Viborg. Deutschlands Fußballerinnen haben kurz nach dem WM-Desaster gegen Dänemark einen Fehlstart in die Olympia-Qualifikation hingelegt.

Der Abpfiff war kaum ertönt, da versammelten sich die frustrierte Alexandra Popp und ihre Kolleginnen gleich zum nächsten Krisenstab. „Diese Niederlage bedeutet: Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, gab Abwehrchefin Marina Hegering nach dem kapitalen Fehlstart der verunsicherten deutschen Fußballerinnen in die Olympia-Qualifikation unumwunden zu.

50 Tage nach dem WM-Desaster misslang der neue Aufbruch inmitten der Debatte um die erkrankt fehlende Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg beim 0:2 (0:1) in Dänemark so gründlich, dass der Traum von Paris 2024 schnell zu platzen droht. Zu anfällig und harmlos agierten die interimsweise von Britta Carlson betreuten Vize-Europameisterinnen, was Amalie Vangsgaard (23./64.) per Doppelpack bestrafte.

Dienstag in Bochum gegen Wales

Deutschlands Interimstrainerin Britta Carlson.
Deutschlands Interimstrainerin Britta Carlson. © Getty

„Der Druck in der Nations League ist sofort immens: Im neuen UEFA-Wettbewerb stehen die zwei europäischen Tickets für Olympia in Paris auf dem Spiel, der Gruppensieg ist Pflicht. Schon am Dienstag (18.15 Uhr/ZDF) wartet in Bochum das nächste knifflige Duell mit Island, dritter Gegner ist Wales. Innenverteidigerin Kathrin Hendrich forderte: „Wir müssen uns jetzt alle am Riemen reißen.“

Die Umstände hatten die heikle Mission Neustart noch schwieriger gemacht. „Klar ist das Gesprächsthema. Man weiß einfach nicht, wie es weitergeht“, sagte Carlson. Der DFB hatte vor zwei Wochen mitgeteilt, dass die in die Kritik geratene Bundestrainerin die September-Länderspiele krankgeschrieben verpasst. Die WM-Aufarbeitung ist daher noch nicht abgeschlossen, die Zukunft von „MVT“ offen.

Es mangelt an Ideen

Dänemarks Katrine Veje (vorne) gegen Jule Brand.
Dänemarks Katrine Veje (vorne) gegen Jule Brand. © Getty

Vor 4210 Fans in Viborg setzte Carlson auf das gewohnte 4-3-3-System mit Popp in der Spitze, das beim 1:1 gegen Südkorea beim historischen WM-Vorrunden-Aus in Australien erfolglos verändert worden war. Die ersten Akzente in einer hektischen Anfangsphase setzte Lina Magull, die nach 30 Sekunden erstmals abschloss. Danach hakte es jedoch zunehmend bei der deutschen Auswahl, es mangelte an klaren Ideen und Bewegung ohne Ball.

„Wir spielen nicht mit dem Selbstbewusstsein, das wir nach der EM hatten“, monierte Giulia Gwinn, die bis zur Pause auf ihr ersehntes Comeback warten musste. Die 24-Jährige vom FC Bayern war rund ein Jahr nach ihrem zweiten Kreuzbandriss zum DFB-Team zurückgekehrt. Die Hoffenheimerin Sarai Linder begann auf der Position rechts in der Abwehrkette, wo Svenja Huth nach der Geburt ihres Sohnes fehlte.

Defensive bleibt eine Baustelle

Die wacklige deutsche Defensive, bei der WM eine Dauer-Baustelle, musste hellwach sein gegen das schnelle dänische Umschalten. Die Neu-Münchnerin Pernille Harder forderte immer wieder den Ball und schickte beim Führungstreffer Vangsgaard, die sich mit robustem Einsatz gegen Linksverteidigerin Felicitas Rauch durchsetzte und überlegt abschloss.

Gwinn und Jule Brand brachte Carlson als frische Kräfte für die rechte Seite, das DFB-Team erzeugte wieder mehr Druck. Kopfbälle der bemühten Sydney Lohmann (54.) und Popp (56.) verfehlten das Tor nur knapp. Dann aber spielte Gwinn unter Bedrängnis unsauber ins Zentrum, Vangsgaard nutzte die unsortierte Defensive erneut aus. (sid/fs)