WM 2022

WM-Liveblog: Mund-zu-Geste hat keine Folgen für DFB-Spieler

| Lesedauer: 15 Minuten
Katar-Report: Der Eklat um die One Love-Binde

Katar-Report: Der Eklat um die One Love-Binde

Am Mittwoch startet die deutsche Nationalmannschaft in die Fußball-WM 2022. Unser Reporter Kai Schiller hat die aktuellen News aus Katar.

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Deutschland verliert sein WM-Autaktspiel gegen Japan mit 1:2. Gegen Spanien droht bereits das Aus. Alle News vom Mittwoch im Liveblog.

Doha. 
  • Die Debatte um das „One Love“-Verbot hat den Deutschen Fußball-Bund (DFB) auch rund um das erste WM-Spiel der Nationalmannschaft in Atem gehalten. Deutschlands Spieler setzten vor dem Spiel gegen Japan ein Zeichen.
  • Der Zoff um die von der Fifa nicht gewünschte Binde wurde vor dem Spiel auch im ARD-Studio diskutiert. Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat den Weltverband scharf kritisiert. Auch Weltmeister Sami Khedira übte Kritik.
  • Nach der WM-Auftaktpleite gegen Japan (1:2) steht die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gehörig unter Druck. Das Team von Bundestrainer Hansi Flick trifft in seinem zweiten Gruppenspiel am Sonntag auf Spanien.
  • Die viel beachtete Mund-zu-Geste vor Deutschlands WM-Start gegen Japan (1:2) wird keine Folgen für die Nationalspieler haben. Das teilte der Fußball-Weltverband FIFA am Mittwochabend wenige Stunden nach der Begegnung mit, zuvor hatte die Disziplinar-Kommission darüber beraten.

Am vierten Spieltag der WM in Katar gibt es erneut Fußball satt. Vier Partien stehen auf dem Programm, nach dem Auftakt zwischen Marokko und Kroatien (11 Uhr) wird es zum ersten Mal für die deutsche Nationalmannschaft ernst. Um 14 Uhr ist Anstoß gegen Japan. Auch Spanien und Costa Rica sowie Belgien und Kanada steigen heute ins Turnier ein.

WM 2022 in Katar am Mittwoch: Alle Infos im Liveblog

Deutschland verliert gegen Japan: Alle News zum Spiel

Dänemark: WM-Aus für Ex-BVB-Profi Delaney

Für den früheren Bundesliga-Profi Thomas Delaney ist die Fußball-Weltmeisterschaft schon nach einem Spiel beendet. Der Mittelfeldspieler der dänischen Nationalmannschaft zog sich im ersten Gruppenspiel gegen Tunesien (0:0) eine Knieverletzung zu.

Genauere Untersuchungen ergaben, dass der 31-Jährige vom FC Sevilla etwa vier Wochen pausieren muss. Das gab der dänische Verband am Mittwochabend bekannt. „Wir werden ihn vermissen - auf und neben dem Platz. Andere Spieler sind aber bereit und wir haben einen starken Kader für die nächsten Spiele“, sagte Trainer Kasper Hjulmand. Delaney spielte vor seinem Wechsel nach Spanien für Borussia Dortmund und Werder Bremen.

Fifa hat entschieden: Mund-zu-Geste bleibt ohne Folgen

20:50 Uhr: Die viel beachtete Mund-zu-Geste vor Deutschlands WM-Start gegen Japan (1:2) wird keine Folgen für die Nationalspieler haben. Das teilte der Fußball-Weltverband Fifa am Mittwochabend wenige Stunden nach der Begegnung mit, zuvor hatte die Disziplinar-Kommission darüber beraten.

Das deutsche Team hatte auf die Verbotspolitik der FIFA reagiert, vor dem Anpfiff in Ar-Rayyan stellte sich die Startelf vor den Augen von Fifa-Präsident Gianni Infantino zum Teamfoto auf, alle Spieler hielten sich dabei demonstrativ den Mund zu. Im Fernsehen war die Aktion nur von der Seite zu sehen, das Weltbild zeigte sie nicht. Vorausgegangen war eine tagelange Diskussion um die „One Love“-Binde - diese trug Bundesinnenministerin Nancy Faeser demonstrativ auf der Tribüne.

