Wasserspringen

Die Berlinerin Elena Wassen – Ein Küken lernt fliegen

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Klaus Weise

Foto: Amin Akhtar

Die junge Wasserspringerin vom Berliner TSC feierte ihr Debüt bei der Europameisterschaft in Rostock. Allerdings ohne ihre Schwester.

Am Dienstag hat mit dem Teamwettbewerb in der Rostocker Neptunhalle die Europameisterschaft im Wasserspringen begonnen. Für Deutschland gingen dabei zwei Berliner an den Start – Maria Kurjo und Patrick Hausding. Die beiden erfahrenen Top-Athleten sind zwei von sechs Springerinnen und Springer des Berliner TSC, die im 13-köpfigen deutschen Aufgebot stehen. Auch die 14 Jahre alte Elena Wassen gehört dazu. Das „Küken“ der Mannschaft erlebt am Mittwoch ihr EM-Debüt bei den „Großen“ mit dem Einzelstart vom Turm.

Eigentlich wäre auch die knapp zwei Jahre ältere Schwester Christina dabei gewesen, die für den Synchron-Start mit Tina Punzel vorgesehen war, aber wegen einer Ellenbogenverletzung musste sie nach Berlin zurückreisen, dort wird sie operiert. „Tina fehlt mir“, sagt „Elli“, die auch ein paar Beschwerden (Knie) hat, aber unbedingt das Finale in ihrer Disziplin erreichen will. Sie verspricht: „Ich werde mich durchbeißen.“

Elena gilt als großes Talent, Chefbundestrainer Lutz Buschkow lobt: „Sie kann sehr gut tauchen und besitzt eine intakte Psyche.“ Heimtrainerin Anne-Kathrin Hoffmann verweist auf „Willensstärke und gute koordinative Voraussetzungen“.

Von Aachen nach Berlin

Sie hat das Geschwisterpaar schon in der Heimat in Aachen betreut, wo die beiden schon als vierjährige Knirpse mit dem Springen begannen. „Am Anfang war das alles noch mehr oder weniger reiner Spaß, dann ist daraus zwei-, dreimal in der Woche Training geworden. Ab der zweiten, dritten Klasse dann richtiges zielorientiertes, harten Üben, das manchmal nicht mehr so lustig war“, erzählt Elena.

Als Aachen den Stützpunkt-Status im Verband verlor, die beiden Schwestern ihren Ehrgeiz aber nicht, wechselten sie samt Trainerin nach Berlin und sind dort seit nunmehr fast drei Jahren zu Hause. Drei Jahre, in denen es Erfolge hagelte. Auf Elenas Website ist nachzulesen: Junioren-WM 2x6., Junioren-EM 2x2., Deutsche Meisterschaften 5x1., 6x2., 1x3., 1x4., 2x5., Deutsche Jugendmeisterschaften: 29x1. In Berlin fühlt sich sich „sauwohl“, obwohl sie wegen Schule und Training „kaum was mitkriegt von den Ablenkungen der Großstadt“.

Das große Ziel sind die Olympischen Spiele 2016 in Rio

Allein die Atmosphäre sei aber „schon was ganz anderes als in meinem kleinen Heimatort Baesweiler bei Aachen“. Dort hatten die beiden erfolgreichen Springerinnen, sogar schon Empfänge im Rathaus bei Bürgermeister Willi Linkens, der launig sagte: „Wenn ihr weiter so gut seid, müssten wir glatt überlegen, ob wir unser Schwimmbad umbauen. Das Dach anheben und dann einen Zehn-Meter-Sprungturm rein.“

In Berlin besuchen die beiden Schwestern die Sportschule, bewohnen im Internat gemeinsam ein Zimmer. In Rostock wird der Vater Elena von der Tribüne aus unterstützen, die Mutter fährt nach Berlin, um sich um Christina zu kümmern. Wohin ihr Weg gehen soll, ist für Elena ganz klar: „Es wäre das Größte, bei den Olympische Spielen in Rio de Janeiro zu starten.“ Sie selbst bezeichnet sich als „eher ruhigen Typ“, aber sie will alles „in vollen Zügen genießen“. Getreu ihrem selbst gewählten Motto: Man lebt nur einmal.