Leichtathletik

Hannes Liebach reicht der Meistertitel noch lange nicht

Der Hindernisläufer vom SCC Berlin will sich jetzt für Olympia in Rio qualifizieren. Doch sein Fernziel ist ein anderes.

Hannes Liebach wurde in Kassel Deutscher Meister über 3000 Meter Hindernis

Hannes Liebach wurde in Kassel Deutscher Meister über 3000 Meter Hindernis

Foto: Sven Hoppe / dpa

Kassel/Berlin.  Hannes Liebach hatte nicht gut geschlafen, wie eigentlich vor jedem Wettkampf. Doch das hinderte ihn nicht daran, bei den Deutschen Meisterschaften in Kassel im entscheidenden Moment hellwach zu sein.

Nach Platz drei im Vorjahr gewann der Mann vom SCC Berlin dieses Mal Gold über 3000 Meter Hindernis (8:45,50 Min.) vor Patrick Karl aus Ochsenfurt, dem bislang schnellsten Deutschen in diesem Jahr. „Mein erster Meistertitel mit 29 Jahren, das ist wunderbar“, freute er sich im Ziel über seinen Coup.

Doch wie ihm das gelungen war, konnte Liebach hinterher selbst nicht so genau sagen: „Ich weiß nicht, warum ich es geschafft habe, ihn abzuhängen“, sagte er. Vielleicht spürte er, dass Favorit Karl an diesem Tag nicht in Topform war; womöglich sah er auch, wie dieser an den Hindernissen Probleme hatte. 300 Meter vor dem Ziel setzte sich Liebach an die Spitze – der Rest war pure Willenssache. „Wenn man dann vorne ist, sollte man zusehen, dort auch zu bleiben.“

In Bilbao soll die Olympianorm erreicht werden

Groß feiern konnte der Charlottenburger seinen Titel nicht, noch am Sonntag ging es mit dem Auto zurück nach Berlin. „Wir hatten ein paar Snacks dabei, und zu Hause habe ich mir noch einen Wein gegönnt, das war’s“, sagte er.

Eine allzu überschwängliche Siegesfeier hätte es aber wohl sowieso nicht gegeben. Hannes Liebach ist kein Mann großer Emotionen, vor allem aber sieht er seine Mission für diese Saison noch nicht erfüllt. Der deutsche Meistertitel soll erst der Anfang gewesen sein. „Auch mit 29 hat man noch Ziele. Ich möchte unbedingt noch einmal bei einer internationalen Meisterschaft für Deutschland laufen“, sagte er.

Das große Ziel sind die nächsten Europameisterschaften 2018 im Berliner Olympiastadion, doch auch für Olympia in Rio sieht Liebach noch eine kleine Chance. Am Sonnabend fliegt er zusammen mit Teamkollege Fabian Clarkson, der bei den Deutschen Meisterschaften Vierter wurde, zu einem internationalen Meeting nach Bilbao, um dort die vom Verband geforderten 8:30,00 Minuten zu unterbieten.

Liebach hat keinen Trainer

„Mit ganz viel Glück kann mir das gelingen“, so Liebach, dessen Bestzeit bislang bei 8:39,15 Minuten steht. „Die Rennen in Bilbao waren in der Vergangenheit immer schnell genug, um unter 8:30 Minuten zu laufen.“

Einen Trainer hat Hannes Liebach nicht. Er ist Autodidakt und betreut sich selbst, ähnlich wie Deutschlands bester Marathonläufer Arne Gabius. „Niemand kennt mich so gut wie ich selbst“, sagte der Hindernisläufer.

Liebach orientiert sich dabei stark an den Plänen seines früheren Trainers Dietmar Bittermann, der ihn vor seinem Wechsel nach Berlin in Cottbus betreut hatte. Viel mehr trainieren könne er ohnehin nicht, „das hält mein Körper nicht aus.“