Ein Kulttrainer geht

Jürgen Klopp – „Eine absolut richtige Entscheidung“

Der Erfolgstrainer verlässt nach sieben Jahren Borussia Dortmund. Watzke – „Das hat mich sehr angefasst.“ Klopp – „Plane kein Sabbatical.“ Keine Nachfragen zu einem möglichen Nachfolger erlaubt.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Erfolgstrainer Jürgen Klopp verlässt Borussia Dortmund nach sieben Jahren zum Saisonende. Dies teilte der börsennotierte Fußball-Bundesligist am Mittwoch in einer Ad-hoc-Mitteilung mit. Der Verein habe der Bitte des 47-Jährigen nach einer Auflösung des bis 2018 gültigen Vertrages entsprochen.

„Wir haben einige Gespräche geführt und dabei die gemeinsame Entscheidung getroffen, dass der Weg, den wir sieben Jahre lang mit unglaublichem Erfolg gegangen sind, am Saisonende zu Ende geht. Das hat mich und Jürgen sehr angefasst“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in einer Pressekonferenz sichtlich gerührt.

Der Coach könne sicher sein, „dass dir der ewige Dank aller Borussen zuteilwird“, sagte Watzke. „Das einzige, was mich in diesen Momenten ein Stück weit tröstet, ist, dass unsere Freundschaft mit Sicherheit bestehen wird.“ Die Gespräche über die Trennung hätten auf Initiative von Klopp stattgefunden.

In sehr persönlichen Worten wandte sich BVB-Sportdirektor Michael Zorc an Klopp: „Wir haben die letzten sieben Jahre ein modernes Fußball-Märchen geschrieben. Du hast diesen Club, aber auch mir persönlich viel Energie und Optimismus mitgegeben. Ich glaube, alle BVB-Mitarbeiter und unsere Mannschaft sollten dir den Abschied bereiten, der diesen sieben Jahren gerecht wird. Es war eine wunderbare Zeit der Zusammenarbeit.“

Und was sagte Jürgen Klopp? „Ich habe immer gesagt, in dem Moment, wo ich das Gefühl habe, dass ich nicht mehr der perfekte Trainer für diesen außergewöhnlichen Verein bin, würde ich das sagen“, erklärte er und betonte: „Es hat nichts mit der aktuellen sportlichen Situation zu tun.“

„Habe keinen Arbeitgeber in der Hinterhand“

Trainer Jürgen Klopp hält seinen Abschied beim Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund zum Saisonende für eine „absolut richtige Entscheidung“. Der Coach erklärte, er habe zuletzt nicht mehr das Gefühl gehabt, der perfekte Trainer für den Fußball-Bundesligisten zu sein. „Man ist Profi und muss so eine Entscheidung treffen“, sagte Klopp.

Er hat für die Zeit nach seinem Abschied als Trainer beim Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund noch keine konkreten Pläne. „Ich habe nicht geplant, ein Sabbatical zu machen, aber im Trainerjob kann es sein, dass ich es machen muss“, sagte der Coach am Mittwoch. Einen neuen Arbeitgeber habe er nicht in der Hinterhand, versicherte Klopp. „Es ist nichts strukturiert, es ist nichts geplant, nichts taktiert“, sagte der Trainer.

Jürgen Klopp hat Borussia Dortmund aus dem Abstiegskampf ins Champions-League-Finale geführt, er hat eine Ära geprägt und einen spektakulären Überfall-Fußball gepredigt – doch im verflixten siebten Jahr ist der Power-Trainer ausgelaugt.

Thomas Tuchel (41) soll Klopp (47) beerben, angeblich liegt dem langjährigen Trainer des FSV Mainz 05 ein unterschriftsreifer Vierjahresvertrag mit einem Gehaltsvolumen von bis zu 20 Millionen Euro vor. Das berichtet die „Bild“-Zeitung.

