Fußball

Auf die Party des BFC Dynamo hat nicht jeder Lust

Der BFC Dynamo wird 50. Das wird groß gefeiert – doch der DDR-Rekordmeister muss zum Vereinsjubiläum einen schwierigen Spagat meistern.

Dynamo-Legenden: Stürmer Andreas Thom (l.) 1988 mit Kapitän Frank Rohde nach einem 3:0 gegen Werder Bremen

Dynamo-Legenden: Stürmer Andreas Thom (l.) 1988 mit Kapitän Frank Rohde nach einem 3:0 gegen Werder Bremen

Foto: Roland Holschneider / picture-alliance/ dpa

Berlin.  Die Vorfreude ist riesig, und das nicht nur bei Norbert Uhlig. „Wir hatten für die Jubiläumsfeier 2000 Anfragen“, erzählt der Präsident des BFC Dynamo nicht ohne Stolz. Ein Ansturm, der die Erwartungen weit übertraf. Weil sich auf die Schnelle aber keine passende Räumlichkeit finden ließ, begnügt sich Dynamo zu seinem 50. Geburtstag mit der Hälfte der Gäste.

Zunächst sollte im trendigen „Haubentaucher“ in Friedrichshain gefeiert werden, nun steigt die Party am Freitagabend im „Loewe Saal“ in Moabit, einer Lokalität, in der schon Kult-Regisseur Quentin Tarantino die Premiere seines Films „Inglourious Basterds“ betanzte. Hippes Hauptstadtflair statt (N)Ostalgie-Muff. Sicher kein Zufall. Der Jahrestag des Fußball-Rekordmeisters der DDR erfordert schließlich einen sensiblen Spagat.

Ehrengäste von Jürgen Bogs bis Frank Terletzki

„Die Vergangenheit ist da“, sagt Uhlig (62), seit 2008 im Amt, „aber sie hat nichts mit dem zu tun, was uns aktuell beschäftigt.“ Eigentlich will Dynamo seine Geschichte hinter sich lassen, doch an einer Retrospektive führt am Jubiläum natürlich kein Weg vorbei.

Und so werden sie noch einmal erinnern an die ebenso großen wie fragwürdigen Erfolge. An die zehn Meistertitel in der DDR-Oberliga und drei FDGB-Pokalsiege (ja, auch große Europapokalspiele), mit Filmchen und Granden von einst, die in Erinnerungen schwelgen. Über 30 Ehrengäste sind geladen. Frank Rohde, Erfolgstrainer Jürgen Bogs, der langjährige Kapitän Frank Terletzki – Fußball-Ikonen zum Anfassen.

Doch längst nicht alle Dynamo-Helden sind dem Klub bis heute eng verbunden. Bodo Rudwaleit, der zwischen 1977 und 1989 über 300 Mal zwischen den Pfosten stand, wahrt Distanz. Vergangenheit ist Vergangenheit, das Kapitel Dynamo längst geschlossen.

Gemischte Gefühle bei Andreas Thom

Die vielen Dynamo-Titel haben ihren Beigeschmack nie verloren. Dass die Funktionäre im Hintergrund eifrig mithalfen, damit Dynamo am Ende oben steht, war schon damals ein offenes Geheimnis. Stürmer-Legende Andreas Thom erinnert sich an gemischte Gefühle. „Wir waren in der ganzen Republik als Stasi-Klub verhasst“, sagt der heutige U19-Trainer von Hertha BSC. „Überall, wo wir hinkamen, wurden wir ausgepfiffen, aber das hat uns auch zusammengeschweißt.“

Was sonst noch geblieben ist aus seinen insgesamt 16 Jahren bei Dynamo? Auch Dankbarkeit. „Ich habe eine hervorragende Ausbildung genießen dürfen“, sagt Thom (50). Ab seinem zwölften Lebensjahr besuchte er die Sportschule, konnte sich „perfekt weiterentwickeln“. 1988 wurde er in der DDR „Fußballer des Jahres“. Nach der Wende bewies er bei Bayer Leverkusen, dass er auch im gesamtdeutschen Vergleich zur absoluten Spitze zählte.

Die Spitze, davon ist Dynamo seit der Wende weit entfernt. Aber immerhin: So gut wie zum Jubiläum stand es lange nicht um den BFC. Seit 2014 kickt Dynamo wieder in der Regionalliga, steht aktuell auf Rang sechs, strebt den Aufstieg an. Der Klub ist schuldenfrei, die nötige Infrastruktur ist am Sportforum Hohenschönhausen vorhanden, Trainer Thomas Stratos verfügt über Drittliga-Erfahrung. Und: Der Zuspruch der Fans ist groß.

Umfangreiche Nachwuchsförderung

Knapp 1500 Zuschauer kommen durchschnittlich zu den Heimspielen in den Jahn-Sportpark, sorgen jedoch immer wieder auch für Negativschlagzeilen. Das Landeskriminalamt rechnet Dynamo 125 „gewaltsuchende Fans“ zu, doppelt so viele wie Hertha BSC. Ein Makel, gegen den der für seine Jugendarbeit ausgezeichnete BFC ankämpft. Man stehe in regelmäßigem Austausch mit Polizei und Senat.

„Ich schaue lieber nach vorn“, sagt Uhlig. Am Freitag wird er ausnahmsweise noch mal zurückblicken – ohne großes Pathos, dafür mit gebührendem Abstand. Klar ist: So wie früher wird es nie wieder werden beim BFC Dynamo. Und das ist auch gut so.

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