Investition

Jahn-Sportpark soll für 30 Millionen Euro saniert werden

2015 soll im Berliner Jahnstation das Champions-League-Finale der Frauen stattfinden. Damit diese und andere Sport-Events realisiert werden können, müsste Geld vom Senat fließen. Das Stadion verfällt.

Foto: Jan Kuppert/SVEN SIMON / picture alliance / Sven Simon

Als Berlin den Zuschlag für die Austragung des Champions-League-Finales 2015 erhielt, war die Vorfreude groß. Ein ausverkauftes Olympiastadion, ein zweites Fußball-Fest vor oder nach dem DFB-Pokalfinale – wunderbare Tage für Fußballfans. Aber Hand aufs Herz: Wer hat da an die Frauen gedacht?

Seit 2010 nämlich vergibt der europäische Verband Uefa die beiden Höhepunkte an dieselbe Stadt. So verfolgten Ende Mai 90.000 Fans das Endspiel Bayern Münchens gegen Borussia Dortmund in Wembley. Zwei Tage zuvor hatten die Frauen des VfL Wolfsburg gegen Olympique Lyon gewonnen. An der Stamford Bridge, im Stadion des FC Chelsea, vor gut 15.000 Zuschauern.

Und wie soll es in Berlin sein? Das Olympiastadion wird als zu groß angesehen; zudem können nicht innerhalb von zwei Tagen zwei Spiele dieser Größenordnung an einem Ort stattfinden. Die Uefa-Regularien verlangen zudem einen hohen Prozentsatz an Sitzplätzen. Damit ist das zweitgrößte Stadion an der Alten Försterei, wo der 1. FC Union spielt, aus dem Rennen. Bleibt nur der Friedrich-Ludwig-Jahnsportpark. Jedenfalls kam die zuständige Senatsverwaltung für Inneres und Sport zu diesem Schluss.

Jahnstadion ist marode

Das Jahnstadion ist allerdings nicht unbedingt ein Schmuckstück, sondern im Verfall begriffen. „Wir brauchen es jetzt aber“, sagt Sportstaatssekretär Andreas Statzkowski (CDU), „vielleicht ist dies der Startschuss dafür, dass man es zunächst bis 2015 temporär richtet.“ Ihm schwebt allerdings mehr vor: „Wir haben erste Konzepte dazu ausgearbeitet, den Sportpark dauerhaft herzurichten.“

Gespräche mit Verbänden sowie den dort angesiedelten Vereinen habe es schon gegeben. Man befinde sich in Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz. Die Kosten für eine Sanierung der kompletten Anlage schätzt Statzkowskis Behörde auf rund 30 Millionen Euro ein.

„Wir müssen sehen, mit welchen zeitlichen Abläufen und Kostenvolumina man rechnen muss“, sagt der CDU-Mann, „aber es gibt die dringliche Notwendigkeit.“ Nicht nur wegen der Champions League. „Sonst stellt sich bald die Frage: Wie lange können wir das Stadion noch halten?“ Es gebe jetzt schon Probleme mit dem Brandschutz und den Flutlichtmasten. „Wir müssen etwas tun“, sagt Statzkowski, „erst mal das Stadion fertig machen für die Champions League und nach 2015 sanieren. Wir schaffen das.“

Viele Veranstaltungen

Die Kapazität passt. Das Stadion hat knapp 20.000 Sitzplätze. Zuletzt haben dort DFB-Pokalspiele des BFC Dynamo und Berliner AK stattgefunden, außerdem regelmäßig die Finals um den Berliner Pokal. Im Herbst fand dort der German Bowl im American Football vor fast 12.000 Fans statt; der deutsche Verband AFVD wünscht sich dies als Dauerlösung. Bundesligist Berlin Adler trägt hier seit 2004 Heimspiele aus. Und weitere Veranstaltungen sind vorgesehen.

Weil 2018 wohl die Leichtathletik-EM in Berlin stattfindet, möchte der deutsche Verband (DLV) seine nationalen Titelkämpfe 2015 und 2016 im Jahnstadion und 2017 im Olympiastadion veranstalten. Die Berlin-Brandenburgischen Meisterschaften finden hier bereits regelmäßig statt. Ähnlich ist es mit den Internationalen Meisterschaften der Behinderten.

„Der Verband kann sich gut vorstellen, den Schwerpunkt seiner Arbeit dorthin zu verlegen“, erzählt Statzkowski, „wir wünschen uns einen Inklusionssportpark Friedrich Ludwig Jahn.“ Er fordert: „Der Senat muss ja sagen zur Sanierung. Es gibt keine Alternative in Berlin.“ Für ein Champions-League-Finale der Frauen. Aber auch für andere Veranstaltungen, für die kein angemessenes Stadion vorhanden ist.

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