Volleyball-Bundesliga

Dem Köpenicker SC rennen die Spielerinnen weg

Ein Grund für die Spielerflucht ist die schwierige finanzielle Lage des KSC. Dennoch hofft der Frauen-Bundesligist auf das Erreichen des Play-off.

Foto: C. Kurth / pa/nordphoto

In der Seefahrt ist es ein ehernes Gesetz: Der Kapitän geht als Letzter von Bord. Bei den Volleyballerinnen des Köpenicker SC jedoch war Kapitänin Mona Elwassimy Anfang des Monats die Erste, die den Verein verließ, um beim Ligakonkurrent Rote Raben Vilsbiburg anzuheuern. Es folgten die Tschechin Leona Neumannová (zu Zweitligist Straubing) und Ex-Nationalspielerin Nadja Schaus, die einen Vertrag beim SC Potsdam unterzeichnete, wo ihr Freund als Cotrainer tätig ist. Dem KSC liefen plötzlich die Spielerinnen davon, Mittelblockerin Julia Hero fällt mit Kreuzbandriss bis Saisonende aus. „Die Situation ist dadurch nicht einfacher geworden“, meint Trainer Benedikt Frank. „Der Plan, den wir vor Saisonbeginn für die Mannschaft hatten, wurde völlig über den Haufen geworfen.“

Ein Grund für die Spielerflucht ist die angespannte finanzielle Lage beim Köpenicker SC. Vor Saisonstart war lange fraglich gewesen, ob der KSC überhaupt eine weitere Spielzeit im Oberhaus in Angriff nehmen würde. „Es geht uns nicht gut, da gibt es nichts zu beschönigen“, sagt Teammanager Sven Dröger. Man müsse um jeden Euro kämpfen, werde die Saison aber auf jeden Fall zu Ende spielen und auch für 2015/16 wieder eine Mannschaft für die Bundesliga melden, so Dröger.

Das Team rückt jetzt noch enger zusammen

Hinzu kam noch, dass sich die drei Spielerinnen in Berlin nicht mehr wohl fühlten. Leona Neumannová war unzufrieden mit ihrer Einsatzzeit und auch Nadja Schaus spielte nie die tragende Rolle, die man sich von ihr erhofft hatte. Mona Elwassimy wiederum zog es zurück in die süddeutsche Heimat, wo sie bereits den Großteil ihrer Volleyballkarriere verbracht hatte. „Wir standen vor der Entscheidung, ob wir sie ziehen lassen oder auf ihren Vertrag pochen, auf die Gefahr hin, dass wir dann jemanden in der Mannschaft haben, dessen Herz nicht mehr zu 100 Prozent für Köpenick schlägt“, sagt Sven Dröger.

Der Verein entschied sich für Ersteres. Gleichzeitig wurden zwei neue Spielerinnen verpflichtet, um den dezimierten Kader wieder aufzustocken. Junioren-Nationalspielerin Sophie Schubert vom VC Olympia Berlin hatte schon seit längerem beim KSC mittrainiert, nun erhielt die 17-jährige Außenangreiferin offiziell einen Vertrag für die Bundesliga. Fast doppelt so alt ist die neue Zuspielerin Kristina Bognar. Die 31-Jährige hat viele Jahre Bundesliga gespielt, war zuletzt jedoch zwei Jahre inaktiv. Weil sie beruflich eingespannt ist und zudem einen 16 Monate alten Sohn zuhause hat, kann sie lediglich zweimal pro Woche mit der Mannschaft trainieren. Zum Auswärtsspiel am Mittwoch in Aachen, das 0:3 (11:25, 23:25, 19:25) verloren ging, fuhr Bognar erst gar nicht mit.

Sonnabend gegen Meister Dresden

Beim Heimspiel am Sonnabend gegen den amtierenden Meister Dresdner SC (18 Uhr, Sporthalle Hämmerlingstraße) ist die gebürtige Ungarin wieder mit von der Partie. Im Hinspiel hatte der KSC den ungeschlagenen Tabellenführer am Rande einer Niederlage, verlor nur knapp mit 2:3. Mit den eigenen Fans im Rücken hofft man nun auf die Sensation. So wie vor einer Woche, als die Berlinerinnen den Tabellenvierten aus Wiesbaden mit 3:1 bezwingen konnte und damit einen großen Schritt in Richtung Pre-Playoff machten. „Die Mannschaft hat nach den turbulenten Wochen die richtige Reaktion gezeigt“, sagt Trainer Benedikt Frank. Die angespannte Situation habe das Team noch enger zusammengeschweißt, berichtet der Coach. Ganz besonders freut er sich über die Entwicklung von Zuspielerin Ann-Marie Knauf, die ins kalte Bundesliga-Wasser geworfen wurde und anstelle von Mona Elwassimy in die Startformation gerückt ist. „Fast scheint es, als habe sie die ganze Zeit nur auf diesen Moment gewartet“, sagt Frank.

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