Siegerin im Januar

Leonie Kullmann schwimmt mit einem Löwenherzen

Die 16-Jährige Sächsin, die für die SG Neukölln schwimmt, arbeitet hart und hofft auf einen Start bei Olympia in Rio.

Leonie Kullmann ist Juniorsportlerin des Monats Januar

Leonie Kullmann ist Juniorsportlerin des Monats Januar

Foto: privat / BM

Berlin.  Leonie Kullmann ist im vergangenen Jahrhundert geboren, genau am 26. August 1999 in Dresden. Von Gestern ist sie damit aber nicht, ganz im Gegenteil. Die Sächsin ist eine der größten deutschen Nachwuchshoffnungen im Schwimmen und darf sich gute Chancen für Olympia in Rio ausrechnen.

Deshalb gehört sie zum DSV-Team, das seit Jahresanfang im dreiwöchigen Camp im thailändischen Phuket die „Grundlagen für die Olympiaform“ legen will, wie sie selbst sagt.

Obwohl erst 16, hat die Schwimmerin schon ein bewegtes Leben hinter sich. Im Alter von neun Jahren zog die Familie für drei Jahre in die USA, wo sie mit dem Schwimmen begann, nachdem sie sich daheim zuvor im alpinen Skilauf und in der Akrobatik versucht hatte.

Drei Medaillen bei den Europaspielen in Baku

Die Entscheidung fürs nasse Element war aus der Not geboren, da andere Sportarten erst im Highschool-Alter angeboten wurden. Am Ende bestätigten Leonies Leistungssprünge nach der Rückkehr aus den USA ihre Wahl.

Auf den Kraulstrecken von 100 bis 400 Meter ist sie eine Top-Nachwuchsschwimmerin. So gewann sie bei den Europaspielen in Baku 2015 einmal Silber (400 m), zweimal Bronze (200 m, 4x100 m).

Trainer Alexander Römisch mag die Arbeit mit ihr, „weil man sieht, dass ankommt, was man vermittelt“. Sie sei zwar „nicht das allergrößte Talent“, aber „Leonie ist unheimlich akribisch, arbeitet unglaublich hart an sich.“

Eltern waren Leistungssportler

Ihr Ehrgeiz trieb sie auch aus dem Kokon der sächsischen Heimat zur SG Neukölln und ins Sportinternat nach Berlin. Zwar hat sie Sehnsucht nach der Heimat mit Mutter (einst Weltklasse-Triathletin), Vater (Ex-Skispringer) und ruderndem Bruder Elrond (14).

Aber „inzwischen ist die Trainingsgruppe in Berlin längst meine zweite Familie geworden“, sagt sie. „Ich brauche die Mädels um mich rum, die pushen mich, denn alleine kann man sich nicht so gut motivieren.“

Das Wissen, „dass meine Stärke hinten heraus kommt, wenn es hart wird“, macht sie gelassen. Leonie ist eine pflichtbewusste Schwimmerin mit Löwenherz. Eine Mischung, die Chefbundestrainer Henning Lambertz schätzt. „Wenn Leonie auf geradem Weg bleibt, dann wird sie uns mit Sicherheit noch viel Freude machen.“

„Jeder Sportler träumt von Olympia“

Vielleicht schon in Rio. Zwischen Mai und Juli stehen die nationalen Qualifikationen an – ein Staffelplatz sollte auf jeden Fall möglich sein. In der aktuellen DSV-Rangliste der 200 Meter Freistil ist sie Vierte. Kann sie das bestätigen, dann wäre sie mit noch nicht mal 17 Jahren bei den Spielen dabei.

„Jeder Sportler träumt von Olympia, auch ich. Das ist das Größte“, sagt die Schülerin der 12. Klasse. Ins Gehege kommen sich Sport und Schule nicht. Prüfungen stehen erst 2017 an. Ins laufende Halbjahr hat sie vorab viel Lehrstoff und Klausuren integriert, um danach Zeit für den Sport zu gewinnen.

Leonie Kullmann plant gerne voraus. Schließlich will sie das Glück selber befördern. Ganz nach ihrem Vorbild Missy Franklin, die mit 13 an den Olympia-Trials in den USA teilnahm. „Das spricht für einen starken Willen, und das bewundere ich an ihr.“

Jeden zweiten Dienstag im Monat stellen wir Berlins Nachwuchssportler des Monats vor. Alles zur Wahl und die Möglichkeit zur Stimmabgabe finden Sie unter www.morgenpost.de/nachwuchssportler