Pferdesport

Hoppegarten startet mit sieben Rennen

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Matthias Brzezinski und Klaus Göntzsche

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4000 Ostereier und ein Schimmel für die Kleinen, ein Wunderpferd und sieben Rennen für die Großen. Pünktlich um 12 Uhr beginnt am Ostersonntag auf der Galopprennbahn in Hoppegarten die 142. Rennsaison. Dreh- und Angelpunkt soll dabei das ungarische Ausnahmepferd Overdose werden.

4000 Ostereier und ein Schimmel für die Kleinen, ein Wunderpferd und sieben Rennen für die Großen. Pünktlich um 12 Uhr beginnt am Ostersonntag auf der Galopprennbahn in Hoppegarten die 142. Rennsaison. Dann gehört die riesige Fläche zunächst den Kindern in Verbindung mit einer österlichen Suche der Schokoladen-Köstlichkeiten. Dreh- und Angelpunkt der bevorstehenden Saison, der dritten nach dem Kauf der Bahn durch den ehemaligen Investmentbanker Gerhard Schöningh (48) soll das ungarische Ausnahmepferd Overdose werden. Seit Januar ist die Rennbahn die neue Heimat des fünfjährigen Hengstes, der um 13 Uhr den Zuschauern im Führring präsentiert wird. Overdose steht an einem entscheidenden Karrierepunkt. Er ist Rekonvaleszent.

Eine hartnäckige Erkrankung der vorderen Hufe (die Hufwände sind zu dünn, die Eisen können nicht genagelt, sondern müssen geklebt werden) hat seine einzigartige Siegserie – ungeschlagen in zwölf Rennen – unterbrochen. Overdose-Trainer Sándor Ribarszki veranlasste den Umzug mit seinem Crack allein deshalb, um die für das Pferd idealen Trainingsbedingungen in Hoppegarten zu nutzen. „Das ist ein enormer Vertrauensbeweis für Hoppegarten“, sagte Bahneigner Gerhard Schöningh.

In den sieben Rennen zum Saisonauftakt treten insgesamt 50 Pferde an, 25 davon aus Hoppegarten. Auch Top-Trainer Peter Schiergen (Köln) und sein erfolgreichster Jockey Andrasch Starke haben gemeldet. Publikumsliebling Eduardo Pedroza steigt fünf Mal in den Sattel. Der 35-Jährige aus Panama, seit 1994 in Deutschland, holte sich von 2007 bis 2009 dreimal in Folge das nationale Championat. Allein im vergangenen Jahr gewann er 96 Rennen und die damit verbundenen knapp 700.000 Euro Preisgeld. Etwa so hoch ist auch die Gesamtdotierung für die neun Hoppegarten-Renntage.

„Wir gehen mit einer Portion Optimismus in die neue Saison“, sagt Gerhard Schöningh: „Im vergangenen Jahr haben wir die Wettumsätze um 32 und die Besucherzahl um 30 Prozent steigern können. Das wollen und können wir fortsetzen.“ Ein ambitioniertes Ziel. Um die Situation des deutschen Galopprennsports zu verstehen, reicht ein Blick in den Jahresbericht 2009 des in Köln ansässigen Dachverbandes. Vom Spitzenwert des Wettumsatzes auf den deutschen Galopprennbahnen in der Saison 1994 mit 143 Millionen Euro ging es im Sinkflug auf 37 Millionen Euro im letzten Jahr. Statt 4500 Pferde sind nur noch rund 3000 in Deutschland im Einsatz. Eine weitere negative Folge war die Insolvenz des internationalen Klubs von Baden-Baden mit 14,6 Millionen Euro Schulden und der Ausfall des Frühjahrs-Meetings in diesem Jahr. Neuer Betreiber der Bahn in Iffezheim vor den Toren Baden-Badens wird eine Gruppe um Andreas Jacobs, den Mehrheitsgesellschafter des weltweit tätigen Vermarktungsunternehmens Infront. Der funktionierende Galoppsport hierzulande basiert in ganz großen Teilen auf privatem Engagement. Das sieht auch Verbandspräsident Albrecht Woeste so: „Was derzeit in Hoppegarten geschieht, ist für den deutschen Rennsport extrem wichtig. Wir sind froh über die Aufbruchstimmung, seitdem Herr Schöningh die Bahn übernommen hat.“ Unter der Marke „German Racing“ sollen künftig neue finanziell Rahmenbedingungen geschaffen werden, vor allem durch die Eigenvermarktung der Rennen und des Wettgeschäfts.