Sportstadt Berlin

Multi-Meisterschaften von der Spree bis zum Olympiapark

| Lesedauer: 10 Minuten
Mit Volldampf geht es im Strandbad Wannsee auf die Strecke.

Mit Volldampf geht es im Strandbad Wannsee auf die Strecke.

Foto: picture alliance/Eibner

In Berlin weht an diesem Wochenende wieder der Hauch von Olympischen Spielen. Ein Überblick über alle Wettkämpfe.

Berlin. 14 Sportarten bündeln ihre deutschen Meisterschaften und machen die Hauptstadt vom 23. bis 26. Juni zur ultimativen Sportstadt. Mehr als 2200 Athleten kämpfen um 190 Titel, dazu veranstaltet der Landessportbund Berlin sein Familiensportfest, bei dem Zehntausende Besucher im Olympiapark erwartet werden. ARD und ZDF übertragen gut 25 Stunden live von den Finals 2022, in Livestreams können alle Wettkämpfe komplett verfolgt werden. Die Morgenpost zeigt Ihnen auf einen Blick, was wo passiert.

Klingenkünstler im Kuppelsaal

Das Fechten feiert seine Premiere bei den Finals und will die große Berliner Bühne nutzen, um den Nachwuchs für sich zu begeistern. Die Frauen und Männer mit Florett, Säbel und Degen sind echte Frühstarter. Die ersten Wettkämpfe der grazilen Kampfsport-Disziplinen starten schon am Donnerstag, 23. Juni, im historischen Kuppelsaal im Olympiapark. Direkt nach den Europameisterschaften in Antalya (Türkei) und drei Wochen vor den Weltmeisterschaften in Kairo (Ägypten) geht es am Sonnabend und Sonntag ab 9 bzw. 8.30 Uhr um die Titel im Einzel und in der Mannschaft. Eintritt: Tickets ab 5 Euro (ermäßigt 2,50 Euro) an der Tageskasse.

Die Titel im Visier

Höchste Konzentration ist gefragt, wenn im Bogenschießen im Olympiapark die deutschen Meistertitel ins Visier genommen werden. Die zielsicheren Athleten ermitteln ihre Titelträger mit dem Recurve-Bogen, mit dem Compound- und mit dem Blankbogen. Die ersten Entscheidungen fallen schon am Freitag, 24. Juni. Am Sonnabend und Sonntag fliegen die Pfeile ab 11.45 Uhr dann im extra aufgebauten Stadion auf dem Olympischen Platz. Mittendrin ist Florian Unruh. Der Ehemann von Lisa Unruh, Berliner Silber-Medaillengewinnerin von Olympia 2016 in Rio, will „meine Leistung abrufen und Spaß haben“. Eintritt: kostenlos.

Akrobaten auf dem Sprungtuch

„Berlin ist für mich eine neue Erfahrung, deutsche Meisterschaften mit anderen Sportarten zusammen zu machen“, sagt Fabian Vogel vom MTV Bad Kreuznach. Seine Sportart, das Trampolinturnen, ist schließlich zum ersten Mal bei den Finals dabei. Schon seit den Olympischen Spielen 2000 in Sydney dürfen sich die Akrobaten auf dem Sprungtuch auf der großen internationalen Bühne präsentieren. In der Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg werden am Donnerstag ab 9 Uhr dann die nationalen Titelträger bei den Frauen und Männern ermittelt. Vogel will bei der Premiere direkt ganz vorn landen. Eintritt: Tickets ab 13,50 Euro unter https://diefinals.de/tickets/.

Startschuss im Strandbad Wannsee

Die Triathleten bekommen einiges zu sehen bei ihrem Wettkampf. Der Startschuss fällt mit dem Schwimmen (750 Meter) im Strandbad Wannsee, ehe die 20 Kilometer lange Radstrecke über die Havelchaussee zum Olympiapark führt. Dort werden die Laufschuhe für die abschließende Fünf-Kilometer-Runde geschnürt. Das Ziel ist für Frauen (Sonnabend ab 10.15 Uhr) und Männer (Sonntag ab 10.10 Uhr) am Olympiastadion. Neben der Elite gehen Mixed- und Para-Staffeln an den Start. Dort wird am Donnerstag und Freitag aber nicht im Wannsee geschwommen, sondern im Sommerbad Olympiastadion. Eintritt: kostenlos.

