Pferdesport

Kampf um die Züchter-Krone auf schottischem Granit

Europas Traber-Elite startet am Wochenende bei der Breeders Crown auf der neuen, schnellen Bahn in Mariendorf. Es ist einer der sportlichen Höhepunkte des Berliner Rennjahres.

Foto: Soeren Stache / pa/Stache

Breeders Crown, Krone der Züchter, nach dem Derby der zweite absolute sportliche Höhepunkt eines Rennjahres auf der Trabrennbahn Mariendorf. Es geht am kommenden Wochenende um satte 460.000 Euro an Preisgeld und Prämien. Doch auch wenn alle Top-Fahrer und Besitzer ein Auge auf den fetten Preisgeldtopf werfen müssen, bei der Breeders Crown geht es auch ums Ego. Zuchterfolge, die Arbeit von Jahren, wenn auch dokumentiert durch schnelle Runden, stehlen der unbestechlichen Uhr und den gelaufenen Kilometerzeiten für einmal die Show.

460.000 Euro Preisgeld

„Ein Sieg bei der Breeders Crown gehört den Besitzern, den Trainern, den Mitarbeitern der Rennställe und Gestüte, ohne die unser Sport nicht denkbar ist. Dann kommt erst der Fahrer.“ Heinz Wewering fällt es mittlerweile leicht, Erfolge zu teilen. Beinahe 17.000 Mal konnte der 64-jährige Weltrekordler bislang gewinnen. Unter anderem 2013 mit Shoemaker auch den Berliner Breeders-Crown-Lauf für dreijährige Hengste. „Es ist ja nicht die Regel, dass man an einem Wochenende derart viele Top-Pferde auf einer Bahn sehen kann. Viele kennt man als Fahrer schon seit Jahren, sieht, wie sie sich entwickelt haben“, hält Wewering mit „einer Portion Neugier“ nicht hinterm Berg.

Ein bisschen Weweringscher Neugier gilt sicher auch dem Franzosen Jean-Pierre Dubois. Der mittlerweile 74-jährige Franzose ist in seiner Heimat ein Idol in der Trabrenn-Gemeinde. Dubois triumphierte gemeinsam mit seinen Söhnen Jean-Etienne und Jean-Philippe bereits vier Mal beim Prix d’Amerique, dem wichtigsten Trabrennen der Welt. Er ist zugleich das Oberhaupt der Züchter-Dynastie. Die vom ihm für den Sonntag gemeldete zweijährige Stute Beltaine ist Debütantin.

„Dubois Senior ist eine Legende. Dass er kommt, spricht für die Qualität unseres Angebots und die der Starterfelder am Wochenende“, freut sich Bahn-Geschäftsführer Andreas Haase. Dass Dubois noch selbst im Sulky sitzt, ist seiner Hartnäckigkeit zu verdanken. Er begann mit dem französischen Verband vor vier Jahren eine juristische Auseinandersetzung, als dieser ihm – wegen des Erreichens der Altersgrenze von 70 Jahren – die weitere Teilnahme an Rennen verwehren wollte. Mit dem Versprechen, sich jedes Jahr einer Gesundheitsprüfung zu unterziehen, endete das juristisch-sportliche Tauziehen zu Gunsten des Routiniers. Dubois hatte unter anderem in Aussicht gestellt, seinen Stall zu verlegen.

Premierensieg für Nimczyk

Besonders erfreulich: Europas Fahrerelite und die besten Pferde präsentieren sich auf renoviertem Geläuf. Dafür gilt vor allem Bahneigentümer Ulrich Mommert großer Respekt, denn der Berliner Unternehmer hat weitgehend die „Finanzen“ gestemmt. In den vergangenen Wochen wurden rund 8700 Tonnen Spezialbelag auf der 1900-m-Rennpiste verteilt. Die oberen Schichten bestehen größtenteils aus Granit, der zuvor in den schottischen Steinbrüchen von Glensanda und Oban gebrochen und dort auch gemahlen wurde.

Den ersten Sieg bei der Generalprobe sicherte sich am 26. Oktober der Deutsche Meister Michael Nimczyk. Er gewann mit dem Hengst King of the World die mit 25.000 Euro dotierte Gold-Trophy. „Die Bahn ist in einem ausgesprochen guten Zustand. Sie ist schnell und verspricht in Zukunft viele gute Rennen“, so der 28-Jährige aus Willich. Die erzielte Kilometerzeit von 1:13,6 Minuten unterstreicht das.

Entschieden wird die Breeders Crown in acht Kategorien. Es starten zweijährige, dreijährige und vierjährige Pferde – und es starten die fünf- bis siebenjährigen. Alle Altersklassen getrennt nach Stuten und Hengsten. Insgesamt stehen am Sonnabend (17.30 Uhr) und Sonntag (13.30 Uhr) 24 Rennen mit mehr als 200 Pferden auf dem Programm.