Der grosse Wettskandal

Als Schiri Hoyzers Traum vom großen Geld platzte

| Lesedauer: 29 Minuten
Jens Anker

Heute vor fünf Jahren kam der Wettskandal um den Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer und die kroatischen Brüder Sapina ans Licht – und erschütterte den deutschen Fußball. Morgenpost Online protokolliert eine Geschichte von Gier und Verrat.

Die kleine Reisegruppe traf am Abend ein. Schon auf der knapp fünfstündigen Rückfahrt aus der ostwestfälischen Provinz war die Stimmung prächtig gewesen. Jetzt wollten sie den Sieg ausgiebig begießen. Natürlich im Café King in der Charlottenburger Rankestraße. Im Keller der beliebten Sportlerkneipe setzten sich die Männer zusammen, tranken und feierten.

Immer wieder stand der größte der Männer auf und machte eine energische Handbewegung. Die Runde lachte sich kaputt. Mit dieser Geste hatte er Stunden zuvor den Stürmer des Hamburger SV, Emile Mpenza, mit einer Roten Karte des Feldes verwiesen. „Du bist unser Schatz, du bist unser Houdini“, jubelten die Männer. Der große Mann vernahm es voller Stolz. Endlich war er in die Gruppe aufgenommen, endlich nahmen sie ihn ernst, endlich war er Teil des Spiels um Bundesligafußball und Millionengewinne. Sein Name war Robert Hoyzer.

Paderborn, 21. August 2004

Die beiden Männer auf der Tribüne des Herrmann-Löns-Stadions sind nervös. Vor allem der kleinere von beiden spürt, wie deutlich mehr Adrenalin durch seinen Körper strömt als gewöhnlich. Es geht nicht nur um das DFB-Pokal-Spiel zwischen dem Drittligisten SC Paderborn und dem Bundesligisten Hamburger SV, das sie gemeinsam mit 7000 anderen Fußballfans besuchen. Es geht um eine Menge Geld. Ihr Geld.

Argwöhnisch verfolgen die beiden den Schiedsrichter der Partie beim Warmmachen. Halten seine Nerven? Hält er Wort?

Die ganze Aktion absagen können die Männer nicht mehr. Zu viel Geld ist schon geflossen. Also haben sie Hoyzer vor dem Spiel noch einmal ins Gewissen geredet. Er solle sich die Tragweite seines Handelns vor Augen führen. „Dieses Spiel ist sehr wichtig für uns“, beschwört Ante Sapina Hoyzer zum Schluss. Sein Bruder Filip nickt.

Welche Summen wirklich auf dem Spiel stehen, das sagen sie dem 24 Jahre jungen Schiedsrichter allerdings nicht. In stundenlanger Kleinarbeit hatten die Brüder am Vortag 175 Wettscheine ausgefüllt und insgesamt 83.000 Euro eingesetzt – alles auf den Sieg des Underdogs Paderborn.

Klaus Toppmöller kam damals schon kurz nach Anpfiff des Spiels ins Grübeln. Was tat der Schiedsrichter da, fragte sich der Trainer des Hamburger Sportvereins. Er pfiff, wo es nichts zu pfeifen gab und ließ das Spiel laufen, wo er es hätte unterbrechen müssen. Nach 20 Minuten hält Toppmöller es nicht mehr auf seiner Bank. Er geht zum Linienrichter am Spielfeldrand und protestiert. „Hier ist doch was faul.“ Der Linienrichter warnt Toppmöller. Er solle aufpassen, was er sage.

Alles läuft nach Plan

Trotz der Zweifel läuft für den Favoriten zunächst alles nach Plan. Der HSV liegt nach einer halben Stunde und Toren von Christian Rahn und Emile Mpenza 2:0 in Führung. Zum Leidwesen Robert Hoyzers. Er hatte bislang keine Gelegenheit gefunden, das Spiel in die gewünschte Richtung laufen zu lassen. „Mach mal was“, raunt Hoyzer nervös im Mittelkreis einem Paderborner Spieler zu. „Den Rest erledige ich.“ Um sich nicht allein auf Hoyzer verlassen zu müssen, hatten die Sapina-Brüder dem Mannschaftskapitän der Paderborner, Thijs Waterink, am Vortag 10.000 Euro überreicht. Er solle Situationen im gegnerischen Strafraum schaffen, die es dem Schiedsrichter erleichtern, einen Elfmeter für Paderborn zu verhängen.

