Fussball

Berlin gibt dem Frauenfußball keine Chance

Bei Zweitligist 1. FC Lübars warten die Spielerinnen schon seit Monaten aufs Gehalt. Nun droht sogar der Zwangsabstieg.

Torhüterin Inga Buchholz (r.) vom 1.FC Lübars klärt in einem Spiel gegen den VfL Wolfsburg

Torhüterin Inga Buchholz (r.) vom 1.FC Lübars klärt in einem Spiel gegen den VfL Wolfsburg

Foto: imago/Hübner

Berlin.  Als sie den Fußballplatz verlässt, kann Cagla Korkmaz ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. 90 Minuten hat die 25-Jährige mit ihren Mannschaftskameradinnen vom 1. FC Lübars im Zweitligaspiel gegen den Herforder SV gekämpft. Im Nieselregen führte ihr Team auf dem nassen Rasen in der Finsterwalder Straße sogar 2:0, dann aber verlor Lübars den Faden, das Spiel 2:3 und Tabellenplatz fünf an Herford.

Bei Korkmaz’ Tränen geht es aber um weit mehr als eine Niederlage in einem Fußballspiel, so bitter sie an diesem Sonntag auch war. Die türkische Nationalspielerin weiß wie ihr Trainer Jürgen Franz nicht, wie es beim 1. FC Lübars weitergehen soll.

Der Verein steht derzeit vor einem Schuldenberg im fünfstelligen Bereich, zudem fehlen knapp 30.000 Euro, um den Spielbetrieb der laufenden Saison abzusichern. Bis zum 15. März hat der Klub Zeit, die Unterlagen für die Zweitliga-Lizenz 2016/17 einzureichen, sonst droht der Zwangsabstieg.

„Wenn wir bis zur ersten Märzwoche keine neuen Sponsoren gefunden haben, geht es in die vierte Liga und dann kann ich hier für nichts mehr garantieren“, sagt Trainer Franz.

Kein Geld für die Erste Liga

Dabei ist es gerade erst neun Monaten her, dass die Mannschaft die Meisterschaft in der Zweiten Liga feierte. Das Potenzial für die erste Liga war also da, das Geld allerdings nicht. Der Aufstieg solle mehr sein als „ein Abenteuer, das am Ende frustriert“, sagte André Eggert im Mai.

Damals war er noch Abteilungsleiter der Frauen- und Mädchenabteilung des 1. FC Lübars. Die Vorsicht klang vernünftig, der Klub sollte schließlich gesund wachsen. Aber auch schon die Lizenz für die Zweite Liga stand auf wackeligen Füßen.

Man hoffte, das fehlende Geld über den Spielbetrieb wieder einzuspielen und mit guten sportlichen Leistungen neue Sponsoren zu gewinnen. Zudem ist die seit 2009 bestehende Kooperation mit Hertha BSC stets an eine Teilnahme in der Zweiten Liga geknüpft.

Die Idee eines Hauptstadtklubs für Frauenfußball wurde geboren, in den auch alle Jugend- sowie die Berlin-Liga-Mannschaft der Lübarser übergehen sollten. Mit dem Projekt 1. Berliner FFC sollte es gelingen, neue Partner zu gewinnen und die Strukturen für eine Bundesliga-Mannschaft zu schaffen.

Warten auf 250.000 Euro aus der Schweiz

Offenbar ist es Eggert auch gelungen, ein Schweizer Unternehmen aufzutreiben, das bereit war, 250.000 Euro zu investieren. Allein, das Geld kam bis heute nicht in Lübars an, die Fußballerinnen spielen seit Monaten ohne Gehälter.

„Dass das Geld im Januar noch nicht da war, hatte mit globalen Bedingungen zu tun“, sagt Eggert. Inzwischen sei es geflossen, nur wolle das Unternehmen es unter den jetzigen Bedingungen nicht mehr in Lübars investieren.

Der Investor habe gesagt, er werde das Modell eines eigenen Frauenfußball-Klubs unterstützen, so Eggert – ein Konstrukt, das eigentlich aus den Lübarserinnen entstehen sollte. Die Situation ist verfahren, auf beiden Seiten sind Anwälte nun eingeschaltet.

Hoffnung aus Süddeutschland

Eggert ist im Januar als Abteilungsleiter zurückgetreten, seitdem bemühen sich Trainer Jürgen Franz und die bisherige Geschäftsführerin und Spielbetriebsleiterin Maja Bogs darum, den
1. FC Lübars aufrecht zu erhalten.

Inzwischen habe man einen neuen Partner aus Süddeutschland gefunden, freut sich Franz. Von dieser Sorte braucht es aber mehr, um den Lübarser Traum vom hochklassigen Fußball am Leben zu erhalten.

Denn auch die Kooperation mit Hertha BSC endet am 30. Juni 2016. „Wir sind jetzt auf einer Neufindung, jeder hilft und das ist der Strohhalm, an dem ich mich gerade festhalte“, sagt Franz.