100. WM-Tor von Spanien - erzielt von Leipzigs Olmo

Dani Olmo hat mit dem Auftakttreffer für Spanien bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar auch noch ein Jubiläumstor erzielt. Die 1:0-Führung am Mittwoch in der elften Minute im Al-Thumama Stadion von Doha gegen Costa Rica war der 100. WM-Treffer des Titelträgers von 2010. Gegen die überforderten Zentralamerikaner gewannen die Spanier am Ende mit 7:0 und kommen damit auf 106 WM-Tore.

Zusammen mit der aktuell von Luis Enrique trainierten Mannschaft der Spanier haben erst sechs Nationen 100 Tore und mehr bei einer WM erzielt. Mit 229 liegt Rekordchampion Brasilien ganz vorn, gefolgt von Deutschland mit zwei Treffern weniger (227). Argentinien (138), Italien (128) und Frankreich (124) trafen ebenfalls schon dreistellig.

Spaniens Supertalent Gavi ist mit seinem Treffer zum zwichenzeitlichen 5:0 gegen Costa Rica (7:0) der jüngste WM-Torschütze seit Pele. Der Mittelfeldspieler war bei seinem Tor am Mittwoch 18 Jahre und 110 Tage alt, der brasilianische Superstar hatte bei der WM 1958 im Alter von 17 Jahren und 239 Tagen getroffen.

One-Love-Ärger: Linienrichter prüft Kapitänsbinde von DFB-Torwart Manuel Neuer

14:04 Uhr: Die Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft haben sich vor dem WM-Spiel gegen Japan geschlossen den Mund zugehalten. Nach den vom Weltfußballverband Fifa angedrohten Sanktionen für das Tragen der „One Love“-Binde protestierten die Spieler um Kapitän Manuel Neuer am Mittwoch in Doha auf diese Weise gegen das Vorgehen der Fifa.

Neuer verzichtete wie erwartet auf das Tragen der Binde. Einer der Schiedsrichterassistenten prüfte unmittelbar vor dem Anpfiff an Neuers Arm, ob dieser sich an die Vorgaben des Fußballverbands für die WM in Katar hält.

Nancy Faeser trägt "One-Love"-Binde

13:58 Uhr: Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat beim WM-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Japan die für DFB-Kapitän Manuel Neuer verbotene „One Love“-Binde getragen. Die SPD-Politikerin zeigte die Binde, die sie zunächst unter ihrem pinken Blazer trug, im Verlauf der ersten Halbzeit, als sie den Blazer auszog. Gemeinsam mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf verfolgte Faeser die Partie. Vor dem Anpfiff waren beide auch mit FIFA-Präsident Gianni Infantino zusammengetroffen. Der DFB hatte die FIFA für das „One Love“-Verbot scharf kritisiert.

Flick-Interview geplatzt: TV-Reporter wettert gegen FIFA

Ein geplatztes Interview mit Bundestrainer Hansi Flick hat TV-Reporter Thomas Wagner schwer in Rage versetzt. „So ein Chaos habe ich in 25 Jahren als Reporter noch nie erlebt“, wetterte der MagentaTV-Journalist am Mittwoch kurz vor dem Anpfiff des WM-Auftaktspiels der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Japan. Eigentlich sei alles mit der Medienabteilung des Deutschen Fußball-Bundes für den kurzen Termin mit Flick besprochen gewesen, dann habe kurzfristig ein Vertreter des Weltverbands FIFA interveniert. „Das ist schon bemerkenswert“, sagte Wagner.

Der FIFA-Abgeordnete habe erklärt, am Spielfeldrand dürfe das Interview nicht stattfinden. Als Wagner in die Katakomben eilte, sei dort keine Kamera für ihn vorgesehen gewesen. Ein weiterer Versuch, Flick doch noch auf dem Rasen zum Gespräch zu bekommen, sei auch gescheitert. „Jetzt stehe ich hier alleine“, stellte Wagner konsterniert fest und schimpfte: „35 Leute in FIFA-Anzügen und keiner weiß, was zu tun ist.“

WM-Auftakt mit Müller, Gündogan und Schlotterbeck

12:52 Uhr: Hansi Flick setzt gleich zum WM-Auftakt auf seinen Wortführer Thomas Müller. Der Profi von Bayern München steht nach verschiedenen gesundheitlichen Problemen in den vergangenen Wochen gegen Japan (14.00 Uhr MEZ/ARD und MagentaTV) in der deutschen Startaufstellung.

Im Mittelfeld entschied sich der Bundestrainer neben Joshua Kimmich für Ilkay Gündogan. Kimmichs Münchner Klubkollege Leon Goretzka sitzt zunächst auf der Bank. Kai Havertz darf als Nummer neun ran.

