DFB-Pokal

Im Elfmeterschießen: RB Leipzig gewinnt den DFB-Pokal

| Lesedauer: 6 Minuten

Foto: dpa

RB Leipzig hat zum ersten Mal den DFB-Pokal gewonnen. Gegen den SC Freiburg ging es im Endspiel in Berlin bis ins Elfmeterschießen.

Berlin. Kurz bevor es im Berliner Olympiastadion nach 120 dramatischen Minuten ins Elfmeterschießen ging, schaute Christian Streich für einen kurzen Moment nicht auf das Spielfeld. Mit den Händen in den Hosentaschen beobachtete der Trainer des SC Freiburg, was sich im Rücken seiner Mannschaft abspielte. 35.000 überwiegend in Rot gekleidete Fans seines Vereins, für den er seit 1995 arbeitet, sorgten mit ihren lautstarken Gesängen für eine Gänsehaut-Atmosphäre in der Hauptstadt. Streich genoss diese Momente in vollen Zügen. Seiner über viele Jahre erfolgreichen Arbeit war es zu verdanken, dass die Freiburger das erste DFB-Pokalfinale ihrer Vereinsgeschichte spielen durften.

Zur Krönung seiner Arbeit hat es nicht gereicht. Der SC Freiburg verlor das Bundesliga-Duell gegen RB Leipzig mit 3:5 (1:1, 1:0) nach Elfmeterschießen. Für die Leipziger war es nach den Finalniederlagen in den Jahren 2019 und 2021 der erste Titel der Vereinsgeschichte.

Erstmals seit drei Jahren wurde das DFB-Pokalendspiel an diesem Samstag wieder in einem ausverkauften Berliner Olympiastadion ausgetragen. 74.322 Zuschauer waren dabei. In den Jahren 2020 und 2021 fanden die Endspiele aufgrund der Corona-Pandemie vor leeren Rängen statt.

Freiburg-Trainer Streich hatte in den Tagen vor dem Finale immer wieder betont, dass seine Mannschaft die nötige Lockerheit haben müsse. Die besondere Atmosphäre beflügelte den Final-Debütanten. Mit den lautstarken Fans im Rücken war der Sport-Club in der Anfangsphase die aktivere und aggressivere Mannschaft.

Freiburg geht nach 19 Minuten durch Eggestein in Führung

Bereits nach 19 Minuten belohnte sich Tabellensechste der abgelaufenen Bundesliga-Saison. Maximilian Eggestein erzielte das 1:0 durch einen platzierten Distanzschuss aus 20 Metern. Seinem Teamkollegen Roland Sallai war der Ball zuvor unabsichtlich an die Hand gesprungen, was Proteste bei den Leipzigern auslöste. Der Treffer wurde vom Video-Assistenten überprüft, aber nicht zurückgenommen. Denn laut der DFB-Statuten war der Treffer regulär. "Ein Tor, dem ein unabsichtliches Handspiel vorausging, ist nur dann ungültig, wenn es durch den Spieler selbst und unmittelbar erzielt wird.“ Da der Ball zu Eggestein kam, war keine Unmittelbarkeit gegeben. Das Tor zählte, die Freiburger Fans verwandelten das Olympiastadion in einen Hexenkessel.

Um ein großes Finale gegen einen mindestens gleichwertigen Gegner zu gewinnen, gehört auch das nötige Glück dazu. Das hatten die Freiburger vor allem in der 24. Minute, als RB Leipzig eine Großchance liegen ließ. Nach einem dicken Patzer von Nicolas Höfler stand Nkunku frei vor Mark Flekken. Der RB-Topscorer legte den Ball am Freiburger Torwart vorbei, doch der überragende Nico Schlotterbeck kratzte ihn noch vor der Torlinie weg. Dafür ließ sich der Nationalspieler, der ab der kommenden Saison für Borussia Dortmund spielen wird, vor der eigenen Fankurve feiern. Die Breisgauer suchten immer wieder den Kontakt zu den eigenen Fans, die ihnen an diesem Abend die nötige Energie gaben.

Bis auf Nkunkus große Möglichkeit war von der Mannschaft von Trainer Domenico Tedesco im ersten Durchgang nicht viel zu sehen. Der Champions-League-Teilnehmer fand nicht zu seinem Spiel und konnte die namhafte Offensive um Nkunku, Forsberg und Andre Silva zu selten in Szene setzen.

Halstenberg sah die Rote Karte

Als der Ostklub nach dem Seitenwechsel so etwas wie eine Druckphase startete, musste Leipzig den nächsten Rückschlag verkraften. Marcel Halstenberg sah in der 57. Minute die Rote Karte, nachdem er Lucas Höler als letzter Mann umgerissen hatte. Eine korrekte Entscheidung, die die Chancen der leicht favorisierten Leipziger deutlich sinken ließ.

Doch der Bundesliga-Vierte gab sich nicht auf und schlug in der 76. Minute überraschend zu. Und wieder konnten sich die Leipziger auf ihren Torjäger Nkunku verlassen, der eine Flanke von Willi Orban auf den zweiten Pfosten mit seinem ausgestreckten Bein über die Linie drückte.

Der Treffer schien die bis zu diesem Zeitpunkt starken Freiburger erstmals in dieser Partie zu verunsichern. In Unterzahl übernahm Leipzig in der Folge das Kommando und kam zu zwei weiteren guten Möglichkeiten, um das Spiel in der regulären Spielzeit zu entscheiden. Dominik Szoboszlai scheiterte an Flekken (82.), der ebenfalls eingewechselte Olmo schoss drei Minuten später nur knapp am Tor vorbei. Tedesco hielt es nicht mehr in seiner Coaching-Zone. Der 36-Jährige spürte, dass seine Mannschaft zu diesem Zeitpunkt deutliche Vorteile besaß. Freiburg rettete sich allerdings mit letzter Kraft in die Verlängerung.

Demirovic und Günter scheitern vom Punkt

Streich versammelte seine Mannschaft nach diesen Wirkungstreffern der Leipziger zur Pause auf dem Rasen und stellte sein Team neu ein. In der Verlängerung gelang es den Freiburgern in Überzahl auch, die Kontrolle über das Spiel zurückzugewinnen. RB blieb durch den pfeilschnellen Franzosen Nkunku zwar stets gefährlich, Freiburg kam aber zu den großen Chancen. In der 104. Minute verließ die Breisgauer dann das Glück, das sie vor allem im ersten Teil des Spiels noch hatten. Janik Haberer traf nur den Innenpfosten, den Nachschuss schoss Ermedin Demirovic aus vier Metern freistehend über das Tor.

In der 115. Minute scheiterte Haberer mit einem Gewaltschuss aus der zweiten Reihe erneut am Aluminium. Dieses Mal traf er nur die Latte. Aufregung gab es drei Minuten vor dem Ende erneut um Schiedsrichter Sascha Stegemann. Nach einer Grätsche von Höfler ging Olmo im Freiburger Strafraum zu Boden. Stegemann sah sich die Aktion nach einem Hinweis des Videoassistenten auf dem Bildschirm an, blieb aber bei seiner Entscheidung, keinen Strafstoß zu geben. Wegen Meckerns sah RB-Mittelfeldspieler noch Gelb-Rot. Die letzten drei Minuten überstand Leipzig aber auch in doppelter Unterzahl. Dieses hochspannende und dramatische Endspiel musste im Elfmeterschießen entschieden werden. Dort behielten die Leipziger Schützen die Nerven. Kapitän Christian Günter und Ermedin Demirovic scheiterten auf Freiburger Seite.