Nachwuchssportler des Monats

Lena Hentschel verbindet Mut und Kraft zu Eleganz

Die 14-jährige Wasserspringerin aus Wilhelmsruh hat eine 60-Stunden-Woche und träumt von einer Teilnahme bei Olympia 2020.

Foto: Eberhard Thonfeld / camera 4

Berlin.  Die Frage nach dem Lebensmotto beantwortet Lena Hentschel rasch. „Ohne Spaß kommt kein Erfolg“, sagt sie so überzeugt und überzeugend, dass sie mit der Wintersonne vor der Schwimm- und Sprunghalle an der Landsberger Allee um die Wette strahlt. Sie hängt, nun ein ganzes Stück ernster, gleich einen Kurzsatz an: „Ohne Schmerzen aber auch nicht!“

Ziemlich erwachsen klingt das. Dabei wird Lena am 17. Juni erst 15 Jahre alt. Zehn davon ist sie bereits Wasserspringerin. Als sie fünf Jahre alt war, suchten Vater Thomas, einst Gewichtheber und Sportschul-Absolvent, und Mutter Grit nach einem Verein, der dem Bewegungsdrang der Tochter Genüge tun konnte.

Mit 1,55 Meter und 51,4 Kilo hat sie ideale Maße für die Sportart, die turnerisches Können, Mut, Kraft und Ausdauer verlangt. Beim Berliner TSC, bundesweiter Vorzeigeklub der Salti- und Schraubendreher, absolvierte sie ein Probetraining, wurde als „entwicklungsfähig“ befunden. Verein, schrittweiser Auf- und Ausbau von Trainingspensum und -intensität, erste Wettkämpfe und Erfolge – das klingt folgerichtig, wie Automatismus. Dabei steckt hinter Leichtigkeit und Eleganz der Sprünge harte, tägliche Arbeit.

Auch eine Ellenbogen-Verletzung warf sie nicht zurück

Seit der 5. Klasse verbindet Lena Hentschel Lernen und Sport an der Sportschule (SLZB) – längst ist aus einer oder zwei Trainingseinheiten pro Tag ein streng durchgeplanter Ganztagsablauf mit Schule, Sport und nur wenig Alltag geworden.

Nutzt sich da der Spaß nicht ab? „Ans Aufhören habe ich auch in härtesten Momenten nie gedacht“, sagt Lena. „Hinwerfen kam nie in Frage, auf keinen Fall.“

Auch nicht, als sie sich in der 4. Klasse den Ellenbogen ausrenkte, zweimal operiert werden musste, die Schulterprobleme Wettkämpfe vom Turm schließlich ausschlossen.

Die Fokussierung aufs Brettspringen, die Betreuung durch Trainerin Anne-Kathrin Hoffmann, die Steigerung der Sprungschwierigkeiten machten Lena Hentschel zu einem, laut Bundestrainer Lutz Buschkow, der „größten deutschen Springertalente“ für die Zukunft.

Jede Woche absolviert die Schülerin 500 Trainingssprünge

Hoffmann hat keine Hemmung, ihr Lob für den Schützling in dessen Beisein zu artikulieren: „Sie kann damit umgehen. Lena ist zielstrebig, ehrgeizig, mitunter vielleicht zu ungeduldig, wenn es nicht wie gewünscht läuft. Sie ist eine große Hoffnung für Olympia 2020 in Tokio.“

Olympia, davon träumt das Mädchen aus Wilhelmsruh, das jeden Tag eine einstündige Anfahrt ins SLZB auf sich nimmt. Neunmal pro Woche trainiert Lena im Becken, 25 Stunden. 500 Sprünge kommen so zusammen.

Vollbeschäftigung von morgens sechs bís abends zehn

Rauf aufs Brett, konzentrieren, abheben, drehen, sauber eintauchen, wieder und wieder. Danach heißt es nach Hause fahren, Schule nachbereiten – das wird schnell zur 60-Stunden-Woche und Vollbeschäftigung von morgens sechs bis abends zehn Uhr.

Lena Hentschel nimmt es auf sich, weil sie Wasserspringen liebt. Solange der Spaß da sei, werde sie auf dem Brett stehen, sagt sie.

Jeden zweiten Dienstag im Monat stellen wir Berlins Nachwuchssportler des Monats vor. Alles zur Wahl und die Möglichkeit zur Stimmabgabe finden Sie unter www.morgenpost.de/nachwuchssportler