Fussball

Beim VfB Einheit zu Pankow ist der Name Programm

Der Pankower Amateurverein ist der einzige deutsche Fußballklub, der nach der Wende wiedervereinigt wurde.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Berlin.  Mit dem FC Bayern kann Peter Deutschmann privat eher wenig anfangen. Trotzdem wünscht sich der Vorsitzende des VfB Einheit zu Pankow nichts mehr, als dass der deutsche Fußball-Meister mit seinen Stars 2018 zum 125. Jubiläum des Vereins auf dem Paul-Zobel-Sportplatz in Schönholz vorbeischaut.

Franz John, ein ehemaliger Pankower, war im Jahr 1900 einer der Hauptinitiatoren bei der Gründung des FC Bayern gewesen – und dessen erster Präsident. Doch Pankow ist noch aus einem anderen Grund fußballhistorisch bedeutend: Der VfB Einheit ist der einzige Verein, der durch die deutsch-deutsche Teilung getrennt und nach der Wende erfolgreich wiedervereint wurde.

Der VfB Pankow wurde 1893 gegründet, 1921 stellte er mit Willy Schwedler sogar mal einen Nationalspieler, der allerdings nur einmal zum Einsatz kam. Nach Gründung der DDR wurde der Verein in eine Betriebssportgruppe umgewandelt und musste sich fortan Einheit Pankow nennen. Nicht alle Mitglieder waren damit einverstanden.

„Die West-Berliner wollten weiter VfB heißen, aber damit waren wir nicht einverstanden“

Einige Spieler nahmen deshalb Kontakt zum West-Berliner Fußballverband auf und fanden sportliches Asyl in Reinickendorf. Ab 1951 gab es den Verein somit quasi doppelt: im Osten als Einheit Pankow und im Westen als Neugründung unter dem alten Namen VfB. Nach dem Mauerbau 1961 brach der Kontakt zwischen beiden Vereinen endgültig ab.

Das änderte sich erst mit dem Fall der Mauer. Anfang der Neunziger suchte der VfB-Vorstand um Günter Darge den Kontakt zum Osten, mit dem Ziel eines Zusammenschlusses beider Seiten. Darüber war man sich auch recht schnell einig, doch über den künftigen Namen gab es zunächst unterschiedliche Ansichten. „Die West-Berliner wollten weiter VfB heißen, aber damit waren wir nicht einverstanden“, sagt Peter Deutschmann, damals Kassenwart.

„Einheit war Tradition, außerdem passte es gerade so gut zur Situation.“ Der Name war in der DDR vielen ein Begriff, auch weil ihn der bekannte Kabarettist Edgar Külow öfter in seine Nummern einbaute. Külow, dessen Sohn für Einheit spielte, war einer der größten Fans des Vereins gewesen; seit seinem Tod 2012 gibt es im Paul-Zobel-Stadion eine „Edgar-Külow-Kurve“.

Zusammenschluss am 14. Mai 1991 im „Joe am Wedding“

Zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung war der Osten sportlich erfolgreicher. Die Vertreter aus dem Westen wiederum kannten sich besser in sportrechtlichen Fragen aus wie dem Aufbau einer Satzung oder der Anmeldung beim Amtsgericht. „Diese Dinge haben sie dann übernommen“, sagt Peter Deutschmann. Über die Verhandlungen sagt der 68-Jährige: „Es gab unterschiedliche Mentalitäten in Ost und West, aber wir haben immer einen guten Draht zueinander gefunden.“

Von Verbandsseite beaufsichtigte Bernd Schultz das Geschehen, heutiger Präsident des Berliner Fußballverbandes. Am 14. Mai 1991 wurde der Zusammenschluss im „Joe am Wedding“ offiziell besiegelt. „Uns war bewusst, dass wir damit etwas ganz Besonderes erreicht hatten“, sagt Deutschmann, der im neuen Gesamtverein erst Schiedsrichter-Obmann wurde und dann Vorsitzender. Die erste Mannschaft wurde in die Landesliga eingestuft, inzwischen spielt sie in der Kreisliga A.

Mittlerweile ist der Verein wieder auf dem alten Platz in Schönholz beheimatet, der Reinickendorfer Zweig spielt keine Rolle mehr. 26 Mannschaften spielen beim VfB Einheit zu Pankow, in nahezu allen Altersklassen ist der Klub vertreten. „Die Tradition lebt“, sagt Peter Deutschmann. In seiner Stimme klingt Stolz dabei, völlig zu Recht.