Champions League

Für den FC Bayern wird es in Athen sehr gefährlich

Heimstarkes Team, fanatisches Publikum und reichlich Pyrotechnik: Bei Olympiakos Piräus müssen Spieler und Fans auf der Hut sein.

Bengalisches Feuer erleuchtet die Tribüne mit den Olympiakos-Fans. Sie gelten als fanatisch und gewaltbereit

Bengalisches Feuer erleuchtet die Tribüne mit den Olympiakos-Fans. Sie gelten als fanatisch und gewaltbereit

Foto: ANE / picture alliance / ANE

Athen.  Kein Streik – und doch eine Stunde Verspätung bei der Landung in Athen. Die Bayern kamen mit ihrem LH-Sonderflug am Dienstagvormittag nicht rechtzeitig vom Münchner Flughafen weg, weil die vorgesehene Maschine zu spät aus Hamburg eingetroffen war.

Um 14.20 Uhr, bei der Landung in Athen, spürte die Delegation, dass sie zurück war. Zurück im Sommer. Nicht so unerträglich heiß wie im August, wenn die Athener aus ihrer Stadt ans Meer und auf die Inseln fliehen, ist es derzeit, aber knackige 30 Grad sind es schon.

Die Reise dieser Champions-League-Saison soll die Bayern von Athen aus bis Mailand führen, zum Finalort 2016. Fast 32 Jahre ist es her, dass der FC Bayern auf griechischem Boden gespielt hat. Im Fußball mehr als eine Ewigkeit.

Damals holte man im Uefa-Pokal ein 0:0 bei Paok Saloniki. Zu Besuch in der Hauptstadt Athen waren die Münchner zuletzt im September 1980. Der heutige Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge traf beim 4:2 gegen Olympiakos Piräus, den ersten Gruppengegner (20.45 Uhr, ZDF und Sky).

Der letzte Fehlstart liegt 13 Jahre zurück

Heiß soll es werden – so oder so. Kapitän Philipp Lahm, leicht verschnupft, ist informiert. Und sprach im Raum „Aphrodite“ des Mannschaftshotels „InterContinental Athenaeum“ in der Avenue Syngrou von „großer Vorfreude“.

Lahm: „Jetzt fällt der Startschuss, es geht richtig los. Wir wollen gleich die ersten drei Punkte einfahren. Wir sind bei 100 Prozent, die Frage ist nur, ob wir sie abrufen können. Am Sonnabend war das nicht so.“ Die Münchner duselten sich zu einem 2:1 gegen Augsburg. Lahm: „Wenn wir unsere Leistung über 90 Minuten bringen, wird es nur einen Sieger geben: uns!“

Droht ein Ausrutscher zu Beginn? Bei einem Start in die Gruppe erwischte es sie zuletzt 2002 beim 2:3 gegen Deportivo La Coruna. Danach folgten elf Auftaktsiege hintereinander, neun davon sogar zu Null. „Wir wissen, wie schwierig es ist, diesen Titel zu gewinnen“, meinte Lahm, „die Mannschaft hat die Qualität.

Guardiolas dritter Versuch, mit Bayern den Titel zu holen

Die erste Hürde aber ist die Gruppenphase. Es ist auch nicht einfach, da einfach durchzumarschieren.“ Für Pep Guardiola wird es der dritte – und nach Lage der Dinge wohl auch letzte Versuch, die Champions League mit den Bayern zu gewinnen.

Über das Vertragsende des Trainers 2016 wird in München kaum noch gesprochen, die Debatte liegt auf Eis. Ebenso die Gespräche? 2014 scheiterte er im Halbfinale an Real Madrid (ausgerechnet), 2015 am FC Barcelona (ausgerechnet).

„Es ist ein langer Weg in der Champions League, alle Teams sind stark“, sagte der Spanier in Athen, „ich erwarte das Beste von uns.“ Auf die Frage nach dem dritten Anlauf meinte er: „Ich weiß nicht, ob wir es schaffen. Wir werden es nochmal probieren. Hier erfolgt der erste Schritt.“

Es ist ein Hochrisikospiel. Wegen der berüchtigten Olympiakos-Fans. Das Karaiskakis-Stadion ist mit 33.269 Zuschauern ausverkauft, die günstigsten Tickets kosteten 30 Euro (bis zu 200 Euro).

Bayern-Fans bekommen Polizeischutz

Die Fans des Rekordmeisters haben einen schlechten Ruf. In der griechischen Liga sind Ausschreitungen an der Tagesordnung. Die 1700 Bayern-Fans werden auf Anraten der örtlichen Behörden „aus Sicherheitsgründen“ per kostenlosem Bustransfer und unter Polizeischutz von einer Sammelstelle in der Innenstadt nach Piräus gebracht.

Die Bayern-Bosse warnten ihre Stars. Am Münchner Flughafen sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge: „Es gab ein paar große Mannschaften, die in der Vergangenheit in Piräus ihr blaues Wunder erlebt haben. Wir wollen das verhindern und idealerweise mit einem Sieg starten.“ Was er meinte: Die Griechen haben ihre letzten sechs Heimspiele in der Champions League gewonnen, unter anderem gegen Atlético Madrid, Juventus Turin und Manchester United. 2002 hat es Leverkusen mit 2:6 erwischt.

13 Spieler warten noch auf den Gewinn der Königsklasse

Allerdings dürfte die aktuelle Mannschaft von Olympiakos keine große Hürde für die Bayern sein – ob mit oder ohne Mario Götze, dessen Einsatz fraglich ist. Wird es der Auftakt zu einer glorreichen Europa-Tournee?

13 von 27 Spielern des Kaders haben die Champions League noch nicht gewonnen. Der Kern um Lahm, Torhüter Manuel Neuer, Abwehrchef Jérôme Boateng und Torjäger Thomas Müller siegte 2013 in Wembley 2:1 gegen Borussia Dortmund, Thiago holte 2011 den Titel mit dem FC Barcelona.

Xabi Alonso, 33, könnte Historisches schaffen. Der Spanier gewann mit dem FC Liverpool (2005) und mit Real Madrid (2014) den Henkelpott und hat nun nach Clarence Seedorf die Chance, der zweite Spieler der Historie werden könnte, der mit drei Vereinen triumphiert:

„Natürlich ist die Champions League das große Ziel von uns allen“, sagte er im „Merkur“, „ich würde lügen, wenn ich verneinen würde, dass es mich reizt, Geschichte zu schreiben. Und die Chance ist bei Bayern schon sehr groß.“