Vor Kapitän Manuel Neuer im deutschen Tor verteidigt Niklas Süle wie zuletzt bei Borussia Dortmund rechts. Neben Abwehrchef Antonio Rüdiger besetzt Nico Schlotterbeck etwas überraschend das Zentrum, David Raum agiert links. Müller wird flankiert von seinen Bayern-Mitspielern Serge Gnabry und Jamal Musiala. - Die deutsche Aufstellung: Neuer - Süle, Rüdiger, Schlotterbeck, Raum - Kimmich, Gündogan - Gnabry, Müller, Musiala - Havertz. - Trainer: Flick

Deutschland gegen Japan: Hier ist unser Live-Ticker

11:52 Uhr: Nach dem FIFA-Eklat um die „One Love“-Kapitänsbinde hat DFB-Direktor Oliver Bierhoff wenige Stunden vor dem WM-Auftakt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Japan um mehr Verständnis aus der Heimat für die Spieler geworben. „Letztlich bekommen die Spieler immer wieder Kritik ab. Das tut natürlich an der einen oder anderen Stelle weh, weil man denkt: Wann ist es genug und wann kann ich mich auf die WM konzentrieren“, sagte Bierhoff am Mittwoch in der ARD.

Der Weltverband FIFA hatte Sanktionen angedroht für den Fall, dass die „One Love“-Kapitänsbinde bei den WM-Spielen in Katar getragen wird. Der DFB verzichtet daher wie alle teilnehmenden Nationen auf die geplante Aktion. Kapitän Manuel Neuer und seinen Teamkollegen wird in Deutschland deshalb vielfach Charakterschwäche vorgehalten. „Es liegt jetzt an uns, die Sympathien der Fans wiederzugewinnen“, sagte Bierhoff.

Die vielen kritischen Reaktionen aus Deutschland würden die Spieler sehr beschäftigen, berichtete der 54-Jährige. Schließlich sei man das Thema „schon vor einem Jahr sehr ernsthaft angegangen“, betonte Bierhoff. Es habe im Vorfeld der WM in Katar Gespräche mit Menschenrechtsorganisationen und Betroffenen gegeben, zudem sei ein Symposium veranstaltet und eine Million Euro für die Nepal-Hilfe gespendet worden. Dass die FIFA die Aktion für eine gute Sache unterbunden habe, sei „ein herber Schlag“ gewesen.

WM 2022: TV-Quoten auch am dritten Tag niedrig

09:28 Uhr: Die Einschaltquoten bei den Übertragungen von der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar bleiben niedrig. Auch am dritten Tag des Turniers ist das Interesse deutlich geringer als vor vier Jahren bei der WM in Russland. Keines der drei Spiele am Dienstag im ZDF kam über die Fünf-Millionen-Marke.

Die meisten Fernseh-Zuschauer gab es am Abend bei der Partie Frankreich gegen Australien mit durchschnittlich 4,963 Millionen Zuschauern. Die Partie im Zweiten erreichte nach Angaben des Senders einen Marktanteil von 18,4 Prozent. Mehr Zuschauer in der Primetime fand in der ARD „Die Kanzlei, Folge 65“ mit 5,051 Millionen.

Beim ersten Spiel des Tages zwischen Dänemark und Tunesien schauten ab 14 Uhr 2,42 Millionen im ZDF zu (Marktanteil 24,6 Prozent). Bei der nachfolgenden Begegnung Mexiko gegen Polen waren es 4,14 Millionen (23,7 Prozent). Die Telekom, die alle WM-Partien überträgt, veröffentlicht keine Zahlen.

Zum gleichen Zeitpunkt der WM in Russland hatte es bereits Partien mit Zuschauerzahlen über der Zehn-Millionen-Marke gegeben. Der Durchschnitt der Vorrunden-Spiele lag 2018 bei den ARD- und ZDF-Übertragungen über neun Millionen.

Musiala wirbt für gemeinsamen Einsatz mit Müller

08:20 Uhr: Jamal Musiala hat vor dem WM-Auftaktspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Japan (14.00 Uhr MEZ/ARD und MagentaTV) für einen gemeinsamen Einsatz mit Teamkollege Thomas Müller geworben. „Thomas ist eine geborene Nummer 10, er weiß, was er dort macht. Ich kann dann auf den Positionen um ihn herum wechseln: mal auf die 9, mal auf 8, mal auf Außen. Diese Flexibilität gefällt mir“, sagte Musiala der Sport Bild. Dadurch könne man „die gegnerischen Verteidiger verwirren“.

