Leichtathletik

Harting hofft auf weitere Enthüllungen im Doping-Skandal

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Raik Hannemann
Harting bei der Pressekonferenz zur Gründung des Organisationskomitees für die Leichtathletik-EM 2018 neben Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller

Harting bei der Pressekonferenz zur Gründung des Organisationskomitees für die Leichtathletik-EM 2018 neben Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller

Foto: Soeren Stache / dpa

Nach der Suspendierung Russlands sieht Berlins Diskus-Olympiasieger Robert Harting durchaus Chancen, dass sich jetzt etwas verbessert.

Berlin.  Robert Harting gehört schon lange zu den lautesten Kritikern der Machenschaften im Weltverband IAAF und verurteilt Doping in der Leichtathletik scharf.

Berliner Morgenpost: Russlands schmutziges Dopingsystem wurde aufgedeckt und nun mit einer Suspendierung geahndet. Wie sehr demotiviert Sie das?

Robert Harting: Ich sehe das als einen Erfolg, auf den auch der Journalismus stolz sein kann und der die Chance für Korrekturen bietet. Daher sollte man da jetzt auch nicht alles niedermachen, sondern es positiv sehen, dass nun mit Beweisen aufgedeckt wurde, was dort falsch läuft. Wir Athleten haben es seit zehn Jahren geahnt, aber nun endlich auch die Beweise erhalten. Deswegen haben die Whistleblower und die beteiligten Journalisten meiner Einschätzung nach einen hochdotierten Fair-Play-Preis verdient, denn sie haben teilweise unter Lebensgefahr nun alles aufgedeckt.

Welche Konsequenzen wünschen Sie sich noch?

Jetzt müsste man auf jeden Fall auch schauen, dass man über Russland hinaus die vermeintlichen anderen Keimzentren wie Kenia oder Jamaika auch mal genauer unter die Lupe nimmt und so gleich zum großen Reinigungsgang ansetzt, dann kriegt unsere Sportart letztlich auch wieder eine Chance – auch bei der Medaillenverteilung, der Diversität – also bei allem, wovon die Zuschauer, für die wir das alles ja auch machen, letztlich träumen. Denn sie sind es ja, die ethische und moralische Ansprüche einfordern dürfen.

Viele Beobachter glauben, dass Russlands Suspendierung rechtzeitig vor den Spielen von Rio im August 2016 wieder aufgehoben wird. Sie auch?

Die Kriterien für eine Aufhebung werden im Vorfeld der Spiele sicher erreicht, und erst lange danach werden wir sehen, ob sich da wirklich intern etwas ändert. Es gibt sicher Athleten, die sich nichts zuschulden haben kommen lassen, und die muss man natürlich auch schützen. Aber sie müssen nun auch reden, den Diskurs an sich reißen und so dafür sorgen, dass ihr Verband auf die sauberen Athleten hört. Wie die Whistleblower müssen sie ihr Herz in die Hand nehmen und für den Sport kämpfen – denn bei der Moral ist es egal, ob man Russe, Amerikaner oder Deutscher ist.