Juniorsportler des Monats

Jacob Schopf will große Berliner Kanu-Tradition fortsetzen

Der 17-Jährige vom Köpenicker Kanu-Club will 2020 bei Olympia in Tokio starten und hat ein entsprechend selbstbewusstes Lebensmotto.

Foto: Tilo Wiedensohler / camera4

Berlin.  Auf Berlins Kanuten ist Verlass, das haben sie zuletzt bei den Olympischen Spielen in Rio bewiesen, wo der Berliner Marcus Groß gleich zweimal Gold im Kajak-Zweier und -Vierer gewann. Auch der am 3. Oktober 1981 in Berlin geborene, inzwischen für den KC Potsdam paddelnde Ronald Rauhe holte zum Abschluss seiner olympischen Karriere noch einmal Bronze im Kajak-Einer. Doch erfolgversprechender Nachwuchs ist bereits im Anmarsch.

Der Anfang Juni 17 Jahre alt gewordene Jacob Schopf vom Köpenicker Kanu Club (KKC) war gerade mal zwei Jahre alt, als Rauhe 2001 den ersten EM-Titel feiern durfte. Während der Senior nun Abschied nimmt, steht für den Junior das höchste Karriere-Ziel - „natürlich heißt das Olympia 2020 in Tokio“ – noch aus.

Jacob Schopfs Erscheinungsbild - „ich lege Wert auf das hohe C in der Mitte, denn das wird gern zum K gemacht“ - mit auf 1,86 Meter Länge verteilten 78 Kilogramm und strammem Bizeps macht Eindruck. Das suggeriert Kraft, Ausdauer, Top-Leistung. Aber es ist nicht nur der Körper, der imponiert.

Es sind auch Kopf, Einstellung, Wille, die Schlagzahl und Richtung bestimmen. Dafür steht ein Satz, den der Zwölftklässler der Köpenicker Flatow-Sportschule, der aktuell das zweite Jahr des dreistufigen Abiturkurses absolviert, als Lebensmotto angibt. Er lautet: „Erzähl der Welt nicht, was du kannst – zeig’ es!“

2013 erstmals Deutscher Meister

Begonnen hat Schopf als Kind mit Fußball, aber als ihn ein Kumpel mitnahm in seinen Kanuverein, blieb die anfangs noch vorhandene Unsicherheit, ob dies nun das Richtige sei, schnell auf der Strecke.

„Es hat Spaß gemacht, und das hat entschieden. Jetzt bin ich schon fast zehn Jahre dabei, und zum Spaß ist der Erfolg dazu gekommen“, erinnert sich das Ausnahmetalent. Ab der siebenten Klasse erhöhten sich an der Sportschule Trainingsumfänge und -intensität. 2008 absolvierte er bei der Küken-Regatta den ersten Wettkampf, 2013 in Köln wurde er erstmals Deutscher Meister.

2015 schaffte Schopf als Jugendfahrer den Sprung in den K4 der älteren Junioren und wurde mit diesem bei der WM in Montemor (Portugal) Vierter. Im Jahr darauf in Minsk holte er sich 1000-Meter-Gold im Kajak-Einer nach dramatischem Finale vor dem Briten Magnus Gregory und dem Südafrikaner Jan van der Westhuizen.

Begeisterter Bundestrainer

„Der Start war zwar nicht der beste, aber okay. Zum Schluss konnte ich dann meinen Endspurt, den ich ja liebend gern auspacke, richtig schön durchpaddeln“, kommentierte er. „Richtig schön durchpaddeln“, „bis zum Schluss durchhalten und noch mal ordentlich anziehen“, so hörte sich bescheiden an, was Bundestrainer Detlef Hofmann einen „phänomenalen Lauf“ nannte. 1000 und 500 Meter sind die beiden bevorzugten Distanzen des Schützlings von Trainer Eckehard Sahr.

Am Kanusport, sagt Jacob Schopf, gefalle ihm „das Gesamtpaket von Wasser, Sonne und Natur - das Beste, was man haben kann“. Und da sich Wohlgefühl am meisten potenziert, wenn man es teilt, gehören erholungs- und bewegungsintensive Urlaube rund um den Globus mit den Eltern Gunnar und Silke sowie seiner 20-jährigen Schwester Antonia zum jährlichen Programm. In diesem Jahr liegen noch New York und die Karibik vor Jacob Schopf, früher hat er zum Beispiel schon die Malediven, Thailand oder die Arabischen Emirate in Augenschein genommen.

Bis zu 1000 Trainingskilometer pro Woche

Der September, sagt der junge Mann, „wird ein Monat zum Runterkommen“. Ab Oktober „heißt es dann wieder Grundlagen schaffen, solange kein Eis auf dem Wasser ist, auch im Winter draußen trainieren“. Im Frühjahr muss die Basis für die Freiluftsaison danach gelegt werden, 100 Kilometer pro Woche sind da normal, weit über 1000 Kilometer pro Sommer sowieso.

Das eigene Befinden dabei hänge zwar, sagt Jacob Schopf, von der „Tagesform“ ab und es könne schon vorkommen, dass er mal genervt sei, „aber eigentlich habe ich fast immer Lust auf Sport“. Klingt wie ein Versprechen für Tokio 2020.

Jeden zweiten Dienstag im Monat stellen wir Berlins Nachwuchssportler des Monats vor. Alles zur Wahl und die Möglichkeiten zur Stimmenabgabe finden Sie unter www.morgenpost.de/nachwuchssportler