Alba Berlin

Alba Berlin zeigt gegen Real zu viel Respekt

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Dietmar Wenck
Wieder einmal Albas Bester: Maodo Lo (r.) kam auf 21 Punkte gegen den Titelkandidaten Real Madrid.

Wieder einmal Albas Bester: Maodo Lo (r.) kam auf 21 Punkte gegen den Titelkandidaten Real Madrid.

Foto: Andreas Gora / dpa

Nur zwei Tage nach der starken Leistung in Mailand enttäuscht Alba Berlin in eigener Halle gegen Real Madrid.

Berlin. So imponierend Alba Berlin am Dienstag trotz seiner 76:84-Niederlage in Mailand nach zweiwöchiger Corona-Pause zurückgekehrt war auf die europäische Basketball-Bühne, so chancenlos war der deutsche Meister zwei Tage später gegen Real Madrid. Schönen Alba-Basketball gab es diesmal nicht zu sehen: Mit 89:74 (48:36) gewannen die Spanier vor 1600 Zuschauern in der Mercedes-Benz Arena, es war ihr 16. Sieg im 19. Spiel, was Platz eins in der Tabelle bedeutet. Das Team von Trainer Israel Gonzalez hat dagegen von seinen 18 Partien nur sechs gewonnen und belegt Rang 16.

„Wir müssen vor allem in der ersten Hälfte einen besseren Job machen“, sagte Center Oscar da Silva, „da war keine Energie von uns, keine Physis.“ Ähnlich sah es sein Mitspieler Louis Olinde, der ebenfalls einen Mangel an Bereitschaft feststellte: „Es lief anfangs irgendwie nicht so, vielleicht hatten wir ein bisschen zu viel Respekt. Wir haben ja quasi gewartet, was Real so macht.“

Alba Berlin kommt mit Reals Abgezocktheit nicht zurecht

Bei Alba kehrte Malte Delow in die Mannschaft zurück; Johannes Thiemann und Jonas Mattisseck verfolgten das Geschehen noch als Zuschauer, ansonsten sind die Berliner komplett. Bei den Gästen fehlte mit Walter Tavares einer der besten Spieler der Euroleague, mit Rudy Fernandez und Fabien Causeur weitere wichtige Bestandteile des Teams. Doch dafür ist der Argentinier Gabriel Deck nach 17 Einsätzen beim NBA-Klub Oklahoma City Thunder zurück bei Real.

Die abgezockten Madrilenen zeigten sich von ihren personellen Ausfällen unbeeindruckt, ihr Team ist so breit aufgestellt, dass immer noch mühelos ein Klassekader in Berlin auflaufen konnte. Und der hatte zwar im ersten Viertel nach einem von Maodo Lo initiierten Zwischenspurt der Gastgeber vom 0:6 zum 13:10 leichte Probleme, Fahrt aufzunehmen. Aber schon bald übernahm Real die Kontrolle, traf besser aus der Distanz, beherrschte trotz Tavares’ Fehlen die Rebounds und führte Anfang des zweiten Viertels mit 27:15 erstmals zweistellig.

Nur Maodo Lo ragt bei Alba Berlin heraus

Alba wirkte seltsam uninspiriert, Center Christ Koumadje bekam kaum einen Ball zu fassen, die Zuspiele waren aber auch oft ungenau. Weder lief der Ball wie gewohnt durch die Reihen noch wehrte sich die Mannschaft in der Verteidigung gegen Reals Übermacht. Nur zwei Berliner Fouls in den ersten zwanzig Minuten – das ist sehr ungewöhnlich für ein Basketballspiel. Das änderte sich nach der Pause etwas, ein 10:2-Lauf Alba brachte die Berliner auf 46:50 heran. Aber gleich danach war der alte Abstand wieder hergestellt beim 67:54 für Real.

So sehr die Gastgeber sich auch bemühten – nichts wollte richtig gelingen, die Partie war früh entschieden. Maodo Lo (21 Punkte) ragte bei Alba heraus, nur Marcus Eriksson und Ben Lammers (je 10) punkteten noch zweistellig.

Wichtiger ist für Alba Berlin das Spiel am Sonntag

Realistisch betrachtet, hat das auf die Euroleague-Position Albas geringen Einfluss. Am Sonntag (15 Uhr, Magentasport) wird es wichtiger werden zu gewinnen, dann geht es gegen die Riesen Ludwigsburg um Bundesliga-Punkte. Dort haben die Berliner als Titelverteidiger das Play-off mit erst vier Niederlagen ganz fest im Visier. „Das wird sehr, sehr wichtig für uns“, sagte Olinde, „das wollen wir unbedingt gewinnen.“

Bereits am Dienstag darauf wird die wegen Corona verschobene Euroleague-Partie bei Maccabi Tel Aviv nachgeholt. Und am Freitag in München wartet in München die nächste, schwere Aufgabe, erneut im internationalen Wettbewerb.

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