So geschieht es. In der 35. Minute fällt Thijs Waterink im Hamburger Strafraum um, Hoyzer pfeift, Guido Spork verwandelt den Elfmeter zum Anschlusstreffer. Der Hamburger Stürmer Emile Mpenza verliert die Nerven. „Arschloch“, schimpft er in Richtung des Schiedsrichters. „Das kam mir sehr gelegen, war aber gerechtfertigt“, sagt Hoyzer, der Mpenza daraufhin des Feldes verwiesen hatte. Sechs Minuten nach dieser Szene erzielt Paderborn den Ausgleich. In der zweiten Halbzeit dreht das Team das Spiel komplett, auch dank eines weiteren Elfmeters. 4:2 lautete der Endstand.

An eine Verschwörung dachte er nicht

„So ein Spiel vergisst man nicht“, sagt Toppmöller. An eine Verschwörung des Schiedsrichterteams, an gemeinschaftlichen Wettbetrug, so erinnert sich der damalige HSV-Trainer, habe er damals aber nicht gedacht.

Zwei Paderborner Spieler, die er in früheren Jahren trainiert hatte, hätten ihn damals im Löns-Park mitleidig angeschaut. „So, als wenn sie sagen wollten: Du armer Teufel, du weißt gar nicht, wie dir geschieht.“ Eine derart merkwürdige Atmosphäre habe er weder davor noch danach jemals in einem Fußballstadion erlebt.

Fragen blieben unbeantwortet

Hoyzer habe auf seine Fragen nach dem Spiel nicht geantwortet. Karin, die Ehefrau des Co-Trainers Ralf Zumdick, sei nach dem Spiel auf den Rasen gestürmt und habe sofort gesagt, dass jeder gesehen habe, dass auf dem Platz etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Doch alle Fragen und Beschwerden blieben unbeantwortet.

Das Spiel in Paderborn war der Anfang vom Ende der Karriere des Erfolgstrainers Klaus Toppmöller. Nach der peinlichen Niederlage gegen den Amateurverein wandte sich die öffentliche Stimmung gegen ihn. Die Demontage begann. Keine zwei Monate später war Toppmöller entlassen. Seitdem hat er kein Engagement mehr in der Bundesliga erhalten. „Das war das Ende vom Lied“, sagt er dazu knapp.

Auf der Tribüne jubelten dagegen die Sapinas. Finanziell hatte sich der Ausflug nach Paderborn für die kroatischen Brüder mehr als gelohnt. Stattliche 778.502,10 Euro Wettgewinn kassierten sie für den Sieg des SC Paderborn. Wenn das kein Grund zum Feiern ist.

Wer ist der Navigator?

Ante Sapina ist das Nesthäkchen der Familie. Seine beiden älteren Brüder wurden noch in dem kleinen Ort Kosica bei Split in Kroatien geboren, aus dem die Familie stammt. Sie sind neun und elf Jahre älter als Ante, der in Duisburg geboren wurde, nachdem die Familie dorthin ausgewandert war. Der Vater starb 1988 überraschend, der älteste Bruder Milan wurde zum Familienoberhaupt. Alle vier zogen nach Berlin, wo die Mutter als Putzfrau arbeitete und Milan einen Automatenverleih gründete.

Schon in der Grundschule zeigte sich die mathematische Begabung Ante Sapinas. Nach dem mühelos absolvierten Abitur schrieb er sich an der Technischen Universität für Volkswirtschaft ein.

Gleichzeitig begann Ante systematisch zu spielen. Zunächst per Post bei britischen und österreichischen privaten Wettanbietern. Den ganzen Tag über sammelte er Informationen über Sportereignisse, und wenn er ein geeignetes Match fand, wettete er.

Mit dem Internet öffnet sich für den Spieler eine neue Welt. Informationen und Quoten sind jetzt weltweit abrufbar. Antes Geschäftsidee reift. „Die Fehler der Buchmacher waren mein Vorteil“, erklärt er. Und: „Die Quote muss höher sein als die Wahrscheinlichkeit, dann ist man auf Dauer im Plus.“ Ante verglich die Quoten der internationalen Buchmacher, und wenn in den USA die Quote sank, weil ein Tennisspieler möglicherweise verletzt in eine Partie ging, dann handelte Ante, bevor die deutschen Anbieter ihre Quoten angeglichen hatten. Seine Brüder nannten ihn deswegen den „Navigator“.

