Kommentar

Hertha BSC muss eine Reaktion zeigen

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Jörn Lange sieht eine eindeutige Dominanz der Eisernen in Berlin. Hertha ist derzeit nicht auf Augenhöhe.

Jörn Lange sieht eine eindeutige Dominanz der Eisernen in Berlin. Hertha ist derzeit nicht auf Augenhöhe.

Foto: dpa/BM Montage

Der ungefährdete Sieg von Union gegen Hertha zeigt: Von Augenhöhe der beiden Berliner Bundesligisten kann aktuell keine Rede sein.

Berlin. Viel eindeutiger hätte es nicht sein können: Union gewinnt das Hauptstadt-Derby souverän mit 2:0 (2:0) und klettert in der Tabelle vorerst auf Rang fünf – Hertha bleibt über 90 Minuten zu harmlos und verharrt auf Rang 13. Der Abstand zwischen Köpenickern und Charlottenburgern wächst somit auf sieben Punkte. Während sich die einen erneut in Europapokalgefilden tummeln, verbleiben die anderen in Schlagweite zum Relegationsrang.

Hertha-Manager Fredi Bobic war der Frust nach dem Schlusspfiff deutlich anzumerken, im TV-Interview antwortete er teils gereizt. Wenig verwunderlich, denn natürlich hatten sie bei Hertha auf ein anderes Spiel gehofft – eines, das der bislang komplizierten Saison einen positiven Spin geben würde. Stattdessen ist die Spielzeit um eine Enttäuschung reicher.

Selbst Herthas aberkannter Anschlusstreffer taugte nicht zum richtigen Aufreger-Thema, weil die Kräfteverhältnisse auf dem Rasen schlicht zu klar waren. 15:8 Torschüsse zugunsten von Union sprachen eine eindeutige Sprache, zumal die Versuche der Gäste kaum Gefahr verströmten.

In der Derby-Bilanz hat Union nun ausgeglichen. Beide Teams stehen in den Bundesliga-Duellen bei zwei Siegen, einmal trennte man sich mit einem Remis. Trotzdem kann von Augenhöhe aktuell keine Rede sein. Union hat die Nase vorn.

Von einer dauerhaften Wachablösung zu sprechen, wäre vermessen, doch der Trend ist längst eindeutig. Während Union seit Jahren eine kontinuierliche Entwicklung vollzieht, ist Hertha zu oft mit sich selbst beschäftigt.

Zugegeben: Eins-zu-eins-Vergleiche zwischen den Klubs muten oft windschief an, weil die Voraussetzungen und Anspruchshaltung der beiden Vereine zu unterschiedlich sind. Trotzdem drängt sich der Eindruck auf, dass Hertha sich momentan mehr von Union abschauen kann als umgekehrt. Die personelle Kontinuität bei den Verantwortlichen, die Transferpolitik oder die Mentalität der Mannschaft taugen zum Vorbild. Übrigens nicht nur für den Stadt-Rivalen, sondern gefühlt für die halbe Liga.

Wenn Hertha-Manager Bobic davon spricht, dass er aus dem Derby „unheimlich viele Erkenntnisse“ darüber gewonnen habe, „wie weit man mit diesem Team kommen kann“, klingt das einigermaßen bedrohlich, zugleich aber auch schonungslos ehrlich. Auf Schönfärberei scheint der Sport-Geschäftsführer keine Lust zu haben, er will anpacken, Dinge verändern.

Für Hertha wird nun vieles davon abhängen, wie die Mannschaft auf die Derby-Pleite reagiert. Die erste große Chance zur Wiedergutmachung gibt es schon am 19. Januar. Im Achtelfinale des DFB-Pokals. Gegen Union.