Olympiasiegerin

Berliner Schwimmerin Britta Steffen beendet ihre Karriere

Britta Steffen hört auf. Die Schwimm-Olympiasiegerin aus Berlin beendet ihre Karriere. Der Deutsche Schwimm-Verband hofft nun, sie werde sich weiter für den Sport engagieren.

Bei der Wohnungssuche stand der Sport noch im Vordergrund. Für Britta Steffen, 29, war die Nähe zur Schwimmhalle wichtiges Kriterium bei der Immobilienwahl, als die Doppel-Olympiasiegerin im Winter von Berlin nach Halle/Saale umzog. Nicht gerade zur Freude ihres ebenfalls sehr erfolgreichen Lebensgefährten Paul Biedermann ist seither ein Fahrrad Steffens bevorzugtes Fortbewegungsmittel im Alltag.

Die gemeinsame Strampeltour zu den Trainingseinheiten fällt künftig nun weg. Steffen erklärte ihren Rücktritt vom Leistungssport. Nach zwei Olympiasiegen 2008, zwei WM-Titeln 2009 und fünf EM-Titeln ist es der erfolgreichsten Schwimmerin seit der Wiedervereinigung wichtig zu betonen, dass sie trotz mancher Rückschläge in der jüngeren Vergangenheit ohne Wehmut ins Privatleben abtaucht. „Ich beende meine Karriere in dem Bewusstsein, zu den Besten der Welt zu gehören“, wird Steffen in einer Pressemitteilung ihres Managements zitiert: „Dennoch habe ich in den letzten Wochen gezweifelt, ob ich die nötige Motivation und Energie für ein oder sogar drei weitere Jahre im Kampf um Goldmedaillen und Meistertitel aufbringen kann.“

Auch die EM 2014 in Berlin war kein Anreiz mehr

Nicht einmal die Aussicht auf die Europameisterschaft im Sommer 2014 in ihrer Heimat Berlin, wo sie sich am grünen Stadtrand Grünau ein großes Öko-Haus gebaut hat, konnte sie zur Fortsetzung des meist monotonen Trainingsalltags eines Schwimmprofis bewegen. Seit ihrem Eintritt in die Sportschule Potsdam 1996 dürfte sie über 30.000 Kilometer im Wasser zurückgelegt haben.

Im Urlaub mit Biedermann, der zuletzt eine Saison pausiert hatte, reifte der Wunsch nach einem neuen Lebensabschnitt, in dem das Privatleben eine größere Rolle spielen soll. „Es gibt nicht nur den Sport, ich möchte irgendwann mal Mama werden“, hatte Steffen zuletzt gesagt. Zudem begann sie an der Martin-Luther-Universität gerade ein weiteres Studium (Human Resource Management/Personalwesen). „Ich brauche etwas für Kopf“, betonte Steffen stets, selbst im Olympiajahr war ihr der Masterabschluss als Wirtschaftsingenieur wichtig gewesen.

Der nach dem historischen Londoner Olympiadebakel ohne Medaillengewinn neu installierte Bundestrainer Henning Lambertz hätte sich freilich gewünscht, dass sich Steffen bei der Heim-EM „mit großem Trara“ und vielleicht einer letzten Medaille verabschiedet hätte, „aber wenn das Feuer nicht mehr lodert, ist es besser, sofort einen Schlussstrich zu ziehen“, meinte Lambertz. Für eine Förderzusage hatte der Essener selbst eine klare Aussage zu Steffens künftigen Ambitionen eingefordert. Der gebeutelte Deutsche Schwimmverband (DSV) verliert damit sein stärkstes Zugpferd für Medien und Sponsoren. Überraschend sollte es allerdings nicht sein, Spitzenschwimmerinnen von 30 Jahren hat es in Deutschland bislang selten gegeben.

Die aus einfachen Verhältnissen in Schwedt/Oder (dort wohnte sie mit den Eltern und zwei Brüdern auf 57 Quadratmetern im Plattenbau) stammende Steffen hat schon lange finanziell ausgesorgt, hübsche Schwimmerinnen lassen sich seit einer Franziska van Almsick vermarkten.

Zwei Fluchten vom Wettkampfort

Doch spätestens nach der WM 2009 schwamm sie nur noch, ohne sich selbst unter Druck zu setzen und nahm mit, was im Spätabend einer Sportlaufbahn ohne Selbstzermarterung möglich war. Sportlich hat sie national bis heute noch nicht den Hauch von Konkurrenz, ihr Status als einzige Topathletin garantierte reichlich Sonderrechte seitens des Verbandes.

Den auch ohne Goldmedaillen durchaus immer noch vorhandenen Spaß am Sport vergrellte ihr fortan aber immer öfter der öffentliche Druck, den auf Dauer auch die Zusammenarbeit mit einer Psychologin nicht kompensieren konnte. Nach der WM-Flucht von Shanghai 2011 wegen eines enttäuschenden Vorlaufs im Einzelrennen wurde Steffen wegen des Verzichts auf den Staffeleinsatz öffentlich als Egoistin gebrandmarkt, nach der Olympia-Enttäuschung von London folgte wieder viel mediale Häme für ihre mitunter wirren Analysen („Durch mich ist auch nicht der Weltfrieden gefährdet“). Schon hier wäre ein Rücktritt angesagt gewesen, doch der kurzfristig beschlossene Umzug nach Halle/Saale versprach noch einmal neue Reize.

Was für das Private durchaus ein Gewinn war („Ich wollte keine Fernbeziehung mehr führen“), änderte im Sportlichen aber nichts. Nach erfolgreicher Kurzbahn-Saison folgte bei den nationalen Meisterschaften im April wieder ein Drama, da Steffen abreiste. Die Szene tuschelte über psychische Probleme, offiziell wurde es dann auf eine Erkältung geschoben. Als Steffen dann bei WM 2013 in Barcelona auf den von einer Kollegin angebotenen Startplatz im 50-Meter-Sprint verzichtete, kritisierte das selbst Vorgängerin Franziska van Almsick dann als „Kasperletheater“.

Emotionale Umarmungen am Beckenrand

Das Verhältnis der beiden Schwimmlieblinge war übrigens nie so gut, wie die emotionalen Umarmungen am Beckenrand vor laufenden Fernsehkameras vermuten ließ. Steffen blieb ihrer einstigen Trainingskollegin Almsick („Britta war schon zu meiner aktiven Zeit immer besser als ich im Training, hat es bei Wettkämpfen aber vom Kopf her nicht auf die Reihe gekriegt“) zwar dankbar, dass Almsick ihr nach dem Karriereende ihre Mentaltrainerin Friederike Janofske überließ, mit der sie dann selbst erst zu Erfolgen kam, abseits von Titelkämpfen hatten sie allerdings kaum Kontakt.

All diese Dinge haben Britta Steffen letztlich mental ausgelaugt. Die zartfühlende Athletin lässt den Sport und seine ungeliebte Nebenwirkungen nun lieber hinter sich. Sicher sieht man sie künftig nun noch öfter lächelnd durch Halle/Saale radeln.