Fußball

Warum beim Berliner Pokalfinale ganz Deutschland zuschaut

Der BFC Preussen fordert Lichtenberg 47 heraus, und dank des „Finaltags der Amateure“ sind nicht nur im Stadion viele Zuschauer dabei.

Ein großer Tag für die Fans des SV Lichtenberg 47 –  wie vor drei Jahren. Allerdings ging damals das Finale gegen den BFC Dynamo mit 0:1 verloren. Nun soll es besser werden

Ein großer Tag für die Fans des SV Lichtenberg 47 – wie vor drei Jahren. Allerdings ging damals das Finale gegen den BFC Dynamo mit 0:1 verloren. Nun soll es besser werden

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Sebastian Reiniger kann es kaum noch erwarten. „Wenn ich den Pokal sehe, will ich auch, dass endlich Samstag ist“, sagte der Kapitän von Lichtenberg 47. Der Innenverteidiger kann den Anstoß des Berliner Pokalfinales gegen den BFC Preussen am Sonnabend (17 Uhr, Jahn-Sportpark) kaum noch erwarten.

Weil er wie seine Teamkollegen etwas gut zu machen hat. Die Finalniederlage von 2013, als man dem BFC Dynamo 0:1 unterlegen war, wirkt immer noch nach.

Die Bühne für die Wiedergutmachung kann jedenfalls größer kaum sein. Dank des „Finaltags der Amateure“, den der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ins Leben gerufen hat, um den Landespokalendspielen eine größere Aufmerksamkeit zu verschaffen, überträgt sogar die ARD in drei Konferenzschaltungen 17 der 21 Landesfinals (12.30, 14.30 und 17 Uhr). Das Berliner Finale wird zusammen mit fünf weiteren Endspielen gezeigt.

„Am Sonnabend wird es keine anderen Spiele in Berlin geben“

Darüber hinaus dreht sich in der Hauptstadt in Sachen Fußball alles um den Pokal des Berliner Fußball-Verbandes (BFV). „Am Sonnabend wird es keine anderen Spiele in Berlin geben“, sagte BFV-Geschäftsführer Michael Lameli.

Neben dem großen Finale werden auch die Pokale in den unteren Männer-Klassen ausgespielt, im Rahmenprogramm gibt es diverse Jugendturniere sowie ein Blindenfußball-Einlagespiel der Nationalmannschaft. Ein großer Rahmen für die „Premiumveranstaltung“, von der Lameli schon jetzt spricht, eigenes Pokal-Logo und neue Trophäe inklusive.

Ausgerechnet jetzt, da sich das Berliner Pokalfinale anschickt, die über die Jahrzehnte entstandene Patina des alten West-Berlin endgültig abzustreifen, heißt das Duell im Jahn-Sportpark David gegen David.

Lichtenberg gegen Preussen ist – selbstverständlich bei allem Respekt für die beteiligten Mannschaften – ein Duell, dem in Abwesenheit solcher Amateur-Größen wie dem Berliner AK, BFC Dynamo oder FC Viktoria 89 die Strahlkraft fehlt. Selbst Lameli bestätigte: „Sicher wird nicht jeder in Deutschland die beiden Finalisten kennen. Das ist aber für beide auch eine Chance wegen des Finaltags der Amateure.“

Allerdings auch nur, wenn beide Teams ein ordenliches Spektakel abliefern. Die Maxime der ARD für die Konferenz lautet: Wo etwas los ist, da schalten wir hin.

Dass in den zeitgleich stattfindenden Endspielen zwischen Drittligist Fortuna Köln und dem viertklassigen Regionalligisten Viktoria Köln (Verband Mittelrhein), vor allem aber im Thüringen-Kracher zwischen Oberligist Carl Zeiss Jena (Regionalliga) und Rot-Weiß Erfurt (Dritte Liga) mehr Brisanz liegt, ist nicht von der Hand zu weisen. Umso mehr sind Oberligist Lichtenberg (fünftklassig) und die noch eine Klasse tiefer spielenden Preussen aufgefordert, für ein brisantes Spiel zu sorgen.

Beide Vereine schauen auf eine gute Saison

Allein der Sprung in die erste Runde des DFB-Pokals und gut 140.000 Euro Prämie dürften dabei Ansporn genug sein, ganz abgesehen davon, zwei jeweils ordentlich Spielzeiten noch zu krönen. Der BFC Preussen, zwei Spieltage vor Saisonschluss auf Platz fünf liegend, hatte auch als Neuling in der Berlin-Liga „unsere Mannschaft für stark genug gehalten, um eine Rolle im Aufstiegsrennen spielen zu können“, sagte Andreas Mittelstädt.

Der Vorsitzende der Fußball-Abteilung bei den Lankwitzern übernahm auch die Rolle des Coaches, nachdem man sich im Herbst 2015 von Timo Szumnarski und im April auch von dessen Nachfolger Levent Selim getrennt hatte. Für Mittelstädt, der es in der Saison 1983/84 sogar auf 18 Zweitliga-Einsätze für den SC Charlottenburg brachte, ist Preussens erstes Pokalendspiel seit 1988 (1:2 n.V. gegen Türkiyemspor) etwas Besonderes: „Der ganze Verein wird auf den Beinen sein.“

Gleiches gilt für Lichtenbergs Trainer Uwe Lehmann, der vor drei Jahren im verlorenen Finale gegen den BFC sein letztes Spiel bestritt. Für den Coach des Oberliga-Fünften ist das Finale „ein absoluter Höhepunkt“. Sein Kapitän hat auch schon die Marschroute für den Erfolg festgelegt. „Damals sind wir in Rückstand geraten, weil wir viel zu nervös waren. Wir dürfen nicht die Geduld verlieren“, sagte Sebastian Reiniger. Dabei kann er selbst den Anpfiff gar nicht mehr erwarten.