Helden der Hauptstadt

Pierre Senska: In Tokio endlich wieder fest im Sattel

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Inga Böddeling
Pierre Senska bewegt sein Rad allein mit der Kraft seiner Oberschenkel.

Pierre Senska bewegt sein Rad allein mit der Kraft seiner Oberschenkel.

Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto

Seit zwölf Jahren wartet Pierre Senska auf seine nächste Paralympics-Teilnahme. In Tokio darf er endlich starten – mit Ambitionen.

Berlin. Pierre Senska saß in den vergangenen zwei Wochen aufmerksam vor dem Fernseher. Die olympischen Radsport-Wettbewerbe auf der Straße und auf der Bahn liefen – Anschauungsunterricht für den Berliner. Der Para-Radsportler macht sich in wenigen Tagen selbst auf den Weg nach Tokio. Zu seinen zweiten Paralympics (24. August bis 5. September).

„Das Straßenrennen auf dem Fuji-Speedway, das ist schon sehr anspruchsvoll“, erzählt der 33-Jährige in der neuen Folge „Helden der Hauptstadt“, dem Podcast des Olympiastützpunktes Berlin und der Berliner Morgenpost. Im großen Pulk auf der Straße rechnet sich Senska aber sowieso nicht die größten Chancen aus.

Die gesamte Folge mit Pierre Senska finden Sie hier.

Obwohl er sich in genau der Disziplin im Frühsommer zum Europa- und Weltmeister kürte. Bei den Paralympics aber wird seine Startklasse C1 mit anderen, stärkeren Startklassen zusammengelegt. Das ist auch der Grund, warum Senska nach der Teilnahme an den Sommerspielen 2008 in Peking zwölf Jahre Paralympics-Pause machen musste.

Damit es aber mit Tokio auf jeden Fall klappt, hat sich der Para-Athlet, der seit seiner Geburt an Muskelschwund in den Unterschenkeln leidet, auf „das Zeitfahren und die Bahn-Wettbewerbe konzentriert“, wie Senska erzählt. Jetzt sitzt er fest im Sattel und rechnet sich in der 3000-Meter-Verfolgung auf der Bahn und im Einzelzeitfahren auf der Straße gute Medaillenchancen aus.

„Von uns fährt da keiner hin und würde eine Goldmedaille ablehnen“, sagt der Berliner, der für den BPRSV Cottbus startet. „Wir sind ein so starkes Team. Gold ist immer ein Ziel.“ Dass er dieses Ziel überhaupt noch verfolgt, hat er seiner Mutter zu verdanken.

Seine Karriere beginnt beim Marzahner Radsportclub

Als es mit der Teilnahme in Rio 2016 wieder nicht geklappt hatte, wollte Senska aufhören, stellte das Rad für gut zwei Monate in die Ecke. „Da hatte ich schon halb abgeschlossen“, erzählt er. „Da war dann meine Mutter ein treibender Faktor, die mir einen Satz gesagt hat, den ich nie vergessen werde. Sie hat gesagt: Das Sportler-Leben kriegst du nie zurück.“

Ein Leben, von dem Senska eigentlich nie geträumt hatte. Im Teenager-Alter empfiehlt ihm ein Arzt, mit dem Sport anzufangen. Neben dem Muskelschwund in den Waden fehlt ihm auch die Gesäßmuskulatur, zudem sind seine Fußgelenke steif. Bewegung sollte aber helfen, besser mit den Beeinträchtigungen umzugehen.

Fußball funktionierte nicht so recht, also nahm man ihn mit offenen Armen beim Marzahner Radsportclub auf. Als 16-Jähriger fand er sich plötzlich bei den Deutschen Meisterschaften wieder, wurde Dritter. „Und wenn du dann irgendwo mal eine Medaille gewinnst“, erzählt Senska, „machst du natürlich weiter.“

Sieben Mal Weltmeister auf der Straße und der Bahn

Er machte weiter, wurde in den vergangenen 15 Jahren sieben Mal Weltmeister auf der Straße, einmal im Teamsprint auf der Bahn. Dass er der Konkurrenz auch im Paralympics-Jahr seine Leistungsstärke präsentieren konnte, sieht der Para-Radprofi nicht unbedingt als Vorteil. „Ich weiß selbst, wie einen das wurmt, wenn man geschlagen wird“, sagt Senska und ist gewarnt. „Wenn man Weltmeister wird, tritt eine Selbstzufriedenheit ein. Und die anderen, die machen noch mal zwei, drei Prozent mehr.“

Zwei, drei Prozent mehr, um ihm das Leben in Tokio schwer zu machen. Aber Pierre Senska ist bestens vorbereitet. Das intensive TV-Studium, es soll sich auszahlen.

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