Boxen

Für Abraham geht es im Kampf gegen Bouadla um alles

Der Berliner Boxer Arthur Abraham muss den WM-Titel gegen den Franzosen verteidigen. „Bei einer Niederlage ist vielleicht Schluss“, sagt er.

Foto: Timm Schamberger / dapd

Nichts deutete beim letzten Trainingsdurchgang von Profibox-Weltmeister Arthur Abraham darauf hin, dass ihn an diesem Sonnabend in Nürnberg (ab 22.15 Uhr in der ARD) gegen den Franzosen Mehdi Bouadla eine besondere Situation erwartet.

Im Gegenteil: Abraham hatte Besuch. Zu Gast war Eishockeyprofi Constantin Braun vom Deutschen Meister EHC Eisbären. Und der 32 Jahre alte Box-Weltmeister amüsierte sich köstlich über die Bemühungen des acht Jahre jüngeren Berliner Verteidigers beim Beweglichkeitstest: „Constantin ist richtig gut mit den Beinen, aber mit dem Oberkörper geht gar nichts.“

Braun hatte Spaß und stellte ganz pragmatisch fest: „Wenn wir Eishockeyspieler eine Rauferei haben, brauchen wir den Oberkörper nicht. Es reicht eine trockene Gerade.“

„Gegen Bouadla geht es um meine Karriere“

Amüsierter Beobachter war Abraham-Trainer Ulli Wegner. Der hatte Zeit, das Jahr 2012 Revue passieren zu lassen. „Im Januar in Offenburg gegen Pablo Narias stand Arthur am Abgrund. Er hatte seinen letzten Kampf im Super-Six-Turnier gegen Andre Ward verloren, und keiner wusste, wie er das verarbeitet hatte.“ Vergleichsweise gut, denn der Argentinier war in Runde fünf reif für den Gang in die Umkleidekabine.

Ein mühevoller Punktsieg über den Polen Piotr Wilczewski folgte im März in Kiel. Dann löste Abraham im August in Berlin mit einem klaren Erfolg über Robert Stieglitz, dem Champion der World Boxing Organization (WBO), sein Ticket für die Beletage im Super-Mittelgewicht. Er war wieder Weltmeister.

„Und jetzt muss Arthur gegen Mehdi Bouadla beweisen, dass er auch im Super-Mittelgewicht in die Weltspitze gehört“, stellt Wegner die finale Hürde des Jahres für seinen Kämpfer auf.

Die besondere Situation, die sich seiner ersten Titelverteidigung in der 76-Kilogramm-Klasse ergibt, ist „König Arthur“ bewusst. „In jedem Kampf in diesem Jahr ging es um meine Karriere. Das war vorher nicht so krass. Gegen Bouadla geht es wieder um meine Karriere. Bei einer Niederlage ist vielleicht Schluss“, sagt der Publikumsliebling. Und relativiert sofort: „Aber ich denke nicht an Niederlagen. Trainer Wegner und ich haben supergut gearbeitet.“

Problematische Beziehung zum Trainer

Vorbei scheinen alle Zweifel. „Wenn er das vergeigt hätte, hätte ich auch keinen Rat mehr gewusst“, hatte Wegner nach dem WM-Erfolg über Stieglitz gesagt. Ihm war eine Zentnerlast von den Schultern gefallen.

So ehrlich hatte der Trainer noch nie über die damals durchaus problematische Beziehung gesprochen. Problematisch, weil von Misserfolgen und Missverständnissen geprägt. Abraham: „Natürlich habe ich mit meinem Trainer über die Kritik gesprochen. Oder besser gesagt: Er hat mich kritisiert und dann nicht locker gelassen. Ich musste mit ihm reden – ob ich wollte oder nicht. Er hat die Dinge auf den Tisch gebracht, die ihm nicht gefallen haben. Er ist schließlich mein Trainer. Wir haben keine Probleme miteinander. Nicht mehr. Die Probleme sind durchgestanden, jetzt kommen die tollen Zeiten.“ Dafür muss Abraham am Sonnabend den Franzosen Bouadla besiegen.