Fussball

Die Wilderer von Viktoria Berlin

Warum Fußball-Regionalligist Berliner AK Personal wie Stürmer Karim Benyamina an den Konkurrenten verloren hat.

Foto: imago/Björn Draws

Berlin.  Ein „ungewöhnlicher Umbruch“ sei das gewesen, sagt Steffen Baumgart, und das zu einem ziemlich „ungewöhnlichen Zeitpunkt“. Neun Spieler hat der Trainer des Regionalligisten Berliner AK in der Winterpause verloren – dafür tragen nun acht neue das Trikot des Tabellenvierten. Als der BAK am Sonnabend beim FSV Luckenwalde mit einem 2:0 in die Rückrunde startete, war das Team kaum wiederzuerkennen.

In den meisten Fällen hat der Coach die Wechsel in typischer Baumgart-Art genommen. Is‘ so. Weiter geht’s. Doch in einem Fall ist das anders.

„Der Abgang von Karim Benyamina“, sagt Baumgart, „trifft uns sehr schwer. Innerhalb der Mannschaft hatte Karim einen hohen Stellenwert.“ Tatsächlich war Benyamina (34), bis heute auch noch Rekordtorschütze des 1. FC Union, weit mehr als der gefährlichste Stürmer des BAK.

Robert Hoyzer wechselte schon im Sommer

Er war Kapitän, Motivator und Vorbild, kurz: der Führungsspieler. Eine besondere Note erhält sein Abgang, wenn man den Blick auf Benyaminas neuen Arbeitgeber richtet. Der hört auf den Namen Viktoria 89 – und scheint sich unter BAKlern zu einer festen Anlaufstelle zu entwickeln.

Robert Hoyzer (36), bis dahin Technischer Direktor beim Berliner AK, wechselte bereits im vergangenen Sommer zu den Südberlinern und verantwortet dort die Bereiche Marketing und Kommunikation.

Ihm folgte zu Jahresbeginn Sportdirektor Rocco Teichmann (29), der Benyamina prompt ins Schlepptau nahm. BAK-Präsident Mehmet Ali Han hat damit innerhalb eines halben Jahres drei seiner wichtigsten Akteure verloren.

Noch ist der Berliner AK dritte Berliner Kraft

Viktorias Wildern im BAK-Revier, es erinnert an die altbekannte Bayern-München-Taktik. Sich selbst zu verstärken und dabei die Konkurrenz zu schwächen, ist beim Rekordmeister ein beliebtes Vorgehen.

Ein Mechanismus, den Borussia Dortmund genauso gut kennt wie Leverkusen oder Werder Bremen. Bauunternehmer Han sieht die Abwanderungswelle gelassen. Dass sich andere Vereine für sein Personal inter­essieren, sei schließlich ein gutes Indiz dafür, dass beim BAK hervorragende Arbeit geleistet wird. Das mag stimmen. Ob es ihm gelingt, die vakanten Posten ohne Qualitätsverlust neu zu besetzen, ist eine andere Frage.

Noch liegt der BAK im Rennen um den Status als dritte Kraft in Berlin klar vorn: Den Aufstieg in die 3. Liga haben die Weddinger nicht abgeschrieben – Viktoria (15.) steckt in der Abstiegszone. Umso mehr drängt sich die Frage auf, was Hoyzer, Teichmann und Benyamina nach Lichterfelde gezogen hat.

In Lichterfelde bekam Benyamina gleich einen Vertrag bis 2017

„Vom Potenzial ist bei Viktoria einfach mehr möglich“, sagt Teichmann, der Verein sei „wirtschaftlich so aufgestellt, dass man die nächsten Schritte gehen kann“. Der riesige Nachwuchsbereich und eine bessere Arbeitsaufteilung, mehr Struktur und weniger Unruhe in der Klubführung – es gibt vieles, was Viktoria vom BAK unterscheidet.

Wie er Benyamina von einem Wechsel überzeugen konnte, wusste Teichmann nur allzu gut. Beim BAK wurde der Vertrag des Stürmers jährlich verhandelt. Bei Viktoria erhielt er nun einen Kontrakt bis 2017.

Han sagt, er habe Benyamina keine Steine in den Weg legen wollen. „Karim hat uns anderthalb Jahre lang enorm geholfen. Einem anderen Spieler hätte ich diesen Wunsch nicht erfüllt.“ Am Sonntag solte Benyamina gegen den Tabellenzweiten FSV Zwickau eigentlich sein Debüt geben -- doch das Spiel in Lichterfelde wurde wegen Unbespielbarkeit des Platzes abgesagt.

„Wir werden sicher nicht jedes Spiel gewinnen“ weiß Teichmann. Davon, dass sich Viktoria zeitnah aus dem Abstiegskampf verabschiedet, ist er aber fest überzeugt. Am 32. Spieltag soll der Klassenerhalt jedenfalls kein Thema mehr sein – dann heißt der Gegner Berliner AK. „Das“, sagt Teichmann, „wird sicher ein bisschen besonders.“