Weißer Bär

Wie gerade mal 500 Euro 280 Fechter nach Berlin locken

Fußballer würden sich dafür nicht mal die Schuhe zubinden. Degenfechter Toni Kneist organisiert Berlins Traditionsturnier sogar selbst.

Der Weiße Bär im Fechten gehört zu den traditionsreichsten Sportwettkämpfen Berlins, hier ein Foto von 2005

Der Weiße Bär im Fechten gehört zu den traditionsreichsten Sportwettkämpfen Berlins, hier ein Foto von 2005

Foto: imago / BM

Berlin.  – Den Spruch „Nie war er so wertvoll wie heute“ kann man getrost auch auf den Weißen Bären von Berlin anwenden. Das Turnier der Degenfechter, das am Wochenende zum 56. Mal seit der Premiere 1960 in der Hauptstadt stattfindet, ist neben Istaf und Sechstagerennen das älteste Sportereignis Berlins, zählt daher zu dessen sportlichem Tafelsilber.

Nur einmal – 2004 – fiel der Wettbewerb aus. Für Fechtexperten liest sich die Siegerliste wie ein Who’s Who der neben Florett und Säbel dritten Waffenart.

Sechsfach-Gewinner Alexander Pusch (Tauberbischofsheim) ist ebenso medaillendekoriert bei WM, EM oder Olympischen Spielen wie etwa Rolf Edling (Schweden), Krisztian Kulcsar (Ungarn), Pavel Kolobkov (Russland), Nikolai Novosjolov (Estland) oder Bas Verwijlen (Niederlande). Einziger Berliner Sieger war 1991 Uwe Proske.

Mischung aus Spitzen- und Breitensport

Auch bei der 56. Auflage sind wieder einige Akteure aus der Top-Kategorie dabei, wenn auch angesichts des streng auf den olympischen Höhepunkt ausgerichteten Kalenders weniger als sonst. Am weltweiten Alleinstellungsmerkmal des vom FC Grunewald verantworteten weltgrößten Männerdegen-Turniers kratzt das freilich nicht.

280 Teilnehmer aus 24 Ländern haben gemeldet und bieten eine einzigartige Mischung aus Spitzen- und ambitioniertem Breitensport.

„Diese Teilnahme, die die besondere Anziehungskraft des Weißen Bären zeigt, ist angesichts der Unwägbarkeiten in der Vorbereitung phänomenal“, sagt Toni Kneist (31) vom PSV Berlin, der aktuell sowohl sportlich als Aktiver und als „Macher“ bei Logistik und Technik seine Fokussierung auf das Berliner Fecht-Highlight nur von ein paar Stunden Schlaf unterbrechen lässt.

Flüchtlingssituation gefährdete Austragung

Bis zum Freitagabend ist er damit beschäftigt, dass alles funktioniert, am Sonnabend steht er auf der Planche und will nicht nur den inoffiziellen Titel des „besten Berliners“ (Rang 24) aus dem Vorjahr verteidigen.

„Die Vorbereitung lief super, wäre schön, wenn ich den Platz von 2015 verbessern könnte“, sagte er und ließ sich trotz des organisatorischen Stresses seine Vorfreude auf das Turnier ausdrücklich anmerken.

„Nachdem es bis in den November auf Grund der Sportstättensituation im Zusammenhang mit der Flüchtlingsproblematik unklar war, ob der Weiße Bär überhaupt stattfinden kann, ist es sehr hoch zu bewerten, dass wir trotzdem so viele Meldungen haben.“

Das Horst-Korber-Zentrum, stets Wettkampfort mit bis zu 24 Fechtbahnen für Vorrunden und Direktausscheidung, steht nicht zur Verfügung – eine echte Herausforderung. Schließlich muss in den Ersatzhallen im Olympiapark für elektronische Trefferanzeigen, Verkabelung, Stromversorgung und Internet gesorgt werden.

Logistischer Kraftakt in den Ersatzhallen

Hört sich simpel an, ist aber im Detail ein Kraftakt, dem FC-Grunewald-Präsident Dieter Bergmann mit Hoffen und Bangen entgegen sieht. „Da uns der Berliner Fechterbund, Olympiapark, mehrere Vereine und die Modernen Fünfkämpfer helfend zur Seite standen, kann ich mit Angela Merkel sagen: Wir schaffen das!“

Nicht zu vergessen: Der Senat erhöhte die zuletzt auf 21.000 Euro geschrumpfte Ausfallbürgschaft, ohne die gar nichts ginge, wieder auf 35.000 Euro. Das Vierer-Finale (Sonntag, 14.30 Uhr) wird im historischen Kuppelsaal im Olympiapark ausgetragen, wo 1936 ein Teil der Olympia-Wettbewerbe stattfand (ab U- oder S-Bahnhof Olympiastadion verkehrt ein Shuttlebus).

Der Weiße Bär ist in der Welt des Sports etwas Besonderes, ja geradezu Archaisches. 500 Euro Preisgeld erhält der Sieger und – daher der Name – einen stehenden Großen Bären der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM).

Der Final-Verlierer bekommt 250 Euro, die Dritten bis Fünften je 60 Euro. Außerdem werden Rang zwei bis acht mit einem spielenden kleinen Bären bedacht. Stars manch anderer Sportart würden sich dafür nicht einmal die Schuhe zubinden.