Trickreich am Neptunbrunnen

Trial ist eine immer noch ziemlich unbekannte Disziplin des Radsports. Obwohl die trickreichen Athleten nicht zum ersten Mal bei den Finals dabei sind. Mit ihren Rädern ohne Sattel fahren die Teilnehmer über Hindernisse, ohne dabei den Fuß auf dem Untergrund abzusetzen. Im Wettkampf gilt es, festgelegte Sektionen möglichst fehlerfrei in zwei Minuten zu absolvieren. Von 10 bis 13.10 Uhr sind Frauen und Männer am Sonnabend rund um den Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus mit ihren 20-Zoll-Rädern unterwegs. Am Sonntag fahren die Männer auch mit ihren 26-Zoll-Rädern (13.30 bis 15 Uhr). Eintritt: kostenlos.

Aus Budapest nach Berlin

Die Weltmeisterschaften sind noch nicht einmal vorbei, da steht für die deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer schon das nächste Highlight an. Neben der WM in Budapest geht es von Donnerstag (ab 11 Uhr) bis Sonntag (ab 9.30 Uhr) in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) an der Landsberger Allee in den Disziplinen Freistil, Rücken, Schmetterling und Brust um die nationalen Medaillen. Das Programm ist an allen vier Tagen pickepackevoll. Mittendrin: Sarah Wellbrock (vormals Köhler), die ihre Vormachtstellung über 1500 Meter Freistil behaupten will. Eintritt: Tickets für 24 Euro (ermäßigt 21 Euro) gibt es unter https://diefinals.de/tickets/.

Sprints vor der Oberbaumbrücke

Für Lisa Jahn und Jacob Schopf wird es ein Heimspiel. Die Canadier-Fahrerin und der Kajak-Spezialist kommen aus Berlin. „Die Finals in Berlin vereinen meine Herzensstadt und meine Passion“, sagt Schopf. Werden die Rennen sonst über 200, 500, 1000 und 5000 Meter ausgetragen, ermitteln die Kanuten ihre Meister vor der Oberbaumbrücke auf der Spree am Donnerstag (ab 14.15 Uhr), vor allem aber am Freitag (8:30 Uhr) in Head-to-Head-Rennen über nur 160 Meter. Auch die Canadier-Elite der Männer um die olympischen Bronzemedaillen-Gewinner Sebastian Brendel/Tim Hecker sowie der Berliner Conrad Scheibner treten an. Eintritt: kostenlos.

Mit dem Paddel auf Torejagd

Speed-Kanu-Polo ist wahrscheinlich nicht allzu vielen ein Begriff. Dabei handelt es sich um einen Mannschaftssport, bei dem zwei Teams mit je vier Spielerinnen und Spielern gegeneinander antreten. Jeder Akteur sitzt in einem eigenen Einerkajak und versucht, den Ball mit der Hand oder manchmal auch mit dem Paddel in das gegnerische Tor zu bringen. Schubsen ist erlaubt. Gewonnen hat die Mannschaft, die nach zweimal zehn Minuten die meisten Treffer erzielt hat. Bei Gleichstand entscheidet das Penaltywerfen. Zu sehen gibt’s Speed-Kanu-Polo am Donnerstag (ab 10 Uhr) und Freitag (ab 10.30 Uhr) an der Oberbaumbrücke. Eintritt: kostenlos.

Streetball am Alexanderplatz

Sommer, ein kleines Feld, ein Korb – die Zutaten für 3x3-Basketball. Die urbane Variante des Basketballs, auch als Streetball bekannt, feierte im vergangenen Jahr sogar seine Premiere bei den Olympischen Spielen in Tokio. In Berlin werden die nationalen Meister am Neptunbrunnen in Mitte ausgespielt. „So eine Atmosphäre wie bei den Finals findet man nicht oft“, sagt Leon Geronimo Fertig, der mit seinem Verein Düsseldorf LFDY in die Hauptstadt reist. Die Vorrunde startet schon am Freitag, 24. Juni ab 16 Uhr. Die Frauen sind am Sonnabend ab 11.40 Uhr dran, die Männer folgen am Sonntag ab 15.40 Uhr. Eintritt: kostenlos