Tuchel, der sich bis zum Saisonende eine Auszeit genommen hat, war bis zuletzt auch beim abstiegsbedrohten Hamburger SV im Gespräch. Die Norddeutschen präsentierten aber am Mittwoch Bruno Labbadia als neuen Trainer. Damit könnte es ähnlich wie einst in Mainz laufen. Ein Jahr nach dem Weggang von Klopp übernahm Tuchel 2009 dort den Cheftrainerposten.

Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund setzt bei der Suche eines Nachfolgers für Trainer Jürgen Klopp auf das Motto „Sicherheit vor Schnelligkeit“. Das sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am Mittwoch. „Die Tatsache, dass wir nichts über einen möglichen Nachfolger sagen wollen, impliziert auch den Zeitraum.“ Zuvor hatte Pressesprecher Sascha Fligge erklärt, dass man keine Fragen über die Nachfolge beantworten werde. Das gebiete „der Respekt vor diesem großartigen Trainer“..

Zwei Meisterschaften und ein Pokalsieg

Unter Klopp erlebte der BVB eine seiner erfolgreichsten Zeiten in der Bundesliga. Seit 2008 ist der 47-Jährige bei den Westfalen im Amt. Zwei Meisterschaften (2011, 2012) und einen Pokalsieg (2012) gewannen die Dortmunder seitdem unter Klopp.

Außerdem erreichte der BVB 2013 das gegen Bayern München verlorene Champions-League-Finale. Insgesamt führte Klopp den Verein viermal in Serie in die Königsklasse. In dieser Saison haben die Dortmunder nur noch Chancen auf den DFB-Pokal, müssen aber im Halbfinale beim FC Bayern ran.

Als Klopp im Sommer 2008 beim BVB seinen Job antrat, hatte der Coach „Vollgas-Veranstaltungen“ versprochen und trotz anfangs schwieriger finanzieller Verhältnisse in Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc einen Umbruch eingeleitet.

2011 feierten Klopp und der BVB den ersten gemeinsamen Meistertitel. Der Schwabe wurde als Vater dieses Erfolgs gefeiert. Spätestens seit jenem Jahr hat Klopp in Dortmund Kultstatus. Zorc schwärmte einst, der Coach sei sein „bisher bester Transfer als Manager“ gewesen.

Unter Klopp schafften Profis wie Mats Hummels, Mario Götze, Sven Bender, Kevin Großkreutz oder Marcel Schmelzer den Sprung in die Nationalmannschaft, der Gesamtwert des Teams wuchs beträchtlich. Die Klopp-Auswahl dominierte zwischenzeitlich die Liga, Laufintensität, enorme taktische Disziplin und unbekümmerte Angriffsaktionen prägten diese Ära.

Keine Diskussion um den Trainer

Als angesichts der sportlich ausbleibenden Erfolge in dieser Saison im BVB-Umfeld erstmals größere Zweifel an Klopp aufkamen, wiegelten Watzke und Zorc immer wieder ab. Beide ließen keine Diskussionen um Klopp aufkommen, von dem es immer wieder hieß, nur er selbst könne seine Amstzeit bei den Schwarz-Gelben beenden.

Bislang bestritten die BVB-Profis unter Klopp 270 Pflichtspiele, die mit 159 Siegen, 54 Niederlagen und 57 Unentschieden endeten. „Dieser Verein passt gut zu mir“, hat Klopp bei seinem Wirken in Dortmund häufig betont. Und immer wieder schwärmte er von der harmonischen Zusammenarbeit mit Watzke und Zorc.

In der laufenden Saison scheint es aber, als habe Klopp sich abgenutzt. Die Mannschaft pflegte nicht mehr den begeisternden Stil der Vorjahre, oder sie rannte der alten Idee erfolglos hinterher. Leistungsträger wie Mats Hummels und Roman Weidenfeller schwächelten, Neueinkäufe waren Fehlschläge wie der italienische Torschützenkönig Ciro Immobile oder Adrian Ramos.