Fragen und ein Kugelschreiber

Der Paderborner Coup der Sapinas ließ das staatliche Wettunternehmen Oddset aufhorchen. Konnte es mit rechten Dingen zugehen, dass ein Kunde eine derartige Summe legal gewann? Die Gesellschaft sperrte zunächst die Auszahlung des Gewinns. Der damalige Berliner Lottochef Falko von Falkenhayn lud den Großzocker Ante Sapina vier Tage später, am 25. August 2004, in die Zentrale der Deutschen Klassenlotterie Berlin in die Brandenburgische Straße. Ante erklärte den neugierigen Gastgebern sein Wett-System. Die Herren hörten aufmerksam zu und glaubten Sapina, der die Gelegenheit nutzte, darum zu bitten, das Wetten mit noch höheren Einsätzen technisch zu erleichtern. Am Ende dieses Gesprächs überreichten die Lottochefs Ante und dem Oddset-Filialleiter Levent K. ein Portmonee und einen Lotto-Kugelschreiber. Man wünschte sich gegenseitig Glück.

Oddset war nicht das erste Unternehmen, das Ante Sapinas Jonglieren mit großen Summen aufgefallen war. Schon zwei Monate zuvor hatte die Citibank Interesse an dem dicken Konto ihres Kunden bekommen. Es wies ein Guthaben von mehr als 800.000 Euro auf, was für die Banker schwer mit dem Leben eines Studenten in Einklang zu bringen war. Sie stellten eine Verdachtsanzeige wegen Geldwäsche – die jedoch, wie der Verdacht beim Pokalspiel zuvor, versandete.

Der Durchbruch

Der „Durchbruch“, wie er es selbst nennt, war Ante Sapina in den Jahren 1999 und 2000 gelungen. An einem der ersten Wettautomaten in einem Café in der Charlottenburger Knesebeckstraße hatte er auf einen Schlag 76.000 D-Mark gewonnen, 50?000 davon setzte er zu Beginn der Fußball-Bundesliga-Saison auf Bayern München als Deutschen Meister. Bayern wurde Meister und Ante war um weitere 100.000 D-Mark reicher. Den damaligen Gewinnschein trägt er noch heute als Talisman bei sich. Er entschloss sich, dass Studium sausen zu lassen und sich nur noch dem Wetten zu widmen. Er kaufte sich einen Computer mit Internetanschluss und unternahm kaum noch anderes, als sich mit Quoten und Sportergebnissen auf der ganzen Welt zu beschäftigen. Er entwickelte das System Sapina, das ihn zum größten Zocker in der Hauptstadt machte.

In Berlin begannen sich in dieser Zeit erste private Buchmacher zu etablieren. Da war Ante schon weltweit vernetzt und nutzte seinen Informationsvorsprung weidlich. Allein sein Lieblingswettlokal in der Mansteinstraße verzeichnet im Jahr 2002 einen Umsatz von 500.000 Euro auf seinen Namen.

Um den Reiz zu erhöhen, setzte Ante nur Höchstbeträge. „Es ist ganz einfach: Wer viel gewinnen will, muss viel setzen“, erklärt der weniger begabte, aber geschäftstüchtige ältere Bruder Milan Sapina. Alle drei Sapinas leben zu diesem Zeitpunkt noch in der Wohnung mit ihrer Mutter zusammen. Ein Freund charakterisiert die ungleichen Brüder so: Ante ist sehr schlau und sehr geschäftstüchtig. Milan ist nicht so schlau, aber sehr geschäftstüchtig. Filip ist weder das eine noch das andere, aber ein begabter Pokerspieler. Schnell hat Ante viele hunderttausend Euro auf dem Konto – und die Wettanbieter gegen sich.

Rausschmiss hintenrum

Es folgt das, was Ante später als „Rausschmiss hintenrum“ bezeichnet. Die Berliner Buchmacher wollen sich nicht mehr von dem Studenten ausnehmen lassen und sprechen harte Auflagen aus: Er darf nicht mehr auf US-Sportarten wetten, keine Handballspiele, kein Tennis, keine ausländischen Fußballligen, keine Basketballspiele und nur noch höchstens 1000 Euro je Wette einsetzen. Schließlich erlauben sie dem findigen Kroaten auch keine Einzelwetten mehr. „Sie haben mich rausgeekelt“, bilanzierte Ante enttäuscht. Zuletzt bleibt ihm nur noch der staatliche Anbieter Oddset mit einem Höchsteinsatz von 500 Euro je Wettschein und „den schlechtesten Quoten in ganz Europa“, wie er sagt.