Vierkampf im Olympiapark

Für die Modernen Fünfkämpfer werden es ungewöhnliche deutsche Meisterschaften. Nach den dramatischen Vorfällen bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio, als Annika Schleus Pferd mehrfach verweigerte, geriet das Springreiten als Disziplin in die Kritik. Das Ergebnis: Bei den Finals sind die Pferde kein Teil des Wettkampfes mehr. Die Fünfkämpfer ermitteln ihre Titelträger in einem Vierkampf – Degenfechten, Schwimmen, Schießen und Laufen (der sogenannte Laser-Run). Der Startschuss im Olympiapark fällt schon am Freitag mit dem Fechten, die Entscheidungen gibt’s am Sonnabend und am Sonntag (ab 13.30 Uhr/14 Uhr). Eintritt: kostenlos

Meisterlicher Balanceakt

Bloß nicht die Balance verlieren – das ist das Motto für Pauline Schäfer, die am Schwebebalken als große Favoritin in die Finals im Geräteturnen geht. Die Weltmeisterin von 2017 trifft in der Max-Schmeling-Halle auf ihre nationale Konkurrenz. Die Männer um Lukas Dauser, Silbermedaillengewinner von 2021 in Tokio, starten dort an sechs (Boden, Pauschenpferd, Ringe, Sprung, Barren, Reck), die Frauen an vier (Sprung, Stufenbarren, Schwebebalken, Boden) Geräten. Titel gibt’s von Donnerstag bis Sonntag im Einzel, im Team und im Mehrkampf. Eintritt: Tickets gibt es ab 13,50 Euro unter https://diefinals.de/tickets/.

In die Riemen gelegt

Auch das Rudern feiert seine Finals-Premiere. Zum ersten Mal tragen die verschiedenen Bootsklassen ihre Titelkämpfe beim Multisportevent in Berlin aus. Schauplatz der Wettkämpfe ist die City-Spree entlang der East-Side-Gallery. Der Hamburger Torben Johannesen, Silbermedaillengewinner mit dem Deutschland-Achter bei den Olympischen Spielen in Tokio, freut sich, „dass jetzt auch das Rudern als Sportart bei den Finals vertreten ist“. Die ersten Vorläufe werden am Sonnabend um 10 Uhr (Endläufe ab 14.05 Uhr) an der Oberbaumbrücke gestartet. Am Sonntag fällt der erste Startschuss um 9.45 Uhr (Endläufe ab 12.10 Uhr). Eintritt: kostenlos.

Anmut und Grazie

Reifen, Ball, Keulen und Band – die Zutaten für die Rhythmische Sportgymnastik, die ihre Titelkämpfe in der Max-Schmeling-Halle austrägt. Die Gymnastinnen, die tänzerische und akrobatische Elemente in ihren Übungen vereinen, treten im Einzel und in der Gruppe an. Während im Einzel ein Kür-Vierkampf mit den genannten Utensilien geturnt wird, braucht es in der Gruppe eine Übung mit fünf Reifen und eine mit zwei Bällen bzw. drei Bändern. Los geht es ab Freitag um 8.30 Uhr mit dem Mehrkampf im Einzel. Am Sonnabend und Sonntag folgen die Gruppen-Mehrkämpfe und die Gerätefinals. Eintritt: Tickets ab 13,50 Euro unter https://diefinals.de/tickets/.

Die WM-Norm ist das Ziel

In der Leichtathletik geht es bei den Finals nicht nur um Titel. Im Olympiastadion kämpfen die Athleten auch noch um die Qualifikation für die WM in Eugene (15. bis 24. Juli) und die EM in München (15. bis 21. August). Eine, die die Normen schon erfüllt hat, ist Gina Lückenkemper. Doch die Sprinterin vom SCC, die sich in beeindruckender Frühform präsentiert hat, freut sich trotzdem auf die blaue Bahn. Die Entscheidungen im Kugelstoßen steigen vor dem Brandenburger Tor (Donnerstag ab 15 Uhr, Freitag ab 14 Uhr). Im Olympiastadion geht es am Sonnabend und am Sonntag um 10 Uhr los. Eintritt: Tickets von 12,50 Euro bis 39,50 Euro unter https://diefinals.de/tickets/.

( BM )