Tischtennis

Top-Talent Petrissa Solja will den Durchbruch in Berlin

Die 20 Jahre alte Petrissa Solja ist zweifache Tischtennis-Jugend-Europameisterin, schon mit 14 Jahren war sie Bundesligaspielerin. Nun startet sie für den TTC Eastside Berlin in die neue Saison.

Foto: Eibner-Pressefoto / pa

Schon als Kind, erinnert sich Petrissa Solja, war sie oft im Wohnmobil unterwegs. Manchmal mit der Familie zum Camping in Italien. Aber viel häufiger auf dem Weg zu Turnieren. Sie und ihre Eltern, Pavel und Dagmar Solja-Andruszko, sowie ihre Schwestern Susanne, 28, und Amelie, 23, sind eine ziemlich verrückte Familie. Tischtennis-Nerds quasi.

Der Vater war früher immerhin Pfalzmeister, die Mutter Bundesligaspielerin. Amelie Solja wurde 2008 WM-Dritte im Mädcheneinzel und war 2012 bei den Olympischen Spielen in London dabei. Susanne spielte in der Zweiten Liga.

Aber das Küken, die gerade 20-jährige Petrissa, ist das größte Talent von allen. Zweimal wurde sie Jugend-Europameisterin, schon als 14-Jährige war sie Bundesligaspielerin. „Petrissa“, glaubt Irina Palina, „ist bei den Juniorinnen eine der Besten der Welt.“

„Wir wollen alle drei Titel noch einmal gewinnen“

Palina ist die Trainerin des TTC Eastside Berlin, der in der Vorsaison das Triple in der Champions League, Bundesliga und im Pokal geholt hat. Solja wurde verpflichtet, um die erfolgreiche Mannschaft zu verjüngen und zugleich dauerhaft zu verstärken. Am Freitag (19.30 Uhr, Paul-Heyse-Straße) beim internationalen Saisonstart gegen Postas Budapest, spätestens aber am Sonntag (14 Uhr, Saefkow-Halle) im ersten Bundesligaspiel gegen Böblingen, soll sie ihr Debüt geben. Ist denn so etwas wie im Vorjahr überhaupt noch einmal möglich? Ja, glaubt die junge Frau, „wir wollen alle drei Titel noch einmal gewinnen“.

Es geht immer drauflos bei der angriffslustigen Linkshänderin, die wie ihre Schwestern von klein auf vom Vater trainiert wurde. Eastside-Präsident Alexander Teichmann hat sie das erste Mal 2008 bei einer Bundesligapartie in Saarlouis erlebt. Da trat sie gegen die Deutsche Meisterin Tanja Hain-Hofmann aus Berlin an, „und die hat sie dermaßen auseinander genommen“, dass er sich ihren Namen gleich mal notiert hat. Für später. Nun ist es so weit.

Deutsche Nationalspielerin ist Petrissa Solja inzwischen, mit Sabine Winter wurde sie 2013 Europameisterin im Doppel. Dabei wäre sie fast Schwester Amelie gefolgt, die für Österreich startet. Die Soljas kamen nicht klar mit dem damaligen Bundestrainer, und so trat auch Petrissa die Flucht ins Nachbarland an. Die damals 18-Jährige wechselte zur Linz AG Froschberg, gewann auf Anhieb die Champions League. „Der Gedanke, es wie Amelie zu machen, war schon da“, sagt sie. Doch dann wurde Jie Schöpp Bundestrainerin, und seitdem gibt es keine Probleme mehr. An der Seite von Xiaona Shan, ebenfalls vom TTC Eastside, soll sie sogar auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio getrimmt werden.

Die Top 20 als Ziel

Ihre höchste Platzierung in der Weltrangliste war Position 36, ihr Ziel sind die Top 20, „vorerst“, ergänzt Solja. Auch vor den starken Asiatinnen hat sie keine Angst. „Die Chinesinnen zu besiegen, schafft eigentlich keiner“, sagt sie, „aber in meiner Altersklasse habe ich sie schon geschlagen. Und auch die Japanerinnen und Koreanerinnen sind alle schlagbar.“

Doch das geht nur mit viel Talent und harter Arbeit. Sechs Stunden am Tag spielt sie Tischtennis, dazu kommt das Athletik-Training. Fast immer stehen Turniere oder Spiele mit dem Verein an, viele Reisen. Bis Weihnachten hat sie nur ein einziges freies Wochenende. Was sie dann machen wird, weiß sie schon: mit dem Wohnmobil losfahren. Im Januar hat sie sich ihr erstes eigenes gekauft. „Sechs Meter lang“, sagt sie. Inzwischen sitzt Petrissa Solja selbst am Steuer.