Allen Auflagen zum Trotz macht Ante Sapina immer weiter. Er passt sein ausgeklügeltes System immer wieder an. Und er sucht nach neuen Wegen, an das schnelle Geld zu kommen. So löst Sapina den ersten größten Wettskandal der deutschen Fußballgeschichte aus, der den DfB ein Jahr vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land bis ins Mark erschüttert.

Beim DFB bricht Hektik aus. Was ist zu tun? Erst einmal nichts und dann die Angelegenheit so schnell wie möglich beenden, lautet das Krisenmanagement. Zwei Tage später veröffentlicht der DFB eine Mitteilung: Hoyzer tritt zurück, betroffene Spiele können nicht wiederholt werden, heißt es lapidar. Später erhält de HSV zwei Millionen Euro Entschädigung für das verschobene Pokal-Aus. Die Behörden sind über das Verhalten des DFB nicht begeistert. Man zweifle am Willen zur unbedingten Aufklärung, heißt es.

Spandau und die weite Welt

„Meine Geldgier hat alles kaputtgemacht“, sagt Robert Hoyzer im Nachhinein. Sein Leben auf der Überholspur endete vor den Schranken des Kriminalgerichts. Der Traum von Geld, Spaß und Luxus ohne Anstrengung zerplatzte.

Hoyzer ist ein einfacher Spandauer Junge. Nach der Mittleren Reife lernte er zunächst Zimmermann, bevor er das Fachabitur absolvierte. Seine Liebe aber gehört dem Fußball. Er tritt in die Fußstapfen des Vaters und schlägt bereits mit 15 Jahren eine Karriere als Schiedsrichter bei seinem Lieblingsverein Hertha BSC ein. Schnell steigt er auf und darf in immer höheren Ligen pfeifen. Dabei hilft ihm seine stattliche Figur. 1,98 Meter groß ist er und sportlich. Auf dem Platz verfügt er so über eine natürliche Autorität. Mit 22 Jahren ist er der jüngste Schiedsrichter in der Zweiten Liga. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, wann er sein Debüt in der Bundesliga gibt. Hoyzer ist Vorbild. Er leitet eine Gruppe von Nachwuchsschiedsrichtern in Charlottenburg-Wilmersdorf. Es finden regelmäßige Treffen statt. Eines Tages sagt Robert Hoyzer nach so einem Treffen: „Kommt, lasst uns im Café King noch einen Absacker nehmen.“

Der Pakt mit dem Frosch

Das Café King befindet sich nur einen Steinwurf von der Gedächtniskirche entfernt und ist eine beliebte Sportlerkneipe, die auch gelegentlich von Bundesligaspielern besucht wird. Hoyzer gefällt es hier. Besonders beeindruckt ist er vom offen zur Schau gestellten Lebensstil der Inhaber. Vor dem Lokal parken teure Autos, die Leute hier haben offenbar viel Zeit, keine Geldsorgen und tragen stets ein Bündel Scheine in der Hemdtasche.

Bald trägt auch Hoyzer das Geld in der Brusttasche seines Hemdes und ist Stammgast im Lokal. „Ich gehörte zum Inventar“, sagt er. Als solches wurde er den Sapina-Brüdern praktisch auf dem Präsentierteller serviert. Sie freundeten sich schnell mit dem aufstrebenden Schiedsrichter an. Das fiel Ante nicht schwer. Es gibt außer privaten Wettanbietern niemand, der sich dem Charme des jungen Kroaten entziehen kann. Ante ist stets gut gelaunt, klug, zuvorkommend und trotz seines beträchtlichen Vermögens bescheiden. Während seine Brüder einen kleinen Fuhrpark mit teuren Autos pflegen, fährt er täglich mit dem Motorroller durch die Stadt, um in den verschiedenen Wettbüros seine Wetten zu platzieren. Und Ante zeigt Mitgefühl. Als er Weihnachten 2004 von dem verheerenden Tsunami in Thailand erfährt, spendet er bei der Hilfsgala des Fernsehsenders RTL spontan 50.000 Euro an die Opfer.

