Alba Berlin

Alba Berlins schwieriger Spagat

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Dietmar Wenck
Seit mehr als dreißig Jahren mit Leib und Seele dabei: Marco Baldi, Geschäftsführer von Alba Berlin.

Seit mehr als dreißig Jahren mit Leib und Seele dabei: Marco Baldi, Geschäftsführer von Alba Berlin.

Foto: Sebastian Räppold/Matthias Koch via www.imago-images.de / imago images/Matthias Koch

Alba Berlin gelingt es auch ohne Riesenbudget, erfolgreich zu sein und gleichzeitig Nachhaltigkeit zu schaffen.

Berlin. Auf den ersten Blick wirkt die Herangehensweise von Alba Berlin, eine Konstante im europäischen Basketball zu werden, eher unlogisch. Der Verein hat deutlich schlechtere finanzielle Voraussetzungen als die Konkurrenz aus Moskau, Istanbul oder München. Trotzdem investiert er statt in sein Euroleague-Team viel Geld in die Nachwuchsarbeit, beschäftigt mehr als 100 Trainer. Fördert intensiv Frauen- und Rollstuhl-Basketball. Geht mit seinen Coaches in Schulen und Kitas, ist seit vergangenem Jahr sogar Träger einer Weddinger Ganztagsschule. Warum?

„Wir sind ein ganz wesentlicher Sozialfaktor in der Stadt geworden“, erklärt Alba-Präsident und Aufsichtsratschef Axel Schweitzer stolz. Selbst während der Corona-Zeit wurden mit der Digitalen Sportstunde und zuletzt der Alba-Mediathek innovative Standards gesetzt. Solche Aktionen, mit denen vor allem Kinder für Sport begeistert werden sollen, haben den Basketball-Klub über die Grenzen Berlins hinaus noch bekannter gemacht, wurden sogar vom Bundesinnenministerium mit Millionenbeträgen gefördert.

Zwei Meistertitel in Folge geben Alba Berlin viel Rückenwind

Alles zusammen steigert den Beliebtheitsgrad, die Wertigkeit, in der eigenen Stadt. Das Ziel, das sich die Gründer Alba Berlins vor gut 30 Jahren setzten, „etwas zu bauen, was Bestand hat“ (Schweitzer), ist erreicht. Dieser Weg der Verankerung in Berlin soll weiter beschritten, gleichzeitig die sportliche Entwicklung forciert werden – ein Spagat, der nicht nur Geld, sondern auch Kraft kostet. Der aber durch zwei in Folge gewonnene deutsche Meisterschaften gerade willkommene Hilfestellung erhält.

Der Etat der Vorsaison von gut zehn Millionen Euro wurde trotz der entgangenen Zuschauereinnahmen gehalten – jetzt kann wieder mit Fans und deshalb mit Eintrittsgeldern kalkuliert werden. Obwohl die Euroleague ein hoher Kostenfaktor ist, kann der Verein kaum auf sie verzichten: Viele Spieler kommen nach oder bleiben in Berlin, weil sie sich mit den Besten des Kontinents messen wollen.

Noch spielt Alba dort mit einer Wildcard. Bald soll daraus eine dauerhafte A-Lizenz werden. Obwohl die Berliner auf absehbare Zeit nicht mit Summen jonglieren können wie die eingangs erwähnte Konkurrenz, die im Zweifelsfall gut ausgebildete Profis aus ihren Alba-Verträgen herauskauft.

Der Nachwuchs drängt bei Alba Berlin nach vorn

Der deutsche Meister trägt es mit Fassung. „Wir schauen nicht auf andere, müssen sehen, wie wir mit unseren Bordmitteln hinkommen“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi. Der eigene Nachwuchs drängt bereits auf seine Chance. Nach den Etablierten Tim Schneider (24), Jonas Mattisseck (21) oder Malte Delow (20) klopfen jetzt noch Jüngere an die Tür: Christoph Tilly (18) etwa. Oder der erst 17-jährige Rikus Schulte.

„Wir bauen das alles“, sagt Baldi, selbst Baumeister der ersten Stunde, „das braucht Zeit, das braucht Geduld.“ Man sehe bei Alba, „wie alles ineinandergreifen kann“. Sportlich belegten die Berliner in der Euroleague vergangene Saison Rang 15 unter 18 Teams, nach Rang 16 in der abgebrochenen Spielzeit davor. Vorwärts geht es nur in kleinen Schritten. Parallel, so Baldi, „wollen wir ja auch Menschen in Bewegung und Begegnung bringen. Unsere Community aufbauen. Wir wollen nicht nur durch Titel begeistern.“

Alba Berlin spielt in jedem Jahr in Europa mit

Der Manager spricht von einem „haarigen Weg, der sehr anstrengend ist. Aber wir sehen, dass Früchte fallen, wenn man richtig sät.“ Und wenn man zurückschaut wie Axel Schweitzer, kann man auch erkennen, dass Alba bestimmt nicht alles, aber doch vieles richtig gemacht hat: „Wir sind jetzt zehn Mal deutscher Meister, zehn Mal Pokalsieger, haben den Korac-Cup gewonnen, haben in der Bundesliga jedes Jahr das Play-off erreicht, jedes Jahr Europapokal gespielt.“ So betrachtet, zählt Alba Berlin damit längst zu den Konstanten des europäischen Basketballs.

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