BMX

Wenn tollkühne Männer auf fliegende Räder steigen

BMX ist eine olympische Disziplin, doch hierzulande weitestgehend unbekannt. Am Sonnabend will die Elite des Sports das im Berliner Mellowpark ändern. Mittendrin: Deutschlands Bester Luis Brethauer.

Foto: David Ulrich/Red Bull Content Pool

Auf den ersten Blick ist Luis Brethauer ein ganz normaler junger Mann. Der 20-Jährige lebt in Reutlingen und studiert International Management. Doch der Eindruck des ruhigen Studenten täuscht, denn sein Hobby ist extrem gefährlich. Seine Sportart: BMX fahren – darin ist er der Beste in Deutschland.

Im Juli gewann er bei der Weltmeisterschaft in Auckland/Neuseeland die Bronzemedaille, der erste Podestplatz eines deutschen BMX-Fahrers bei einem internationalen Wettkampf überhaupt. „An diesem Tag lief einfach alles perfekt“, erinnert er sich an den größten Erfolg seiner Karriere.

BMX, übersetzt heißt das Bicycle Moto Cross. Spätestens seit den Olympischen Spielen 2012 in London gab es den Durchbruch für die Sportart. Am Sonnabend fahren die besten Fahrer der Welt beim Red Bull R.Evolution im Mellowpark in Berlin. Auch Brethauer wird dabei sein. Im Rennen treten meist acht Personen mit speziellen Fahrrädern gegeneinander auf einem ca. 400 Meter langen Hindernis-Parcours an.

Die besten Fahrer aus den Vorläufen messen sich dann im Finale. „Man kann es eigentlich mit einem 400 Meter Hürdenlauf in der Leichtathletik vergleichen“, erklärt Brethauer. Was für die Läufer die Hürden sind, sind beim BMX Rampen, Hügel und sogar eine Mauer.

Er verliebte sich in Schweden

Seine Liebe zu dem Sport begann bei einem Familienurlaub in Schweden im Alter von acht Jahren. In einem Freizeitpark entdeckte er als kleiner Junge eine BMX-Bahn und hat seitdem sein Herz daran verloren: „Es ist der beste Sport der Welt. Dieses Gefühl, mit dem Fahrrad fliegen zu können, ist einzigartig“, schwärmt Brethauer.

Diese Liebe zu seinem Sport hat ihm nicht nur eine WM-Medaille beschert, sondern auch eine Ticket für Olympia 2012. BMX ist seit 2008 olympisch, doch erst in London waren zum ersten Mal auch zwei deutsche Fahrer dabei. Zwar schied Brethauer im Viertelfinale aus, doch mitnehmen konnte er trotzdem viel Positives. Gern erinnert er sich an die Cafeteria im Olympischen Dorf, in der die kleinen und großen Stars der Sportwelt zusammen aßen, lachten, sich unterhielten.

Aber es ging für ihn noch um mehr: „Die Erfahrungen und Eindrücke sind einmalig, ich habe hier viel fürs Leben gelernt. Außerdem wollte ich nicht nur was für mich selbst, sondern auch für die Sportart an sich erreichen.“ Olympia war sehr wichtig für den deutschen BMX-Sport. Durch gesteigertes Medieninteresse und höhere Popularität ist die Förderung in Deutschland seitdem deutlich gewachsen. „BMX wird nicht mehr nur als Funsportart angesehen, sondern nun auch als seriöse olympische Sportart. Trotzdem ist das steigende Interesse bisher leider nur international richtig zu spüren“, sagt er.

Harte Konkurrenz im Profi-Bereich

BMX hat es in Deutschland immer noch schwer, einen höheren Bekanntheitsgrad zu erlangen. „Das ist sehr schade, wenn mehr Leute den Sport kennen würden, wären sie bestimmt auch davon begeistert“, sagt Brethauer, der viel in seine Leidenschaft investieren muss. Die Konkurrenz im BMX-Profibereich ist nämlich sehr hart.

„Bei uns geht es eng zu, da ist für jeden unter den Top 20 ein Platz auf dem Podium drin. Also muss ich wie jeder andere Leistungssportler auch jeden Tag trainieren, es ist schließlich mein Beruf.“ Und deshalb hat auch Brethauer einen persönlichen, auf ihn ausgerichteten Trainingsplan, um in jeder Saison das Optimum aus sich herauszuholen.

Aber selbst wenn er mal nicht mit Training oder Studium beschäftigt ist, kann er vom Adrenalin nicht genug kriegen: „Ich interessiere mich in meiner Freizeit auch für anderen Extremsport, zum Beispiel fahre ich gern Skateboard oder im Winter auch Snowboard.“

Sprünge bis zu 15 Metern

Momentan hält sich Brethauer in Berlin auf, um sich schon mal auf das kommende Event in der Hauptstadt vorzubereiten. Der Mellowpark ist ein Mekka für BMX-Fahrer aus aller Welt. Hier soll in Zukunft sogar eine Weltcup-Strecke entstehen. „Die Strecke ist technisch sogar schwieriger als die Olympiastrecke.

Sie verlangt den Fahrern alles ab und es geht hier ganz schön zur Sache. Es macht einfach Spaß, hier zu sein und die Stimmung ist immer genial“, erzählt Luis Brethauer voller Vorfreude. Weite Sprünge bis zu 15 Metern und rasante Geschwindigkeiten versprechen auf jeden Fall auch dieses Jahr wieder atemberaubende Momente.

Aber nicht nur die Strecke gefällt Brethauer: „Berlin an sich mag ich natürlich auch. Manchmal erzähle ich meiner Freundin, dass alles so groß und so weit auseinander ist, aber so ist das nun mal in einer richtigen Großstadt.“ Am Sonnabend geht er auf jeden Fall locker und gelassen an den Start. Der Spaß steht im Vordergrund. „Trotzdem will man natürlich auch gewinnen, schließlich gibt es Preisgeld und es geht um Ruhm und Ehre“, sagt er.

Es fehlt an Strecken

Das Publikum im Mellowpark wird eher jung sein, denn die breite Masse der BMX-Fahrer und -Interessierten sind Jugendliche. Brethauer freut das: „Dadurch, dass es auf einer Seite immer noch ein Funsport ist, kann man gerade junge Leute dafür begeistern. Die haben einfach ihren Spaß an dem Sport und verbringen ihre Zeit so sinnvoller als vielleicht zu Hause vor der Spielekonsole zu sitzen.“

Die Förderung des Nachwuchs gefällt ihm in Deutschland sehr gut, nur die richtigen Strecken zum Ausbilden der jungen Fahrer fehlen. „In Berlin entsteht zwar eine Weltcup-Strecke, aber halt nur in Berlin und nirgendwo sonst. Die Trainingsmöglichkeiten in Deutschland sind nur sehr gering, da muss was getan werden!“

Für die Zukunft erhofft er sich eine größere Bekanntheit und mehr finanzielle Mittel für das BMX-Fahren, damit die Sportart noch mehr wachsen kann. Über seinen eigenen Werdegang sagt er: „Irgendwann will ich auf meine BMX-Karriere zurückblicken und sagen, dass ich alles richtig gemacht habe. Später werde ich dann vermutlich doch abseits vom Sport arbeiten, quasi in einem normalen Leben.“ Und diese Vorstellung gefällt ihm auch gar nicht mal so schlecht.