Hockey

Natascha Keller auf der Jagd nach ihrem 20. Meistertitel

Bei der Endrunde in Hamburg wollen sich die Frauen des Berliner HC ihren neunten Meistertitel auf dem Feld sichern. Dabei setzen sie vor allem auf gute Teamchemie, viel Erfahrung, aber auch Unbekümmertheit.

Foto: Gaby KUNZ / pa/Augenklick

Selten fiel die Suche nach einem Favoriten so schwer. Auch wenn vor der Endrunde um die deutsche Feldhockey-Meisterschaft der Frauen an diesem Wochenende in Hamburg der Berliner HC am häufigsten genannt wird. In der Bundesliga-Hinrunde erschien das Team wie von einem anderen Stern und stellte mit der Konkurrenz an, was es wollte. Zehn Siege in elf Spielen, 34:5 Tore – „wir hatten einen Flow“, wie Trainer Marcel König sich gern erinnert. Schön war die Zeit, aber Verletzungen und die wegen des harten Winters schwierige Vorbereitung auf die Rückrunde führten zu Rückschlägen. Am Ende retteten die Berlinerinnen Platz eins so eben ins Ziel und bekommen es nun am heutigen Sonnabend (12 Uhr) im Sportpark Rothenbaum mit dem Bundesligavierten Münchner SC zu tun.

UHC hat ein halbes Dutzend Nationalspielerinnen

Die leichteste Aufgabe, im anderen Halbfinale treffen die stärker eingeschätzten Lokalrivalen UHC und Club an der Alster Hamburg aufeinander. Aber leicht? Das Team aus Bayern legte eine imponierende Rückrunde hin und verlor sein Punktspiel in Berlin nur unglücklich mit 0:1. Personell am stärksten besetzt scheint der UHC mit seinem halben Dutzend Nationalspielerinnen um Top-Torschützin Eileen Hoffmann (21 Treffer). Und Alster fügte dem BHC im April mit 3:0 die erste Saisonniederlage zu.

Dennoch gibt es Argumente dafür, dass der BHC seine neunte Feldmeisterschaft gewinnt, die erste seit 2010. „Bei uns schießt jede mal ein Tor“, sagt die erst 19-jährige Mieketine Hayn vor ihrer dritten Endrunde. 16 verschiedene Torschützinnen gab es bisher, niemand ist schwerer auszurechnen. Dazu stimmt die Mischung aus jüngeren Spielerinnen wie ihr und den Routiniers um Natascha Keller, Kerstin Holm oder Barbara Vogel. Die trotz ihrer 35 Jahre wie eh und je torgefährliche Olympiasiegerin und Rekordnationalspielerin Keller, so hat der Verein ausgerechnet, könnte in Hamburg ihre 20. Meisterschaft mit dem Klub gewinnen.

Zuletzt stieg die Formkurve beim BHC wieder

„Es ist toll, mit solchen Spielerinnen zu trainieren“, erzählt Hayn, „man lernt jedes Mal was dazu.“ Außerdem lobt sie die Stimmung, es gebe keine Cliquen, die Älteren bringen eben ihre Erfahrung ein, die Jüngeren ihre Unbekümmertheit. Mit dem Erfolg, dass die Verantwortung auf sehr viele Schultern verteilt ist.

Keine Mannschaft in Hamburg ist breiter aufgestellt. Mit Vogel und Karoline Amm hat der BHC etwa zwei Torhüterinnen, die schon das Nationaltrikot trugen. Das setzt sich in allen Mannschaftsteilen fort. Und in den letzten Spielen vor Hamburg „stieg die Formkurve auch wieder“, wie König erfreut beobachtete.

Vielleicht ist Katharina Otte erstmals seit ihrer Verletzung dabei

Vielleicht kann er sogar in Hamburg auf eine Stammkraft setzen, die wegen eines Bänderrisses die komplette Rückrunde verpasste. Olympia-Teilnehmerin Katharina Otte konnte wieder voll trainieren. Ob sie spielt, wollte der Trainer allerdings noch nicht verraten. Damit es für die Gegner noch schwerer wird, sich auf den BHC einzustellen.