American Football

Vollmer wird doppeltes Lottchen bei den wilden Kerlen

Der Berliner spielt seit sieben Jahren bei den Berlin Rebels. Inzwischen kann er sich vor Freundesanfragen bei Facebook jedoch kaum retten – wegen seines Namensvetters aus der National Football League.

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Neulich ist es wieder passiert. Sebastian Vollmer, Football-Spieler der Berlin Rebels, hatte im Internet eine Mitfahrgelegenheit inseriert. Ein junger Mann, selbst Anhänger des American Football, meldete sich bei ihm. Er befürchtete, dass es sich dabei um einen Scherz handelte. Warum sollte der deutsche Star aus der National Football League (NFL) jemanden einfach so mit dem Auto mitnehmen?

Sebastian Vollmer kennt das Gefühl, für einen anderen gehalten zu werden. 2012, als sein prominenter Namensvetter mit den New England Patriots im Super Bowl stand, dem Finale um die amerikanische Football-Meisterschaft, erhielt er via Facebook zahllose Freundesanfragen und auch Glückwünsche. „Irgendwann waren es so viele, dass ich nicht mehr allen zurückschreiben konnte, dass ich nicht der bin, für den sie mich halten“, erzählt der Berliner.

Kurioserweise spielt Sebastian Vollmer sogar auf derselben Position wie der gleichnamige NFL-Profi. Der 27-Jährige ist Teil der Offensive Line der Berlin Rebels. Seine Aufgabe ist es, den Ballträger zu beschützen und ihm den Weg frei zu blocken, indem er wiederum den gegnerischen Abwehrspielern den Weg versperrt. „Wir müssen also gezielt herumstehen“, lautet seine eigene Jobbeschreibung.

Knallharter Job in der Offensive Line

Es ist ein knallharter Job, der jedoch nur wenig Ruhm bringt. Während der Quarterback und seine Passempfänger nach erfolgreichen Spielzügen bejubelt werden, fallen die Spieler der Offensive Line den meisten Zuschauern eigentlich nur dann auf, wenn sie versagen und der Ball ihretwegen verloren geht. „Dabei stellen wir im Angriff die Hälfte der Mannschaft“, betont Sebastian Vollmer.

Den Ball berühren dürfen Spieler auf seiner Position allerdings nicht. „In sieben Jahren als Footballer hatte ich ihn bei einem Spiel noch kein einziges Mal in der Hand“, sagt er.

Mit einer Körpergröße von 1,89 Meter und einem Gewicht von 90 Kilogramm ist der Berliner Sebastian Vollmer noch einer der schmächtigeren Vertreter seiner Zunft, die Maße des Originals aus Düsseldorf lauten 28 Jahre alt, 2,03 Meter groß und 143 Kilogramm schwer. Trotzdem hat sich der gebürtige Magdeburger bereits in den erweiterten Kader der deutschen Nationalmannschaft gespielt.

Seit 2006 schlägt Vollmers Herz für American Football

2006 hatte er sich im Fernsehen den Super Bowl angeschaut und war von dem amerikanischen Sport derart begeistert gewesen, dass er sich kurz darauf einem Verein anschloss. Seit der vergangenen Saison spielt er für die Berlin Rebels in der Bundesliga. Seine Rückennummer ist die 66. Die Nummer 76, die Sebastian Vollmer in der NFL trägt, war bei den Berlinern bereits vergeben gewesen.

In diesem Jahr sind die Rebels ganz ordentlich aus den Startlöchern gekommen. Gleich zum Auftakt konnte man erstmals in der Bundesliga gegen den Lokalrivalen Berlin Adler gewinnen. Es folgten zwei weitere Siege gegen Köln und eine knappe Niederlage gegen Braunschweig. Das Saisonziel, der Einzug ins Viertelfinale, erscheint auch nach der 34:49-Schlappe gegen Vizemeister Kiel am vergangenen Wochenende weiter machbar.

Auf dem Weg dorthin erwartet die derzeit auf Rang drei stehenden Berliner am Sonntag nun der nächste schwere Gegner: Um 15 Uhr gastieren die bislang ungeschlagenen Dresden Monarchs im Mommsenstadion. Es ist das letzte Rebels-Heimspiel bis Anfang August. Sebastian Vollmer weiß, worauf es ankommen wird: „Wenn die Offensive Line hält, können wir auch dieses Spiel gewinnen.“

Namensvetter noch nie persönlich getroffen

Seinen berühmten Namensvetter aus Amerikas beliebtestem Profisport hat der Footballspieler aus Berlin bislang übrigens noch nie persönlich getroffen. Auch per E-Mail haben die beiden bisher keinen Kontakt gehabt. „Er hat bestimmt schon genug Anfragen zu beantworten“, glaubt der Berliner. Trotzdem sei „der gute Vollmer“, wie er ihn nennt, natürlich ein Vorbild von ihm, „schließlich hat er sich als Deutscher in der besten Liga der Welt durchgesetzt“.

Besonderen Druck, bloß weil er denselben Namen trägt, verspürt Vollmer nicht. Die Erwartungen seien deshalb nicht höher als an andere Spieler. Das wäre auch Quatsch, meint er: Schließlich schieße ja auch nicht jeder, der Gerd Müller heißt, automatisch Tore.