Wortgefecht mit Kehl

Der BVB implodierte, er stürzte in der Hinrunde völlig unerwartet in den Abstiegskampf. Der Rivale Bayern München war nicht mal mehr mit dem Fernglas zu erkennen – doch Dortmund, Meister von 2011 und 2012, hatte immer noch genügend Qualität im Kader, um die Saison halbwegs ruhig und ohne Abstiegssorgen zu Ende zu bringen.

Klopp jedoch wirkte entzaubert, angegriffen, bisweilen sogar ratlos. Beim 1:3 bei Borussia Mönchengladbach am Sonnabend lieferte er sich ein heftiges Wortgefecht mit Routinier Sebastian Kehl, das große Beachtung fand und als Indiz für Risse in der BVB-Welt gedeutet wurde.

Überhaupt dürften die sieben Jahre in Dortmund enorm viel Kraft gekostet haben. Jürgen Klopp, der große Motivator, stand unter Dauerstrom, er trieb seine Spieler mit allerhöchstem Einsatz an deren Leistungslimit, und, so schien es, manches Mal noch darüber hinaus. Auch er selbst übertrat wiederholt Grenzen. „Er ist respektlos und wahnsinnig“, schrieb die italienische Zeitung „Corriere dello Sport“ 2013 nach einem legendären Ausraster des Trainers während des Champions-League-Spiels beim SSC Neapel.

Emotionaler Abschied erwartet

Allerdings hatte dies zunächst keinen negativen Einfluss auf das Sportliche. Der Erfolg führte aber dazu, dass sich zweimal der FC Bayern schmerzhaft bediente – Mario Götze und Robert Lewandowski wurden nie adäquat ersetzt.

Am 23. Mai gegen Werder Bremen, am 34. Spieltag seiner siebten Saison, wird Klopp voraussichtlich sehr emotional Abschied von seiner Herzensangelegenheit BVB nehmen. Für die Fans auf der gigantischen Südtribüne ist er eine Ikone – es ist keineswegs übertrieben, zu sagen, dass er eine der wichtigsten Figuren der Vereinsgeschichte ist. „Echte Liebe“ eben.

Nun aber ist offensichtlich Schluss. Wahrscheinlich wird Klopp ein „Sabbatjahr“ einlegen. Zu sehr ist er mit dem BVB verschmolzen, zu sehr hat er sich anscheinend verausgabt, um sofort woanders Wirkung erzielen zu können.

Tuchel dagegen kommt gerade aus einem Sabbatjahr, er erscheint als ehemaliger Trainer des FSV Mainz 05 – wie Klopp – die logische Wahl. Er ist ein ähnlicher Typ, laut bissig, motivierend.

Klopp wird Tuchel wohl in einer anderen „Funktion“ beerben: Die Frage „Was macht Tuchel?“ wird wohl in den kommenden Monaten lauten: „Was macht Klopp?“

Aktie stürzt ab

Der Abgang von Erfolgstrainer Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund zum Saisonende schmerzte am Dienstag auch die Aktienhändler. Das Wertpapier des Fußball-Bundesligisten sank am Mittag unmittelbar nach den ersten Medienberichten über Klopps Wunsch einer Vertragsauflösung von 3,57 auf 3,42 Euro. Gestartet war die BVB-Aktie am Dienstag mit 3,60 Euro.

Die Borussen waren 2000 als erster deutscher Verein an die Börse gegangen. Der Ausgabekurs der Aktie vor 15 Jahren lag bei 11,00 Euro, wurde seither aber nie wieder erreicht. Im Zusammenhang mit den Finanzproblemen der Schwarz-Gelben vor zehn Jahren war der Aktienkurs zwischenzeitlich sogar unter die Grenze von 1,00 Euro gefallen und damit zu einem sogenannten „Penny Stock“ verkommen.

Durch die wirtschaftliche Erholung des Klubs in der Folgezeit kletterte die Aktie jedoch wieder und erreichte vorübergehend wieder einen Wert von jenseits der 5,00-Euro-Marke.