Starke Männer

Zwei Berlinern macht Gewichtheben auch ohne Doping Spaß

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Matthias Brzezinski

Foto: Amin Akhtar

Für die zwei Berliner WM-Starter Robert Joachim und Michael Müller ist die Weltspitze im Gewichtheben außer Reichweite. Zum Bundesliga-Start will das starke Duo vom Berliner TSC dennoch glänzen.

Das Anliegen war harmlos. „Bleiben Sie mal in der Hocke“, sagte der Fotograf, schließlich soll das Bild gut werden. Robert Joachim blieb in der Hocke, lächelnd – mit einer 150 Kilo schweren Trainingshantel auf den Schultern. Kollege Michael Müller hatte später den leichteren Part. Er durfte ohne schwere Last in Pose gehen.

Trainingsunterbrechung bei den beiden derzeit erfolgreichsten Gewichthebern des Berliner TSC. Vor knapp zwei Wochen beendeten Joachim und Müller ihre erste WM-Teilnahme in Polen jeweils auf Platz elf in den Kategorien bis 69 und bis 85 Kilo Körpergewicht. Wichtig fürs Ego: Beide schafften in Polen persönliche Bestleistungen im Zweikampf. Joachim kam auf 307, Müller auf 340 Kilo. Eine Woche später sicherte sich Joachim den Deutschen Meistertitel, Müller wurde Zweiter.

Und nun? Steht der Alltag an. Der Alltag in Form des ersten Bundesliga-Heimauftritts am Sonnabend gegen das Team des SSV Samswegen (16 Uhr, Paul-Heyse-Straße). „So ein Wettkampf ist ganz gut, um sich mal selbst zu überprüfen, um zu sehen, wo man steht“, sagt Michael Müller, der seine sportliche Karriere als Turner begonnen hat.

Zu groß und zu schwer für einen Turner

„Ich war für einen Turner aber ziemlich groß (1,77 m, d. Red.) und schwer und irgendwo am Limit“, erinnert sich der 26-jährige 85-Kilo-Mann. „Ein Freund hat mich dazu überredet, mal zum Gewichtheben zu gehen. Und dabei ist es dann für mich geblieben“, so Müller, der hinzufügt: „Durch das Turnen sind mir die schwierigen Bewegungsabläufe beim Gewichtheben leichter gefallen.“

Joachim, wie Müller 26 Jahre alt und ebenfalls Sportsoldat, war ursprünglich Schwimmer. Er kam als Schüler durch einen Trainer mit den starken Männern in Kontakt und hat den Wechsel ebenfalls nicht bereut. „Wir trainieren hier in Berlin unter guten Bedingungen und können uns durch die Bundeswehr optimal vorbereiten. Die Bundesliga ist ein zusätzlicher Anreiz.“ Das erklärte Ziel der beiden sind allerdings die Olympischen Spiele 2016 in Brasilien.

Das gemeinsame Problem: Der Abstand zur Weltspitze ist gewaltig. Bei der WM lag Joachim 51 Kilo unter der Siegerlast, Müller deren 47. Nicht eben ermutigend. Beide lächeln vielsagend, sparen das latente Thema Doping aber nicht aus. Michael Müller sagt: „Grundsätzlich ist einer nur schuldig, wenn er überführt ist. Aber man macht sich seine Gedanken. Wenn es stimmt, dass bei – nennen wir es mal sehr gesunder Ernährung – Leistungszuwächse bis zu zehn Prozent möglich sind, liegen wir doch gar nicht so schlecht“.

Mit bescheidenen Mitteln das Optimum erreichen

Doping ist immer noch ein großes Problem in der Szene, trotz vielen erfolgreicher Kontrollen. „Ich habe Athleten angetroffen, die schon mal gesperrt waren. Die sind nach zwei Jahren wiedergekommen und waren leistungsmäßig genau da, wo sie vorher waren“, ergänzt Joachim. Den Spaß am Gewichtheben nimmt das beiden aber nicht.

Auch Trainer Jürgen Glor sieht das Problem, geht aber davon aus, dass es nur international zu lösen ist: „Wir müssen schauen, dass wir mit unseren bescheidenen Mitteln das Optimum erreichen. In Deutschland hat es immer wieder Heber gegeben, die internationale Medaillen geholt haben. Das ist und bleibt unser Ziel. Und da ist auch die Bundesliga hilfreich.“

Ungeachtet vom Ausgang des Vergleichs mit Samswegen wird Robert Joachim am freien Sonntag den Fernseher einschalten. Er ist Motorrad-Fan und schaut sich die Übertragung vom WM-Finale in Valencia an. Müller zieht die Couch vor, einen gemütlichen Nachmittag. Möglichst mit Freundin Nina Kamenik. Sie spielt Eishockey bei den OSC Eisladies – und hofft auf eine Nominierung für das deutsche Olympiaaufgebot für Sotschi im Februar 2014.