Eiskunstlauf

Berliner TSC erreicht Dominanz durch Unterordnung

Das Team vom Berliner TSC will am Sonnabend zum 22. Mal hintereinander Deutscher Meister im Synchron-Eiskunstlauf werden.

Hingucker: das Eiskunstlauf-Synchron-Team-Berlin

Hingucker: das Eiskunstlauf-Synchron-Team-Berlin

Foto: privat / BM

Berlin.  Gegen diese Bilanz wirken selbst die Erfolge der Eisbären mager: Mit 21 deutschen Meistertiteln sind die Synchron-Eiskunstläufer des Berliner TSC die erfolgreichste Eissportmannschaft der Stadt. 1995, bei ihrer ersten DM-Teilnahme, waren sie „nur“ Zweiter geworden – seitdem ist das Team Berlin, so der offizielle Name der Gruppe, bei nationalen Titelkämpfen stets als Sieger vom Eis gegangen. Sie dominieren derart, dass einige andere Vereine schon gar nicht mehr antreten, weil sie sich keine Chance ausrechnen.

Erstmals eine Choreographin aus Finnland dabei

So kommt es, dass bei den diesjährigen Titelkämpfen im Weddinger Erika-Heß-Eisstadion nur zwei Mannschaften an den Start gehen: das Team Berlin und eine Auswahl aus Chemnitz. Sie kämpfen am Freitag (Kurzprogramm 10.30 Uhr) und Sonnabend (Kür 8.15 Uhr) um die Goldmedaille und den einzigen deutschen Startplatz bei den Weltmeisterschaften 2017 in Colorado Springs.

Das Team Berlin ist klarer Favorit, doch darauf ruht sich niemand aus. Erstmals hat man in dieser Saison eine Choreographin aus Finnland verpflichtet: Ida Hellström, eine ehemalige Weltmeisterin in dieser Disziplin. „Die Finnen sind da immer sehr kreativ“, sagt Teamkapitän Patrick Stein, der einzige Mann im Team. In der Vergangenheit hatte man sich auch schon einmal Hilfe aus dem Friedrichstadtpalast geholt, doch das sei eher schwierig gewesen, erzählt Stein. „Balletttänzer haben zwar eine klare Vorstellung von Bewegungen, aber diese aufs Eis zu bringen, ist noch einmal eine ganz andere Sache.“

Nicht jeder gute Eisläufer läuft gut synchron

Seit 1994 gibt es das Team Berlin. Damals bestand ein Synchroneislaufteam noch aus 24 Sportlern, inzwischen sind es nur noch 16. „Die Disziplin ist dadurch dynamischer geworden. Es sind jetzt Elemente möglich, für die früher kein Platz war“, sagt Franziska Kahlenberg. Genau wie beim Einzel- oder Paarlauf gibt es Hebefiguren; dagegen sind Wurfelemente selten. „Beim Synchronlauf sind andere Qualitäten gefragt.“ sagt Patrick Stein. Die vorgegebenen Laufwege müssten exakt eingehalten werden, „da kann man nicht einfach mal ein, zwei Meter weiter rechts laufen.“ Nicht jeder gute Eisläufer sei deshalb auch ein guter Synchronläufer: „Man muss sich unterordnen können.“

Das Team Berlin profitiert davon, dass es im Verein mehrere Jugendmannschaften gibt, in denen die Läufer diese Philosophie bereits verinnerlichen. Andernorts rekrutieren sich die Teams dagegen oft ausschließlich aus früheren Einzel- oder Paarläufern.

Der Wellblechpalast ist ausverkauft

Mehrfach hat das Team Berlin an Weltmeisterschaften teilgenommen, 2005 erreichte es Platz fünf. Auch im Weltcup sind die Berliner erfolgreich, im November siegten sie bei einem Wettkampf in Belgien. Die Reisen zahlen die Mitglieder aus eigener Tasche – für die WM im nächsten Jahr insgesamt 32.000 Euro. Zuschüsse vom Verband gibt es nicht, die Deutsche Eislauf-Union konzentriert sich bei der Förderung auf die olympischen Disziplinen.

Die Chancen, dass Synchroneiskunstlauf selbst olympisch wird, stehen schlecht. Widerstand kommt dagegen ja auch aus der Szene selbst. Eine Aufnahme ins Olympiaprogramm würde bedeuten, dass Regeln festgelegt werden müssten, wie viele Männer zum Beispiel mitlaufen dürfen. „Die großen Teams wollen sich da aber ungern einschränken lassen“, sagt Peter Fröhlich, Manager der Berliner. Er räumt zudem ein, dass Mannschaftseislauf aufgrund der großen Zahl der Läufer auf dem Eis „vielleicht nicht ganz so fernsehtauglich ist“. Beim alljährlichen Cup of Berlin (im Januar) ist der „Wellblechpalast“ in Hohenschönhausen trotzdem regelmäßig ausverkauft. Fröhlich: „Das schaffen sonst nur die Eisbären.“

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