Tischtennis

Traumduell steht - Ovtcharov gegen Boll im Halbfinale

Die deutschen Tischtennis-Asse Dimitrij Ovtcharov und Timo Bollstehen bei den German Open in Berlin im Halbfinale. Auf dem Weg ins Endspiel müssen die Freunde allerdings gegeneinander antreten.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Als das deutsche Traumduell im Halbfinale der German Open perfekt war, kannte der Jubel in der Berliner Max-Schmeling-Halle keine Grenzen mehr. 5100 Zuschauer klatschten, pfiffen und stampften vor Begeisterung, nachdem die deutschen Tischtennis-Stars Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll ihre Viertelfinals gewonnen hatten.

Der Weltranglistenfünfte Ovtcharov (Hameln) setzte sich mit 4:0 gegen den Japaner Jun Mizutani durch. Rekord-Europameister Boll (Düsseldorf) ließ zuvor dem britischen Bundesliga-Spieler Liam Pitchford vom TTF Ochsenhausen beim 4:1 keine Chance.

Damit kommt es am Sonntag in der Vorschlussrunde (12.30 Uhr) zur Neuauflage des letztjährigen Endspiels, das Ovtcharov in Bremen für sich entschieden hatte. Die Brisanz ist dieses Mal noch größer. Erst vor einer Woche hatte der 25 Jahre alte Ovtcharov den sieben Jahre älteren Boll nach fast zwölfjähriger Regentschaft vom deutschen Tischtennis-Thron gestoßen. Boll kann sich nun revanchieren. Mit dem Einzug ins Halbfinale des mit 105.000 Euro dotierten World-Tour-Turniers haben beide Spieler bereits eine Medaille sicher.

„Ich freue mich auf die Partie gegen Dima“, sagte Boll. „Bei uns gibt es ja keinen Zickenkrieg wie im Eisschnelllauf. Wir sind Kumpels und mögen uns“, sagte der Routinier, der vor drei Wochen das letzte Aufeinandertreffen beim Weltcup in Verviers/Belgien 1:4 verloren hatte. „Da war ich noch etwas geschwächt. Jetzt fühle ich mich besser. Aber ich weiß auch, dass Dima verdammt stark geworden ist“, sagte Boll.

Ovtcharov sparte sogar noch Kraft fürs Halbfinale

Ovtcharov verzichtete in seinem Viertelfinale darauf, die Zuschauer erneut mit einer Zitterpartie auf die Folter zu spannen. Gegen den Japaner gab der Europameister keinen Satz ab und sparte sogar noch Kraft fürs Halbfinale. „Timo ist jetzt nicht mehr Favorit, kann frei aufspielen, das wird sehr schwer“, sagte Ovtcharov.

Noch im Achtelfinale hatte es der gebürtige Ukrainer höchst spannend gemacht. Gegen den Japaner Masato Shiono benötigte der Aufschlagspezialist sieben Sätze und lag im entscheidenden Satz schon mit 6:9 hinten. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das Spiel noch gewinne. Es war unheimlich eng. Masato hätte den Sieg auch verdient gehabt“, sagte die deutsche Nummer eins.

Im „China-Knaller“ des Viertelfinals setzte sich überraschend der erst 16 Jahre alte Fan Zhendong gegen Olympiasieger und Weltmeister Zhang Jike mit 4:2 durch. Fan ist dreifacher Jugend-Weltmeister und wird in seiner Heimat bereits als Zhangs Nachfolger gepriesen. Im Halbfinale am Sonntag trifft der Weltranglistenzehnte auf den 37 Jahre alten weißrussischen Ex-Europameister Wladimir Samsonow.

Bei den Frauen erreichte Mannschafts-Europameisterin Han Ying die Vorschlussrunde und hat ebenfalls eine Medaille sicher. Die deutsche Nummer eins gewann ihr Viertelfinale gegen die japanische Abwehrspezialistin Yuka Ishigaki 4:2 und trifft am Sonntag auf deren Landsfrau Ai Fukuhara. Han, Spielerin vom polnischen Erstligisten KTS Tamobrzek, hatte als einzige deutsche Spielerin den Sprung in die Runde der letzten Acht geschafft.