Beachvolleyball

Berliner Beachgirls im Finale im letzten Moment abgeschmettert

Vier Matchbälle vergaben die Berlinerinnen Katrin Holtwick und Ilka Semmler im Finale des Beachvolleyball-Grand-Slams in der Waldbühne. Die Brasilianerinnen Lima/Talita waren zu stark.

Foto: Boris Streubel / Getty Images for FIVB

Die Brasilianerinnen Taiana Lima und Talita da Rocha Antunes verspritzten auf dem Podest überschäumend vor Freude den Siegersekt. Auch die Drittplatzierten Jennifer Fopma und Brooke Sweat aus den USA hatten ein breites Lächeln auf den Lippen. Nur Ilka Semmler und besonders Katrin Holtwick waren untröstlich. Beim Beachvolleyball-Grand-Slam in der Waldbühne hatten sie im Endspiel dicht vor dem größten Erfolg ihrer Karriere gestanden, hatten sich vier Matchbälle herausgespielt und waren am Ende doch die großen Verliererinnen des Tages. 21:16, 21:23, 12:15 lautete das finale Resultat aus Sicht der Berlinerinnen.

Enttäuscht von Platz zwei

Holtwick wäre vermutlich am liebsten gar nicht mehr aus dem Kleinwagen des Turniersponsors herausgeklettert, in den sich die Spielerinnen während der Pausen zurückziehen. Währenddessen gab Semmler schon tapfer die ersten Interviews. „Silber bedeutet uns sehr viel“, sagte sie, „aber wenn man Zweiter geworden ist, dann ist auch immer ein bisschen Enttäuschung dabei.“

Zumal dann, wenn man sich schon wie ein Sieger fühlen konnte. Es war ja alles andere als eine klare Abfuhr durch die Weltranglistenersten, die ihnen widerfahren war. 20:17 führten sie im zweiten Satz, hatten drei Matchbälle, bei 21:20 noch einen. Doch als es drauf ankam, „ging plötzlich gar nichts mehr, was vorher so gut geklappt hat“, schloss Semmler.

Katrin Holtwick war in Tränen aufgelöst

Und auch Katrin Holtwick rappelte sich schließlich auf, aber ihr sonst so fröhliches Sommersprossengesicht war diesmal aufgequollen von den vielen Tränen, die sie vergossen hatte. „Es tut verdammt weh“, stammelte die 29-Jährige, und sie ließ keinen Zweifel daran, wem sie die Hauptschuld an der Niederlage gab. „Wenn man Matchbälle hat, muss man mutiger rangehen, als ich es getan habe.“ Der einzige kleine Trost war: „Wir haben ein gutes Spiel gespielt.“

Besonders sie, denn dass die Deutschen überhaupt in die komfortable Situation gekommen waren, lag vor allem an ihren starken Aufschlägen, ihrem cleveren und couragierten Spiel. Nur im entscheidenden letzten Moment verließ sie diese Courage. Und die Brasilianerinnen, die allen Rückständen zum Trotz immer auf Holtwick gespielt hatten, durften sich in ihrer Sturheit letztlich bestätigt fühlen.

Brasilianerinnen nicht zufällig die Nummer eins der Welt

Nun sind Lima/Talita zwar ein Duo, das erst seit diesem Jahr zusammen antritt. Aber sie sind nicht von ungefähr die Nummer eins der Welt, übrigens vor Holtwick/Semmler. Von den sieben Grand-Slam-Turnieren dieses Jahres haben sie nun fünf gewonnen. Da klafft eine riesige Lücke zu ihren Verfolgerinnen. Katrin Holtwick und Ilka Semmler standen zum ersten Mal in dieser Saison in einem Endspiel. Außerdem erreichten sie dritte Plätze bei den Grand Slams in Long Beach/Kalifornien, Den Haag und beim World-Cup-Finale in Brasilien. Dritte wurden sie auch bei den Fuzhou Open in China, einer Veranstaltung der zweiten Kategorie. Insgesamt haben sie schon 13 Turniere gespielt. Es ist die konstanteste Saison ihrer gemeinsamen Karriere, die immerhin seit 2006 währt.

Nur der ganz große Erfolg, das Signal an die Konkurrenz, das fehlt noch. Da sind ihnen sogar die deutschen Konkurrentinnen manchmal voraus. Wie bei der WM in Polen Anfang Juli, wo sie sang- und klanglos in der ersten K.-o.-Runde scheiterten, aber die Stuttgarterinnen Karla Borger/Britta Büthe sensationell Silber gewannen. Oder bei der EM in Klagenfurt wenige Wochen später, als sie im Spiel um Bronze ausgerechnet den Hamburgerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst unterlegen waren.

Leistungen der Berlinerinnen sind stabiler geworden

Ein Sieg in Berlin hätte die Verhältnisse gerade gerückt. Nun bleiben die Vizeeuropameisterinnen von 2010 in Berlin so etwas wie die Unvollendeten. Die im Management und mit Sponsoren gut aufgestellten, bei ihren vielen Auftritten in seichten Fernseh-Sendungen wie Wok-WM oder Promi-Dinner sehr präsenten jungen Damen werden hinter vorgehaltener Hand auch schon mal als „TV-Sternchen“ belächelt, was sie sehr ärgert.

Dabei wird nämlich übersehen, dass sich die beiden auch sportlich weiterentwickelt haben. Die großen Leistungsschwankungen vergangener Zeiten sind kleiner geworden. Sie wirken trotz der hohen Turnierbelastung fit wie nie zuvor und scheiterten auch gegen Lima/Talita nicht wegen ihrer unterlegenen Physis. Aber wer schon häufiger gewonnen hat, dem gelingen im entscheidenden Moment häufig die wichtigen Punkte. Wer andererseits schon häufiger gescheitert ist, der verpasst auch leichter seine Chancen. Das Finale von Berlin war ein gutes Beispiel dafür.

Im September wird „die Notbremse gezogen“

Nach dem Turnier in der Waldbühne werden es die beiden Berlinerinnen es endlich etwas ruhiger angehen können. „Wir haben die Woche nach Berlin herbeigesehnt“, sagte Holtwick. Am kommenden Wochenende treten sie in Kühlungsborn gegen nationale Konkurrenz an, und wenn sie im September merken, dass die Kräfte ausgehen, „dann werden wir die Notbremse ziehen“. Bis dahin werden sie auch längst die tiefe Enttäuschung abgeschüttelt haben. Und sich an ein Berliner Turnier erinnern, bei dem sie sechs Siege und nur eine knappe Niederlage bilanzieren mussten, 22.000 Dollar Preisgeld und 720 Punkte für die Weltrangliste einsammelten. Vielleicht wird sich Holtwick auch an das erinnern, was sie vor dem Endspiel noch freudestrahlend gesagt hatte: „Wir sind im Finale beim Grand Slam – das ist doch supercool.“