Vor der Begegnung mit dem viermaligen Asienmeister wurde darüber diskutiert, ob für den länger verletzten Müller in der DFB-Auswahl überhaupt Platz ist und der formstarke Musiala auf der zentralen Position spielen muss. „Ich glaube, keiner kann Thomas die Zehner-Rolle wegnehmen. Wenn er fit ist, dann wird er auch spielen. Wir sind beide vorne sehr flexibel. Ich kann super mit Thomas kombinieren, es macht richtig Spaß, mit ihm zu spielen“, sagte der 19-Jährige und ergänzte: „Wir wollen die Spielfreude, die wir miteinander auf dem Spielfeld haben, allen zeigen.“

Bayern-Profi Hernandez erleidet Kreuzbandriss

08:00 Uhr: Für Fußball-Weltmeister Lucas Hernández ist die WM in Katar vorzeitig beendet - und auch dem FC Bayern München wird der Abwehrspieler wohl lange Zeit fehlen. Wie der französische Verband in der Nacht zum Mittwoch mitteilte, erlitt Hernández beim 4:1-Auftaktsieg der Franzosen gegen Australien einen Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie. Der Rekord-Einkauf des FC Bayern, der diese Saison auch schon mehrere Wochen wegen eines Muskelbündelrisses im Adduktorenbereich gefehlt hatte, erlitt die Verletzung bereits in der 9. Minute. Er ist der sechste prominente Ausfall bei Weltmeister Frankreich. Vertreten wird ihn im weiteren Turnierverlauf wie nach dessen Einwechslung gegen Australien wohl sein Bruder Theo.

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WM 2022 in Katar: Diese Spiele stehen am Mittwoch an

Marokko - Kroatien (11 Uhr/ARD/Magenta TV)

Ein Duell mit einem vermeintlichen Favoriten - schließlich ist Kroatien Vize-Weltmeister. Doch auch die Marokkaner haben mit Noussair Mazraoui (Bayern München), Achraf Hakimi (Paris Saint-Germain) und Spielmacher Hakim Ziyech (FC Chelsea) drei absolute Topstars an Bord. Ex-Coach Vahid Halilhodzic hatte Ziyech und Mazraoui aus disziplinarischen Gründen rausgeworfen und musste schlussendlich selbst gehen. Nachfolger Walid Regragui holte beide für die WM wieder zurück in den Kader.

Kroatien hat eine starke Nations-League-Saison gespielt und wurde Gruppensieger vor Dänemark und Weltmeister Frankreich. Regisseur ist der mittlerweile 37 Jahre alte Luka Modric.

Deutschland - Japan (14 Uhr/ARD/Magenta TV)

Nach dem Wirbel rund um die „One Love“-Binde muss Deutschland den Fokus auf das rein Sportliche legen. Nach dem frühen WM-Aus in Russland soll ein Auftaktsieg Sicherheit geben. Verzichten muss Bundestrainer Hansi Flick dabei auf den am Knie verletzten Leroy Sané.

Japan kommt mit geballter Bundesliga-Power: Frankfurts Daichi Kamada, Stuttgarts Wataru Endo und der Schalker Maya Yoshida zählen zu den Stammspielern. Wer im Tor steht, ist hingegen noch offen.

Spanien - Costa Rica (17 Uhr/ARD/Magenta TV)

Bei Spanien kommen nach den ehemaligen Weltstars rund um Xavi, Andrés Iniesta und Co. drei absolute Toptalente mit „i“ für das spanische Mittelfeld: Pedri, Gavi und Fati. Im Sturm setzen die Weltmeister von 2010 hingegen auf Routine: Der 30-jährige Alvaro Morata soll für die Tore sorgen. Costa Rica gilt, wie praktisch immer, als absoluter Außenseiter. Topstar ist Keeper Keylor Navas, der mit Real Madrid dreimal die Champions League gewann.

Belgien - Kanada (20 Uhr/ARD/Magenta TV)

Belgien ist längst kein Geheimfavorit mehr. Mit inzwischen in die Jahre gekommenen Weltstars wie dem derzeit verletzten Romelu Lukaku, Eden Hazard oder auch Kevin de Bruyne sind die Belgier Mitfavorit auf den Titel. Kanada hofft auf die individuelle Klasse von Bayern-Star Alphonso Davies. Auch der 22-jährige Stürmer Jonathan David (LOSC Lille) könnte Akzente setzen.