14-Jährige verschrieben hat: Gewichtheben. Seit viereinhalb Jahren stemmt sie nun schon erfolgreich Gewichte, doch der Weg dorthin war eher zufällig. Damals besuchte ein Talentspäher die Schule, der für den benachbarten Verein SV Empor Begabte für die Athletik-Abteilung sichtete. In deren Halle trainierten auch die Lastenstemmer. Antonia Ackermann probierte sich dort ebenfalls aus, fand Gefallen daran und blieb dabei.

Vorher war sie bei den Wasserspringern des Berliner TSC gewesen, stürzte sich ohne Furcht aus lichter Höhe vom Turm. Schon damals bewies sie Mut, so wie jetzt mit dem Eisen über dem Kopf. Es imponiert ihr, wenn man Dinge versucht, über die andere bloß mit dem Kopf schütteln.

Als sie anfing und von den Jungs bloß grinsende Blicke erntete, dachte sie im Stillen: „Wartet ab, euch werde ich es zeigen.“ Ihr Motto ist: „Du musst kämpfen, um etwas zu erreichen.“ Kürzlich ist sie Deutsche Meisterin der Schüler im Mehrkampf in Frankfurt/Oder geworden, wofür sie nun als „Nachwuchssportlerin des Monats“ dekoriert wird; zudem ist sie ostdeutsche Meisterin und Vizemeisterin in ihrer Altersklasse. Ihre Bestleistungen liegen bei 65 Kilo im Reißen und 75 Kilo im Stoßen.

Irgendwann will Antonia auch an Olympischen Spielen teilnehmen. Auf dem Weg dorthin ist die Familie ihre wichtigste Stütze. „Meine Eltern und meine beiden Brüder bauen mich auf, wenn es mal nicht so läuft“, sagt sie. Mutter Gabriela ist in den 1990-ern aus Polen mit zwei Söhnen (beide heute Ende 20) nach Deutschland gekommen, lernte Antonias Thüringer Papa Swen kennen. Antonia ist in Berlin geboren, hat aber auch Polnisch gelernt. „Ich finde das wichtig. Das kann ich bestimmt mal gut gebrauchen.“

Was sie beruflich machen will, weiß die Neuntklässlerin des Schul- und Leistungssportzentrums (SLZB) noch nicht genau. Anwältin kann sich sie vorstellen, oder etwas mit Psychologie. Momentan steht aber der Sport an erster Stelle. Dass es im vergangenen Jahr nicht geklappt hat mit der Qualifikation für die Jugend-EM, ärgerte sie gewaltig. „Das will ich 2017 unbedingt nachholen“, so die C-Kader-Athletin.

Sie weiß, dass sie immer noch viel lernen kann, etwa „mehr Selbstbewusstsein im Wettkampf“. Über sich selbst sagt Antonia Ackermann: „Ich bin nachdenklich, manchmal wohl sogar zu sehr. Aber auch humorvoll.“ Sie mag Pizza, Krimis, Longboarden und Klamotten-Shopping – und sie hat noch immer jede Menge Lust an der Last. Je höher die eine, desto größer die andere. „Wenn der Versuch geklappt hat und mein Trainer hinten auf der Bühne lächelt, dann lächele ich auch“, sagt sie. Egal, wie schwer das Eisen von oben drückt.

Jeden zweiten Dienstag im Monat stellen wir Berlins Nachwuchssportler des Monats vor. Alles zur Wahl und die Möglichkeit zur Stimmabgabe finden Sie unter www.morgenpost.de/nachwuchssportler