Ante gewinnt das Vertrauen des neuen Stammgastes. Er sagt: „Nach einem kroatischen Sprichwort war Robert ein Frosch. Dem muss man auch nicht sagen, dass er ins Wasser springen soll.“

Mit Hoyzer vereinfacht sich die Arbeit Ante Sapinas deutlich. Statt, wie bisher, mühsam Spieler zu finden, die bereit sind, gegen Geldzahlungen Spiele zu beeinflussen, kann ein Schiedsrichter viel leichter die Geschicke in die gewünschte Richtung lenken. Er sei sein Schatz, sagt Ante Sapina zu Hoyzer.

Der Frosch springt ins Wasser

Mitte Mai 2004 ist es soweit. Bei einem nächtlichen Gespräch im Café King erzählt Ante dem jungen Schiedsrichter von seinen Wetten und deutet an, wie man die Wahrscheinlichkeit eines Wettgewinns erhöhen könnte. Was sei es ihm wert, wenn er mitmache, fragte Robert. Es sei ihm viel wert, antwortet Ante.

Für Hoyzer ist so ein Angebot nicht ganz neu. Ein halbes Jahr zuvor hatte er die Partie Chemnitzer FC gegen Sachsen Leipzig geleitet. Der damalige Sachsen-Präsident ließ über den Vater Robert Hoyzers anfragen, ob der Sohn bereit sei, gegen Geld das Spiel zu Leipzigs Gunsten zu lenken. Hoyzer sagt später aus, das Angebot abgelehnt zu haben. Dass er Weihnachten dennoch 500 Euro aus Leipzig bekommen habe, habe damit nichts zu tun. Leipzig habe die Partie auch ohne Manipulation gewonnen.

Der Frosch springt ins Wasser

Wie auch immer: Am 22. Mai 2004 springt der Frosch ins Wasser. Hoyzer pfeift das Spiel Paderborn gegen Chemnitz. 8000 Euro erhält er am Abend vor dem Spiel von Ante. Paderborn sollte siegen und bereits zur Halbzeit führen, lautete die Absprache zwischen dem Zocker und dem Schiedsrichter. Eine Wette mit einer vorhergesagten Halbzeitführung erhöht die Quote.

Sapina hatte ihm das Geld bereits vor der Partie gegeben, um Hoyzer unter Druck zu setzen, damit er nicht doch noch abspringe. Gleichzeitig hatte Ante dem Chemnitzer Spieler Steffen Karl 8000 Euro für den Fall in Aussicht gestellt, mit Absicht schlecht zu spielen und so den Paderborner Sieg zu erleichtern.

Kurz vor Ende der ersten Halbzeit überschlagen sich die Ereignisse. Hoyzer pfeift einen unberechtigten Elfmeter für Paderborn, um die Halbzeitführung zu organisieren und somit die erste Hälfte des Wettgewinns sicherzustellen. Doch zu seinem Leidwesen meldet sich seine Linienrichterin Inka Müller vehement zu Wort. Das vermeintliche Foul hat sich direkt vor ihren Augen abgespielt. Sie drängt Hoyzer dazu, den Elfmeter zurückzunehmen. Hoyzer beugt sich – die Wette ist verloren.

Der Schiedsrichter muss die 8000 Euro bei einem Treffen im Restaurant Zwölf Apostel wieder abgeben. Sein Kommentar dazu habe schlicht „Scheiße“ gelautet, sagt Ante. „Natürlich“, habe Ante geantwortet. „Du hast das Geld schon fast gehabt.“

Hoyzer brennt auf eine neue Chance. Doch Ante kommen Zweifel. Ist Hoyzer am Ende doch nur ein Sprücheklopfer? Er bittet den zerknirschten Hoyzer, ihm weitere Schiedsrichter zu beschaffen, die bereit sind, Spiele zu verschieben.

Das Ende naht

Schon eine Woche später bekommt Hoyzer eine neue Gelegenheit. Er pfeift das Spiel Wuppertaler SV gegen Werder Bremen II. Diesmal geht der Plan auf, Wuppertal siegt 1:0 und führte bereits zur Halbzeit. Doch der Gewinn bleibt aus. Ein sicher geglaubtes Spiel, mit dem Sapina die Wette kombiniert hatte, endete anders als gewettet. Hoyzer darf die 3000 Euro dennoch behalten.

Es folgen weitere Manipulationsversuche Sapinas in der zweiten und dritten Liga, darunter Partien zwischen Braunschweig und St. Pauli, Union und Braunschweig, Unterhaching und Saarbrücken und eben Paderborn und HSV.

Das betrügerische Netzwerk wächst. Mittlerweile erklärt sich auch Hoyzers Kollege Dom