Motorsport

Im Alter von Michael Schumacher zum ersten großen Titel

Vom Erfolg eines „Underdogs“: Der Berliner Dirk Lauth kann am Sonnabend in Zolder erstmals den Deutschen Tourenwagen Cup gewinnen.

Ein Unikat: Dirk Lauth posiert am Kudamm vor einem Oldtimer

Ein Unikat: Dirk Lauth posiert am Kudamm vor einem Oldtimer

Foto: David Heerde

Berlin.  Diesen Mini begleiten große Namen: Sein Fahrer ist so alt wie Michael Schumacher (47), das Auto trägt die Nummer von Lewis Hamilton (44), und es fährt bisweilen im Rahmenprogramm der GT Masters, an der Weltmeistersohn Mick Schumacher teilnimmt.

Ansonsten ist alles kleiner beim Deutschen Tourenwagen Cup (DTC), der sich mit seinen etwa 230 PS starken Rennwagen bei einem Durchschnittsbudget von 40.000 Euro pro Team als Einsteigerklasse versteht. Und der Mann mit dem Alter von Schumacher und der Autonummer von Hamilton liegt ganz vorne: Dirk Lauth.

Geboren in Weißensee, weitergezogen nach Wilmersdorf, nun in Westend zuhause. „Ick bin immer beim W geblieben“, sagt der Vater zweier Kinder. Und er ist glücklich im Deutschen Tourenwagen-Cup.

Ein Sieg fehlt dem gebürtigen Weißenseer noch

„Wir haben sehr viel erfahrene Piloten und viele junge Fahrer, die aus dem Kart-Sport kommen“, sagt Dirk Lauth. „Wir sind quasi die Bundesliga unter der Weltmeisterschaft der Tourenwagen.“ Seit 2014 ist der studierte Maschinenbauingenieur in der DTC mit seinem eigenen Mini am Start, wurde in der ersten Saison Dritter, 2015 Zweiter und kann folgerichtig dieses Jahr die Serie erstmals gewinnen.

Von den bisher absolvierten zwölf Rennen an sechs Wochenenden hat er bereits acht gewonnen und liegt mit nunmehr 39 Punkten Vorsprung bei noch 48 zu vergebenden Punkten vor den beiden letzten Doppelrennen in Zolder an diesem Wochenende und in Spa drei Wochen später fast uneinholbar in Führung. Ein Sieg fehlt ihm noch, am besten gleich am Sonnabend in Zolder.

Die Voraussetzungen sind gut: „Ich gewinne meistens das Rennen am Sonnabend, weil ich mich sehr schnell an eine neue Strecke gewöhne“, sagt Lauth. Und mit dem Titel will er nicht lange warten. „Schließlich will ich mit meinen Jungs danach ein paar Bierchen trinken.“

Apfelschorle statt Champagner

Seine Jungs, das sind zwei Schrauber sowie diverse Freunde, die von den Lebensmitteln („Wir versorgen uns selbst“) bis zum notwendigen Material („Ich habe jetzt einen Freund, der tuned Minis“) alles besorgen können. Freunde, die in ihrer Freizeit an dem einzigen Wagen jenes Teams werkeln, das Dirk Lauth als sein eigener Rennleiter und Fahrer „ein semiprofessionelles privat organisiertes Team“ nennt: das Mini-Racing-Team.

Er versteht sich als „Underdog“ in dieser an sich schon hemdsärmeligen Rennklasse, in der der Vip-Bereich „Orga-Zelt“ heißt und man auf Bierbänken Apfelschorle trinkt statt an schicken Stehtischen Champagner. In der Lauth an einem Wochenende in Oschersleben oder am Nürburgring einen Hauch weiter Welt mitbekommt, wenn er die Menschentrauben um Mick Schumacher sieht und sagt: „ Da stelle ich mich doch nicht an.“

Der Berliner fährt an der Basis und ist stolz darauf. „Die Fahrer der GT Masters trinken nicht mal Alkohol und gehen um acht ins Bett. Da stehe ich noch mit meinen Schraubern am Auto.“

Lauth setzt auf soziale Medien und Sponsoren

Es ist eine Welt, die Motorsportfans nicht mehr im Fernsehen zu Gesicht bekommen, seit sich das DSF, wie Sport 1 damals noch hieß, aus der Übertragung der ADAC-Procar-Serie, wie sie damals noch hieß, zurückgezogen hat. Dirk Lauth setzt vielmehr auf soziale Medien und Sponsoren. Seine Facebook-Seiten generieren bis zu 20.000 Klicks pro Beitrag. Und die Autos tragen Werbung von Firmen, die Lauth Unterstützer nennt: Vom Karosseriebauer bis zur Werkstatt.

Basisarbeit eines Mannes, der von 2008 bis 2013 selbst Angestellter eines Rennstalles bei der Mini Challenge war und es dort am Ende bis in die Top Ten geschafft hat. Nun kann er Meister werden, erstmals. In Zolder am Sonnabend soll es soweit sein. Ein Tag mit Schwergewicht. Da fährt er übrigens im Rahmen der Truck-Europameisterschaft.