Boxen

Weltmeister Arthur Abraham träumt vom Jackpot

Der Berliner Boxer Arthur Abraham will am Abend seinen Titel im Supermittelgewicht gegen den Serben Sjekloca im Velodrom verteidigen. Ein Kampf gegen Felix Sturm wäre jedoch für ihn der „Jackpot“.

Foto: imago / imago/Ed Gar

Nur neun Wochen nach seinem WM-Sieg gegen Robert Stieglitz verteidigt Supermittelgewichts-Weltmeister Arthur Abraham an diesem Sonnabend im Velodrom (22.55 Uhr, ARD) seinen Titel.

Im Interview spricht der 34 Jahre alte Berliner unter anderem über seine Ziele, seine Wunschgegner, sein besonderes Verhältnis zu Boxtrainer Ulli Wegner und warum er seinen Gegner ernst nimmt.

Berliner Morgenpost: Herr Abraham, haben Sie Angst vor der Zukunft?

Arthur Abraham: Warum sollte ich Angst haben?

Der TV-Vertrag mit der ARD läuft aus. Ihrem Arbeitgeber werden Millionen fehlen.

Ich mache mir keine Sorgen, denn erstens läuft bis zum Jahresende alles wie bisher. Zweitens glaube ich, dass Manager Sauerland und die ARD eine neue Form der Zusammenarbeit finden werden. Beide haben doch gut profitiert in den vielen Jahren. Es kann ja auch sein, dass wir in Zukunft von verschiedenen Fernsehsendern übertragen werden.

Am Sonnabend boxen Sie gegen Nikola Sjekloca. Wie schätzen Sie den Serben ein. Ist er eher ein zweitklassiger Gegner?

Wenn ich so denken würde, würde ich verlieren. Natürlich bin ich Favorit. Aber das war ich schon oft und habe nie einen Gegner zu leicht genommen.

Nach elf Jahren als Profiboxer, in denen Sie 43 Kämpfen bestritten haben, dürften Sie schon mal einen Gedanken an ein Karriereende verschwenden. Sie sind in zwei Gewichtsklassen Weltmeister geworden, sind nach Niederlagen wieder zurückgekommen. Was reizt Sie eigentlich noch?

50 Kämpfe sind eine schöne Zahl. Die ist zwar nicht wirklich wichtig, aber wenn ich sie schaffe, wäre es toll. Wichtig wäre mir, noch einmal gegen Carl Froch und noch lieber gegen Andre Ward zu kämpfen.

Gegen den Briten und den Amerikaner haben Sie im Super-Six-Turnier verloren.

Stimmt, also ist noch eine Rechnung offen. Es geht um meine Ehre.

Wäre eine geglückte Revanche das schönste Erlebnis Ihrer Karriere?

Nein, das Größte war mein erster WM-Sieg gegen Kingsley Ikeke am 10. Dezember 2005 in Leipzig. Das war überwältigend – und das kann nicht übertroffen werden.

Sie haben sogar das Datum im Kopf.

Ja, denn an dem Tag hat sich erfüllt, wofür mein Trainer Ulli Wegner und ich gearbeitet haben. Immer und immer wieder: Geschwitzt, gequält, geblutet.

Sie sind durchs Boxen Millionär geworden und unterziehen sich immer noch der Monotonie eines Trainingslagers.

Das ist mein Job. Ich bin gern im Trainingslager. Alles hat seinen Platz. Training, Essen, Schlafen. Dazwischen zur Physiotherapie. Ich kann gut mit Routine umgehen. Ich habe meine Ruhe, kann nachdenken, werde nicht gestört.

Sie denken an Ihre Zukunft?

Auch, aber da habe ich meine Pläne schon ziemlich gut im Kopf. Verraten werde ich sie aber erst, wenn mit dem Boxen Schluss ist.

Sehen Sie sich in Ihrem Leben nach dem Sport in Armenien oder in Deutschland?

In Deutschland. Armenien ist ein wichtiger Teil meiner Biografie, wird es immer bleiben. Nur in Deutschland konnte ich den Erfolg haben, den ich habe.

Sie könnten später Box-Trainer werden bei Ihrer Erfahrung.

Nein, als Trainer hast du kein Leben. Ich bin acht Monate im Trainingslager und muss mich nur um mich kümmern. Mein Trainer Ulli Wegner ist zehn Monate im Trainingslager und macht sich Gedanken um viele Boxer. Das ist brutal. Ich ziehe vor ihm meinen Hut.

Könnten Sie sich vorstellen unter einem anderen Coach zu arbeiten?

Nein, oder besser: nur wenn ich müsste. Natürlich kann man sich an einen anderen gewöhnen. Aber so wie es mit Herrn Wegner ist, würde es mit keinem anderen sein. Herr Wegner ist ein wichtiger Mensch in meinem Leben. Das kann kein anderer wiederholen. Das Nein ist aber nicht böse gemeint.

Obwohl er Sie hart kritisiert hat?

Die Kritik ist im Vergleich zu dem, was er mir beigebracht hat, gar nichts.

Könnten Sie mit zwei, drei Sätzen sagen, was davon das Wichtigste war?

Vieles war wichtig. Aber er hat mir beigebracht, aus den Fehlern anderer noch mehr zu lernen als aus meinen eigenen Fehlern. Er hat mir viel Disziplin im Ring beigebracht, er hat mir gezeigt, dass Abwarten manchmal besser ist, als hastig eine Entscheidung zu suchen. Und er kann dich in schlechten Situationen super motivieren.

Er hat Sie mal als Feigling bezeichnet.

Herr Wegner darf mir alles sagen. Er hat immer zu mir gestanden.

Zählt er zu Ihren Freunden?

Ich habe nicht viele Freunde, aber dafür sehr gute. Herr Wegner ist viel älter als ich, wir haben andere Interessen, ein anderes Leben außerhalb des Boxens. Er hat einen Platz in meinem Herzen.

Zunächst ist sein Platz aber noch in Ihrer Ringecke. Soll sich Ihr Wunsch erfüllen, noch einmal gegen Froch und Ward zu kämpfen, muss ein Sieg gegen Nicola Sjekloca her. Der aber ist fest davon überzeugt, den WM-Gürtel zu gewinnen.

Er ist körperlich stark und erfahren. Auch technisch ist er ganz gut. Er hat einen WM-Kampf bestritten. Den hat er verloren. Und er wird auch den zweiten verlieren.

Nach einem Sieg könnte es ein Duell mit Felix Sturm geben. Ihr Team träumt von einer Veranstaltung im Olympiastadion. Träumen Sie mit?

Ich träume nur, wenn ich schlafe. Die Kämpfe zu organisieren überlasse ich meinem Manager. Gegen Felix Sturm zu boxen, wäre sicher ein Karriere-Jackpot. Das würden alle gern sehen.