Radsport

Vorsicht: Fliegende Fahrräder in Köpenick

Die besten deutschen BMX-Fahrer ermitteln im Mellowpark ihren Meister – Favorit dabei ist mit Luis Brethauer ein Berliner.

Foto: Luis Eduardo Noriega / dpa

Berlin.  Olympia mit 19 – für BMX-Fahrer Luis Brethauer ging 2012 in London ein Traum in Erfüllung, aus dem er jedoch viel zu früh wieder erwachte. Brethauer war vor vier Jahren jüngster männlicher Teilnehmer der gesamten deutschen Olympiamannschaft, nur Turnerin Elisabeth Seitz war damals noch jünger.

„Es war alles zu viel für mich. Ich war von den ganzen Eindrücken derart überwältigt, dass sportlich nicht mehr viel lief“, erinnert sich der heute 23-Jährige. Bereits im Viertelfinale war deshalb Endstation.

Bei den diesjährigen Olympischen Spielen in Rio de Janeiro will Brethauer besser abschneiden – Ziel ist der Endlauf der besten Acht. „Dort hat dann jeder Fahrer die gleiche Chance auf Gold, es gibt keinen klaren Favoriten“, sagt er. Erfolg sei in seiner Sportart nicht planbar: „Beim BMX kann es ganz schnell gehen. Ein Fehler und alles ist vorbei.“

Genau das mache die Disziplin so reizvoll für die Zuschauer. Als Fahrer dürfe man sich durch solche Unwägbarkeiten nicht entmutigen lassen; nach einem Sturz müsse man schnell wieder aufstehen und weitermachen. „Unser Sport ist zu großen Teilen auch Kopfsache“, so Brethauer.

Köpenicker Strecke ist die beste in Deutschland

Am Wochenende treffen sich die besten einheimischen Fahrer zu den Deutschen Meisterschaften im Mellowpark in Köpenick (An der Wulheide 250, jeweils 10 bis 18 Uhr, Tickets zwölf Euro/ermäßigt sechs).

Das Ergebnis hat zwar keinen Einfluss mehr auf die Olympianominierung – bereits Anfang der Woche war der einzige deutsche Startplatz an Luis Brethauer vergeben worden. „Aber ich möchte natürlich beweisen, dass ich zu Recht in Rio für Deutschland am Start sein werde“, so der WM-Dritte von 2013. „Und ein Titel fühlt sich sowieso immer gut an.“ Nach Köpenick fährt er übrigens als Titelverteidiger.

Die Berliner Strecke im Mellowpark hält der Olympiastarter für die beste in ganz Deutschland. „Sie ist sehr anspruchsvoll, auch für die Topleute“, sagt Brethauer. Seit einem Jahr ist es außerdem seine Heimstrecke.

Brethauer stammt ursprünglich aus Betzingen in Süddeutschland, doch 2015 war er auf Empfehlung von Bundestrainer Simon Schirle in die Region Berlin-Brandenburg gezogen. Er lebt in Köpenick, trainiert wird abwechselnd im Mellowpark und in Cottbus. „Die Trainingsbedingungen in der Region sind einfach optimal“, sagt Brethauer.

Strecke beim vorolympischen Test boykottiert

Als achtjähriger Junge war er während eines Familienurlaubs in Schweden erstmals mit dem spektakulären Sport in Berührung gekommen. Dass BMX wie viele Trendsportarten oft belächelt und als pure Show abgetan wird, stört ihn nur teilweise: „Show heißt doch zunächst einmal, dass wir etwas zu bieten haben, und das ist sicher nicht schlecht“, meint er.

Trotzdem wünscht er sich manchmal mehr Anerkennung für die harte Arbeit, die dahinter steckt. „Meine Kraftwerte in den Beinen entsprechen denen der weltbesten Radsportler“, sagt der WM-Dritte von 2013. BMX-Fahrer seien Leistungssportler, keine Zirkusclowns.

Und im Übrigen auch keine Adrenalinjunkies. Beim vorolympischen Testevent in Rio boykottierten die Fahrer im Oktober 2015 deshalb sogar zeitweise die Strecke, weil sie ihnen zu gefährlich war. „Da wären Stürze programmiert gewesen. Das führt dann aber zu Rennen, bei denen jeder einfach nur heil durchkommen will und lieber nicht zu viel riskiert, was für die Zuschauer ziemlich langweilig ist“, sagt Brethauer. Inzwischen wurde die Strecke auf Drängen der Sportler noch einmal angepasst. „Jetzt haben wir eine Anlage, die Olympischen Spielen würdig ist“, sagt er.