Berliner HC

Olympiasiegerin Natascha Keller beendet ihre Hockey-Karriere

20 Jahre Bundesliga sind genug: Ein Jahr nach ihrem Rücktritt als Nationalspielerin beendet Natascha Keller auch ihre Laufbahn beim Berliner HC. 2013 gewann sie noch das Double in der Halle und auf dem Feld.

Foto: Marius Becker / dpa

Statistisch ist nur festgehalten, dass Natascha Keller 425 Länderspiele für die Hockey-Nationalmannschaft bestritten und dabei 209 Treffer erzielt hat. Wie oft sie das Trikot ihres Vereins, des Berliner HC, getragen hat, weiß niemand genau, auch sie selbst nicht. In jedem Fall waren es noch deutlich mehr. Aber nun sollen keine weiteren hinzukommen: Die Olympiasiegerin von Athen hat entschieden, ein Jahr nach dem Ende ihrer internationalen Karriere auch ihre aktive Laufbahn beim BHC zu beenden.

„Nach 20 Jahren ist es genau der richtige Moment, einen Schlusspunkt zu setzen“, wird die 36-Jährige in einer Pressemitteilung ihres Klubs zitiert. Genau richtig auch deshalb, weil sie mit dem BHC 2013 noch zweimal Deutsche Meisterin wurde. Als Leistungsträgerin natürlich: Bei der Hallenendrunde in Berlin war sie beste Spielerin des Turniers. Auf dem Feld in Hamburg erzielte sie im Finale einen Treffer, wie nur sie es kann. Nachdem sie ein halbes Dutzend Gegnerinnen umdribbelt hatte, drosch sie den Ball fast von der Grundlinie in den Torwinkel. „Ihr Rücktritt ist ein herber Verlust“, weiß BHC-Kapitänin Franziska Stern.

„Es ist die kluge Entscheidung einer großen Spielerin, als deutsche Doppelmeisterin abzutreten, wenn die Erfolge noch frisch sind“, sagte Präsident Stephan Abel vom Deutschen Hockey-Bund (DHB). „Sie wird auf dem Platz immer fehlen, denn ihre Dynamik, Lauf- und Spielstärke wird kaum zu kopieren sein“, ergänzte der DHB-Chef. Zugleich brachte er die Hoffnung zum Ausdruck, „dass Natascha auch in der Zukunft noch viel für Hockey in Deutschland tun kann und wird“.

Als Fahnenträgerin fühlte sie sich besonders geehrt

In London war ihr noch die „ganz große Ehre“ zuteilgeworden, die deutsche Mannschaft als Fahnenträgerin ins Olympiastadion zu führen. „Das waren unvergessliche Momente“, betonte Keller, die der wohl erfolgreichsten Hockey-Familie der Welt entstammt. Opa Erwin Keller gewann 1936 Silber, Vater Carsten 1972 in München Gold. Auch ihre Brüder Andreas (1992) und Florian (2008) sind Hockey-Olympiasieger und sorgten mit ihrer Schwester Natascha für das Fortbestehen der Keller-Dynastie in dritter Generation.

Für den damaligen Bundestrainer Michael Behrmann zählte Natascha Keller bis zuletzt zu den besten drei Stürmerinnen der Welt. „Sie ist eine Persönlichkeit, die mit ihrer Klasse eine Partie jederzeit entscheiden kann“, sagte er in den Tagen von London über seine „Nummer 7“, die 1994 ihr erstes Länderspiel bestritt und rund 20 Jahre auf höchstem Niveau mitspielte. Ihr größter Erfolg war der sensationelle Olympiasieg 2004 in Athen, den niemand erwartet hatte.

In Zukunft will sie häufiger Golf spielen

Ihre Meritenliste ist aber nicht auf Olympia-Erfolge beschränkt. Weltmeisterin in der Halle 2003 und 2011, Europameisterin in der Halle (2002, 2006, 2008) und auf dem Feld (2007), dazu 2006 der Sieg bei der Champions Trophy stehen für die Welthockeyspielerin von 1999 international zu Buche. Hinzu kommen diverse deutsche Meistertitel in der Halle und auf dem Feld, zuletzt im Sommer in Hamburg. Allein das mit Rang sieben unschöne Ende in London passte nicht recht ins Bild.

Nun will sie sich sportlich anderweitig betätigen. „Ich werde wieder intensiver Tennis spielen. Außerdem hatte ich schon öfter den Golfschläger in der Hand“, wurde Keller auf der Homepage ihres BHC zitiert. Auch wenn man dort Natascha Kellers Rücktritt einen „herben Verlust“ nannte, so ganz vorbei scheint es mit ihrem Lieblingssport noch nicht zu sein. „Ich brauche jetzt etwas Abstand, würde es aber nicht ausschließen, zu helfen, wenn ich gebraucht werde.“ Und einen A-Trainerschein hat die Rekord-Nationalspielerin schon in der Tasche.