Volleyball

Köpenicker SC steigt ab, glaubt aber an den Klassenerhalt

Der Köpenicker SC hat es nicht geschafft: Ein 0:3 gegen Hamburg besiegelte den Abstieg aus der Bundesliga. Auch finanziell hat der Klub sich nicht qualifiziert.

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Im dritten Satz schöpften die Fans noch einmal Hoffnung. Gegen Aurubis Hamburg hatten die Volleyballerinnen des Köpenicker SC die ersten Sätze verloren, doch im dritten Spielabschnitt war das Team ebenbürtig. Es kämpfte ums Überleben und schien das Unmögliche möglich machen zu können: das Spiel zu drehen und zu gewinnen oder zumindest mit einer 2:3-Niederlage einen Punkt zu sichern, der vermeintlich für den Klassenerhalt gereicht hätte. Am Ende behielt Hamburg mit 3:0 (25:20, 25:20, 28:26) die Oberhand – der KSC war abgestiegen.

Vereinsführung war informiert

Was niemand ahnte: Selbst ein Sieg hätte nicht geholfen. Die Entscheidung über den Abstieg fiel nicht in der Sporthalle, sondern am grünen Tisch. Der Lizenzierungsausschuss der Volleyball-Bundesliga zog dem KSC nachträglich sechs Punkte ab, weil es der Klub nicht geschafft hatte, die Wirtschaftlichkeit bis zum Saisonende lückenlos nachzuweisen. Um 21 Uhr, just in dem Moment, als Hamburg den Matchball verwandelte, lief die Widerspruchsfrist Köpenicks ab, so dass der Punktabzug rechtskräftig wurde. Die Vereinsführung war darüber im Vorfeld informiert worden, gab die Information aber erst nach Spielende weiter. „Wir wollten den Mädels die Chance geben, es zumindest sportlich zu schaffen“, erklärt Teammanager Sven Dröger.

Dass der KSC finanziell auf wackligen Beinen steht, war bekannt. Vor Saisonbeginn hatte der Klub lange überlegt, ob er eine weitere Spielzeit im Oberhaus wagen sollte. Im Verlauf der Saison taten sich Lücken im Etat auf, weil fest eingeplante Gelder wegbrachen. Besonders schlimm traf die Köpenicker im Dezember die Nachricht, dass sie vorerst kein Geld aus Lottomitteln bekommen würden. Dröger beziffert den Fehlbetrag insgesamt auf „eine Summe im unteren sechsstelligen Bereich“ – bei einem Gesamtetat von geschätzt 450.000 Euro sehr viel. Zu viel.

Drei Leistungsträgerinnen haben den Verein verlassen

Die prekäre Finanzlage führte zu einer Spielerflucht: Kapitänin Mona Elwassimy, die Tschechin Leona Neumannova und Ex-Nationalspielerin Nadja Schaus gingen. Ersetzt wurden sie durch Talente, die in der Liga häufig an Grenzen stießen. Von den letzten sechs Spielen gewann der KSC nur eines, gegen das Nachwuchsteam des VC Olympia. In den anderen fünf Partien gewann die Mannschaft keinen Satz. Mit Julia Hero und Pia Riedel verletzten sich zwei wichtige Spielerinnen. Dann trennte sich der Klub auch noch von Trainer Benedikt Frank, sein Assistent Björn Matthes übernahm. „Man kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat in dieser schwierigen Situation alles versucht“, sagt Matthes.

Eine kleine Chance gibt es, dass der KSC trotz Abstiegs auch 2015/16 in der Bundesliga spielt – weil von den Zweitligisten bislang nur Straubing signalisiert hat, den Schritt in die erste Liga wagen zu wollen. Köpenick könnte eine Wildcard angeboten bekommen. Manager Dröger glaubt fest daran. „Die Liga will uns“, sagt er. Voraussetzung ist allerdings, dass der Köpenicker SC seine Hausaufgaben macht und den Etat auf sichere Beine stellt. Andernfalls könnte der Klub noch rückwirkend die Lizenz entzogen bekommen. Damit wäre eine Rückkehr ins Oberhaus drei Jahre lang nicht möglich.