Sieger im Oktober

Eine 15-jährige Weltmeisterin aus Friedenau erobert die Welt

Julia Büsselberg segelt im Laser der Konkurrenz davon. Sie wurde im August sogar Weltmeisterin in der olympischen Disziplin.

Berlin.  Sich mit Julia Büsselberg zu unterhalten, ist eine Freude. Die 15-Jährige ist Gleichaltrigen ein gutes Stück voraus. Ziemlich oft gebraucht sie das Wort „Kopf“. Das Mädchen von eher zierlicher Statur ist in Friedenau, aber vor allem auf Seen und Meeren zu Hause.

Denn sie ist Seglerin, seit dem neunten Lebensjahr beim Verein Seglerhaus am Wannsee (VsaW) aktiv und sehr erfolgreich. 2010 nahm Julia an ihrer ersten Regatta teil, im zweiten Jahr schaffte sie die Siegpremiere. 2013 hat sie im „Optimist“ den Sprung in die Jüngsten-Nationalmannschaft des Audi Sailing Teams Germany geschafft. Doch 2015 schlug alles.

In Medemblik in den Niederlanden ist sie im August U18-WM-Zweite im Laser 4.7 geworden – gegen 127 Rivalinnen aus 29 Ländern. In der U16-Wertung holte sie gar den Titel.

Schon der Vater war erfolgreicher Wassersportler

Auch bei anderen Regatten segelte sie vorneweg: in Nieuwpoort (Belgien) und Warnemünde gewann sie U16-Europacups, in Kiel die Young European Sailing (YES) und als jüngste Siegerin der Geschichte die Kieler Woche im Laser 4.7. Erfolge mit Wirkung: Sie wurde für den „Sailor Award 2015“ in der Kategorie „Newcomer des Jahres“ nominiert.

Zwar hat sich Julia anfangs auch im Kinderturnen oder Judo probiert, aber am Segeln führte kein Weg vorbei. „Die Gene!“, sagt sie und zeigt auf den Vater. Ingo Büsselberg, Radiologe, war Deutscher Meister und EM-Teilnehmer.

„Segeln wird heutzutage vor allem im Kopf gewonnen“, weiß Julia, „und die Voraussetzung dafür ist, dass man körperlich topfit ist und alle Details dieses Zusammenspiels quasi geistig gespeichert hat.“ Einfach nur entspannt segeln, das ist nicht ihr Ding.

Gegen Wechsel auf eine Sportschule

Sie ist immer auf der Suche, noch schneller zu sein. Dass sie sich gegen den Wechsel von ihrem Paul-Natorp-Gymnasium auf die Sportschule entschied, überrascht in diesem Zusammenhang. Ist das nicht ein Nachteil?

„Glaube ich nicht“, antwortet sie. „Zur Flatow-Schule in Köpenick brauche ich über eine Stunde – verlorene Zeit! Das Abitur macht man dort in 13 Jahren, auf meinem Gymnasium in zwölf, und die Schulausbildung ist garantiert nicht schlechter. Danach habe ich im Grunde genommen ein Jahr, in dem ich mich voll dem Segeln widmen kann, quasi einen Schritt überspringe – und dann entscheide, wie es weitergeht.“ Sie will studieren, später in der Medizinforschung tätig sein.

Auch Skifahren und Häkeln gehören zu ihren Hobbies

Der „normale“ Tagesablauf sieht bei Julia Büsselberg etwa so aus: bis 14.30 Uhr Schule, nach Hause, Hausaufgaben erledigen und dann zwei Mal in der Woche Wassertraining und an den anderen Tagen daheim Kraft- und Konditionstraining. An den Wochenenden stehen zumeist Wettkämpfe an.

Damit freilich erschöpft sich das Programm des Multitalents nicht. Ihre Hobbies neben dem Segeln: Klavierspielen, Mathematik, Skifahren, Häkeln. Klavierspielen, findet Julia, sei gar nicht so weit weg vom Segeln. „Da findet eine Kommunikation zwischen Kopf und Fingern statt.“

Segeln allerdings sei komplett. „Du musst im Kopf möglichst schlauer sein andere, sonst hast du keine Chance. Segeln ist Geometrie auf dem Wasser.“ Um die zu beherrschen, sind die Tage exakt durchgeplant.

Platz für anderes bleibt da kaum. „Zwar lesen wir in der Schule gerade Romeo und Julia, aber bei mir ist noch kein Platz für einen Romeo. Keine Zeit!“, verrät Julia Büsselberg und packt bereits wieder die Sportsachen.

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